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Fußball

"Schöner kann Fußball nicht sein"

Die spannende Bundesliga-Saison, Wolfsburgs Meisterschaft, die umstrittene Asienreise des Nationalteams und die Finanzkrise: DFB-Präsident Theo Zwanziger zieht für die Deutsche Welle Bilanz.

DFB-Präsident Theo Zwanziger (Foto: dpa)

DFB-Präsident Theo Zwanziger

Das Fußball-Jahr 2008/2009 gehört der Vergangenheit an. Die Bundesliga hat ihren überraschenden Meister gefunden, der DFB seinen verdienten Pokalsieger und die Nationalmannschaft ist wohlbehalten von ihrem Asientrip zurückgekehrt. Zeit also für eine Rückschau mit Theo Zwanziger. Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes zeigt sich im Gespräch mit der Deutschen Welle vor allem von Felix Magaths Meistercoup überrascht: "Wolfsburg hatte ich nicht auf der Rechnung, das muss ich ganz deutlich sagen." Und auch nicht die "Hochspannung bis zum Schluss." Noch am letzten Spieltag konnten vier Teams Meister werden, waren der Kampf um die internationalen Startplätze offen und die Abstiegsfrage ungeklärt. "Die Liga liegt in ihrer Leistungsfähigkeit sehr eng beieinander", sagt Zwanziger. Auch wenn bei einigen Clubs die Qualität nicht ausreiche, um vorne mitzuspielen, "kann dennoch jeder jeden schlagen".

Erfolgsmodel Bundesliga

Die Wolfsburger um Kapitän Josue jubeln mit der Meisterschale. Foto: Kay Nietfeld dpa/lni

Die Wolfsburger mit der Meisterschale

Die Ausgeglichenheit führt Zwanziger auf das "Modell Bundesliga" zurück, weil hier die Lizenzierung und die Verteilung von TV-Geldern noch einigermaßen gerecht seien. "In anderen Ländern führt das System zwangsläufig dazu, dass nur noch wenige Mannschaften überhaupt Meister werden können." In England beispielsweise beherrschen seit Jahren nur vier Clubs die Premier League: Manchester United, der FC Chelsea, Arsenal London und der FC Liverpool. "Es gibt in der Regel eine Dreiklassengesellschaft, die haben wir in Deutschland nicht", betont Zwanziger. "Die Stadien sind voll, weil der Sieger nicht schon vor dem Spiel feststeht." Somit seien die Bundesliga und auch die 2. Liga ein Erfolgsmodell: "Schöner und spannender kann Fußball nicht sein als er in Deutschland stattfindet", fügt Zwanziger nicht ohne Stolz an.

Kritisch sieht der DFB-Präsident die wirtschaftliche Entwicklung in einigen ausländischen Ligen. Hier müsse die Wettbewerbsgleichheit verbessert werden. "Wir brauchen faire Verhältnisse auch im Wirtschaften der Clubs." Es könne nicht sein, dass Vereine mit einem Schuldenstand, "der normalerweise den Gang zum Insolvenz-Richter nach sich ziehen müsste, Transfers mit 60 und 70 Millionen Euro tätigen". Gleichzeitig aber hätten Vereine Nachteile, "die vernünftig und verantwortungsbewusst wirtschaften".

DFB-Dankeschön-Tour

Positive und auch beschwichtigende Worte findet Zwanziger für die umstrittene Asienreise der deutschen Nationalmannschaft: "Das war ein Trip nach einer schweren Saison." Daher habe man nicht erwarten können, dass immer der Fußball-Funke überspringe. Aber: "Wir können nicht nur Wettbewerbsspiele machen. Natürlich zählt das, was wir in der WM-Qualifikation gegen Aserbaidschan, Russland und Finnland zu zeigen haben. Dann wird sich auch eine andere deutsche Mannschaft präsentieren." Jetzt leistete sich das DFB-Team ein enttäuschendes 1:1 gegen China. Zudem sorgte die Auswahl von Bundestrainer Joachim Löw mit dem 7:2 bei den Vereinigten Arabischen Emiraten noch für einen versöhnlichen Saisonabschluss. Doch "Fußball ist weit mehr, als dass zwei Mannschaften gegen den Ball treten. Wir haben auch eine Entwicklungsaufgabe", erläutert Zwanziger. Viele Länder nicht nur in Europa, sondern auch in Asien und in Afrika seien stolz darauf, wenn sie gegen die deutsche Nationalmannschaft spielen könnten. "Wir müssen auch einmal Dankeschön sagen. Ohne die Unterstützung der Asiaten hätten wir die WM 2006, die wir heute noch feiern und die unserem Land so viel gegeben hat, nicht gehabt."

Länderspiel China - Deutschland (29.05.2009) in Shanghai mit Bastian Schweinsteiger (re.) (Foto: dpa)

Das DFB-Team auf Asien-Tour

Fußball und Integrität

Seit März ist Theo Zwanziger Mitglied des Exekutivkomitees der Europäischen Fußball-Union. Hier will er sich in den nächsten vier Jahren für die deutschen Interessen starkmachen. Kernaufgabe sei es aber, "die Leistungsfähigkeit und die Integrität des Fußballs in ganz Europa zu erhalten". Vor allem müsse die Attraktivität der Topwettbewerbe erhalten oder ausgebaut werden. "Nur wenn die Spitze funktioniert, also die Champions League und die neue Europa League, können auch die anderen Aufgaben erfüllt werden." Vordringlich sieht Zwanziger Hilfen für andere Landesverbände, damit diese sich weiter entwickeln. "Viele Verbände in Osteuropa wie Ungarn zum Beispiel warten darauf, einfach mal wieder an frühere Erfolge anknüpfen zu können."

Autor: Arnulf Boettcher
Redaktion: Stefan Nestler

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