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Kultur

Schöne Scheinwelt: Googles neues 3D-Chat-Programm

Mit Lively will der Internet-Konzern Google mehr Spaß ins Internet bringen - und wirbt für soziales Netzwerken im virtuellen Wohnzimmer. Marktführer Second Life hat bereits reagiert.

animierte Avatare aus der virtuellen Welt in Lively

Google versucht sich in der Unterhaltungsbranche

Fünf Jahre nachdem Second Life als erste virtuelle Welt ins Leben gerufen wurde, bringt der Internet-Konzern Google mit Lively seine Antwort. In dem am Dienstag (08.07.2008) angelaufenen neuen Projekt des Suchmaschinen-Anbieters können die Nutzer ihre persönlichen Charaktere erstellen und in virtuellen 3D-Chaträumen miteinander kommunizieren.

Ein Schritt zurück

Auf den ersten Blick scheint Lively ein Schritt zurück zu sein - nicht mehr als eine abgespeckte Version von Second Life für Kinder: Die virtuellen Figuren sind humoristischer und weniger realistisch, die Chaträume sind auf maximal 20 Personen beschränkt und die einzelnen Räume können nicht zu einer kompletten Scheinwelt miteinander vernetzt werden.

Bild aus einem Lively-Chatraum

Avatare im angeregten Gespräch

Sowohl die einzelnen Avatare - so werden die virtuellen Inkarnationen genannt - als auch die Räume können vom Nutzer individuell gestaltet werden, doch das ist nichts Neues. Die Möglichkeit, sich seine Umgebung mit Fernsehern und Bilderrahmen an den Wänden auszuschmücken - Googles Töchter YouTube und Picasa sorgen für den Inhalt - ist dagegen eine Innovation.

Ein Sprung nach vorne

Das wirklich Besondere ist jedoch etwas anderes: Lively ist nicht an die Schranken seiner eigenen Welt gebunden, sondern lässt sich problemlos überall im Internet über Plug-Ins auf realen Seiten platzieren. So haben Nutzer die Möglichkeit, individuelle Chaträume - ähnlich wie ihre Lieblingsvideos von YouTube - auf Webseiten oder Blogs einzubinden und damit die Besucher auf einen gemütlichen Plausch einzuladen.

Zur Nutzung von Lively muss man eine Zusatzsoftware runterladen, die bisher nur vom Internet Explorer und Firefox unterstützt wird. Außerdem braucht man einen leistungsstarken Rechner, sonst stürzt das Programm ab, bevor die erste Sprechblase ausgespuckt wird.

Das Geschäft mit Google

"Sei, wer du willst - auf den Webseiten, die du besuchst", titelt Google seinen Blog, um die Vorzüge der neuen Software aufzuzeigen. Gerade unter jungen Internet-Nutzern spielt soziale Vernetzung eine immens wichtige Rolle und Online-Communities wie Facebook haben großen Zulauf. Livelys Integration in persönliche Webseiten könnte sich daher durchaus als Erfolg erweisen.

Zunächst habe man noch keine Pläne, Lively als Werbeplattform zu nutzen, sagte Google-Sprecherin Sara Jew-Lim. Aber das ist auch gar nicht unbedingt notwendig. Die Chats verlängern nämlich die Verweildauer der Nutzer auf Internet-Seiten. Google kann daher gegebenenfalls an der Werbung verdienen, die sich auf der Seite in der Umgebung des Chatfensters befindet.

Google Gründer Larry Page und Sergey Brin halten Firmenlogo in der Hand (AP Foto)

Der Konzern probiert sich gern auf neuen Feldern im Internet-Geschäft

Außerdem bringt der Chatspaß Imagegewinn und der Konzern kann mit Lively seine Omnipräsenz im Internet weiter auszubauen. Denn eine schlichte Suchmaschine ist Google schon lange nicht mehr. Emails, Google-Earth, Shoppen, Videos, Fotos - es gibt kaum einen Online-Service, den Google nicht anbietet. Und an dem es nicht durch Werbung verdient.

Konter aus der anderen Welt

Linden Lab - der Erzeuger von Second Life und mit 12 Millionen registrierten Nutzern eine der größten Plattformen dieser Art - ist offenbar alarmiert von Googles Vorstoß ins reale Internet. Nahezu zeitgleich mit dem Start von Lively kündigt die Firma an, ihr sei es in Kooperation mit IBM gelungen, Avatare von einer in die andere virtuelle Welt zu teleportieren. In Zukunft sollen Bewohner in Second Life also die Möglichkeit haben, sich auch in anderen Schein-Welten umzuschauen.

Ob Googles neue Anwendung mehr als ein Zeitvertreib wird ist fraglich. Davon, dass er in Zukunft millionenfach durchs Internet geistert, ist trotzdem auszugehen.

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