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Bildung

Schönreden geht nicht

In vielen europäischen Ländern kritisiert man auch zum Jubiläum noch den europäischen Hochschul-Reformprozess. Die europäischen Bildungsminister reagieren verständnisvoll auf die Kritik. Eine Momentaufnahme.

Studentenproteste in Budapest am 11. März 2010 (Foto: EPA)

Proteste gegen Bologna

Eigentlich sollte das Ganze eine Jubelparty sein: 2010, so die ursprünglichen Pläne, sollte der Umbau des europäischen Hochschulraums abgeschlossen sein. Genau zehn Jahre nach seinem Beginn sollte der Bologna-Prozess als Erfolg abgehakt werden – so die Planung Ende der 1990er Jahre. Mittlerweile ist klar: Es werden mindestens noch zehn weitere Jahre für die Reformen gebraucht, die Bologna-Geburtstagsfeier fällt ein wenig kleiner aus – und nachdenklicher.

"Wir Studierenden erwarten, dass die Ministerinnen und Minister einsehen, dass sie viel Mist gebaut haben", sagt Sigrid Maurer, Vorsitzende der Österreichischen HochschülerInnenschaft. "Bologna ist eben sehr viel mehr als nur die Gliederung des Studiums in Bachelor, Master und Doktorarbeit." Insbesondere die sozialen Aspekte und Fragen der Studierbarkeit seien bisher zu kurz gekommen: "Das muss jetzt diskutiert und verbessert werden."

Wir nehmen die Kritik ernst!

Die europäischen Bildungsminister am 11. März 2010 in Budapest (Foto: dpa)

Die Minister posieren - ganz freundlich

Ähnlich wie schon in den vergangenen Monaten, als Bildungspolitiker immer wieder die Kritik der Studierenden wohlwollend kommentiert hatten, gab es auch diesmal auf der Ministerkonferenz in Budeapest und Wien viel Schulterklopfen für die Nachwuchs-Akademiker. "Das beste Statement, das ich gehört habe, war das der europäischen Studierendenvereinigung", sagte etwa die deutsche Bundesbildungsministerin Annette Schavan am Abend des ersten Konferenztags. Sie will "den Reformprozess jetzt zusammen mit den Studierenden weiter konkretisieren" und forderte ihre europäischen Ministerkollegen angesichts der offensichtlichen Reformprobleme auf: "Wir müssen arbeiten, nicht nur feiern." Trotz aller Schwierigkeiten gebe es aber keine Alternative zum Reformprozess. Für Mitte Mai hat Schavan jetzt als Reaktion auf die Proteste des letzten Wintersemesters zu einer nationalen Bologna-Konferenz nach Berlin eingeladen.

Gefeiert wird später

Logo des Bologna-Prozesses (Foto: dpa)

Das Reizwort für viele Studierende

Wenig Grund zum Feiern sieht derzeit auch das Deutsche Studentenwerk (DSW). Man werde kritisch bleiben, sagte DSW-Präsident Rolf Dobischat. Und zwar solange man nicht überall in Europa auf Bachelor studieren könne, solange nicht mehr Studenten zum Studieren in andere Länder gingen, und solange die Arbeitsmarktchancen von Bachelor-Absolventen so unklar seien. Am Bologna-Prozess beteiligen sich inzwischen 47 Staaten. In Budapest wurde jetzt Kazachstan als jüngstes Mitglied in den europäischen Hochschulraum aufgenommen. Für die Proteste der Studierenden hat Rolf Dobischat vollstes Verständnis: "Der Bologna-Prozess ist für die Studierenden gemacht. Sie tun gut daran, sich als eigentliche Adressaten weiter Gehör zu verschaffen und auf Defizite aufmerksam zu machen." Eine Aufforderung, der die Studenten nachkommen: "Man wird uns in Wien hören", kündigte Sigrid Maurer an.

Autor: Armin Himmelrath

Redaktion: Marlis Schaum

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