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Kultur

Schönheitskur für die Loreley

2002 wurde der Rheinabschnitt unterhalb des berühmten Schieferfelsens in die Liste der UNESCO-Welterbestätten aufgenommen. Doch das Plateau führte lange ein Schattendasein. Jetzt soll es restauriert werden.

"Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, dass ich so traurig bin; Ein Märchen aus uralten Zeiten, das geht mir nicht aus dem Sinn": Heinrich Heines Lied von der Loreley hat den sagenumwobenen Felsen im malerischen oberen Mittelrheintal weltweit berühmt gemacht. 1823 schrieb er das Gedicht über die schöne Nixe, die hoch oben über dem Fluss sitzt, ihr goldenes Haar kämmt und dabei ein Lied singt. Unten im Tal hat der Schiffer nur Augen und Ohren für die betörende Maid und vergisst darüber die tückischen Felsenriffe. Das Unglück ist progammiert: Sein Kahn läuft auf und versinkt in den Fluten.

Noch heute recken die

Touristen auf den Besucherbooten an diesem Flussabschnitt die Hälse nach oben

in der Hoffnung, die blonde Schönheit zu erspähen. Auf der Suche nach deutscher Romantik pilgern rund 100.000 Touristen jährlich zum 132 Meter hohen Loreley-Felsen bei Sankt Goarshausen.

Schmucklose Aussichtsplattform

Loreley Statue Bronze St.Goarshausen Deutschland

Die schöne Loreley wartet darauf, bald in neuem Glanz zu erstrahlen

Doch was die Scharen von Touristen aus Deutschland, Amerika, Japan und vielen anderen Ländern vorfinden, strahlt den Charme der 1970er Jahre aus. Es ist noch gar nicht so lange her, da gab es hier oben nur ein paar Automaten und einen Kiosk. Mittlerweile sind wenigstens die Autos von der Loreleyspitze verbannt, außerdem informiert seit 2000 ein Besucherzentrum über Rheinromantik, Flora und Geologie der Gegend. Doch so richtig zufriedenstellend ist diese Lösung nicht.

Seit Jahren wird über eine umfassende Neugestaltung der etwa 52 Hektar großen Fläche auf dem Loreley-Felsen diskutiert. Im Sommer 2014 wurde deshalb ein Wettbewerb ausgeschrieben, an dem sich Architekten und Landschaftsplaner aus ganz Europa beteiligen konnten.

Noch ist nichts entschieden

Entwürfe für Neugestaltung des Loreley-Plateaus

Der Siegerentwurf sieht einen Einschnitt in den Felsen sowie überdimensionale, leuchtende Kristalle vor

Vier Entwürfe kamen in die engere Wahl, am Ende setzte sich ein Erfurter Planungsbüro mit seiner Idee durch. Der Sieger des Wettbewerbs will die Besucher über einen neuen Weg direkt zur Loreley und durch den Felsen hindurch bis zum Aussichtspunkt über dem Rhein führen. Die Frage ist allerdings, ob das logistisch machbar ist, denn der Welterbe-Status des Mittelrheintals darf nicht gefährdet werden. Entschieden ist noch nichts, 2015 sollen erst mal Fördergelder rekrutiert werden und erste Planungen Gestalt annehmen. Dann klärt sich auch, ob der Siegerentwurf wirklich umgesetzt wird oder man sich letztendlich doch für ein anderes Modell entscheidet.

Die Loreley soll es richten

Thingstätte auf dem Loreley Felsen 1938

Auch die Nazis wollten vom Loreley-Mythos profitieren und bauten hier eine "Thingstätte"

Von der Schönheitskur erhoffen sich das Land Rheinland-Pfalz und die Investoren vor allem mehr Wachstum für die Region. Sie wollen mehr Touristen in die strukturschwache Gegend locken, die seit Jahren unter Bevölkerungsschwund leidet. Dass der Name Loreley Zugkraft hat, ist bekannt, seitdem die deutschen Romantiker den Rhein besangen.

Die junge Dame kurbelte den Rheintourismus

kräftig an: Die ersten Gäste kamen schon in den 1820er Jahren. Neuartige Dampfschiffe verkehrten seit 1827 regelmäßig zwischen Köln und Mainz, und schon 1849 beförderten die Reeder erstmals rund eine Million Passagiere.

1939 bauten die Nationalsozialisten wenige hundert Meter vom Aussichtsplateau entfernt eine Freilichtbühne, auch sie wollten vom urdeutschen Mythos profitieren. Große Open Air-Festivals gibt es an der Loreley bis heute: Auch die Berliner Philharmoniker waren schon zu Gast. Das markante Zeltdach der Bühne soll durch eine wetterfeste Kuppelkonstruktion ersetzt, die Steinreihen saniert werden. Die Kosten in Höhe von drei Millionen Euro wollen sich das Land, die Verbandsgemeinde Loreley, die Stadt Sankt Goarshausen und der Betreiber teilen.

Den Mythos neu in Szene setzen

Bildergalerie Rheinromantik

Wie sieht die Zukunft der "Marke Rheinromantik" aus?

Eine weitere Touristenattraktion am Loreley-Felsen ist schon seit 2013 in Betrieb: eine Sommerrodelbahn. Umweltschützer des BUND hatten gegen den Bau geklagt, doch das rheinland-pfälzische Oberverwaltungsgericht urteilte anders: Die 650 Meter lange Strecke sei kaum zu sehen und das Unesco-Welterbe Oberes Mittelrheintal würde nicht verschandelt.

Am 15. Januar eröffnete in Koblenz die Ausstellung "Wettbewerbsergebnisse zur Neugestaltung des Loreley-Plateaus". Bis zum 6. Februar können die Besucher sich ein Bild darüber machen, wie renommierte Planungsbüros den Mythos Loreley in Szene setzen wollen.

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