1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Schöne neue Medienwelt ohne Geld

Die Kids lesen keine Zeitung. Sie kennen keine Radiogeräte. Stattdessen klicken sie wild im Internet herum. So lautet das Horrorszenario klassischer Medienanbieter. Die Branche steckt in der Krise. Wer führt sie heraus?

Computer und Zeitungsstapel ergänzen sich auf dem Schreibtisch (Bild: DW)

Neue und alte Medien friedlich vereint

Wir schreiben das Jahr 1999: Aufbruchstimmung weht durch die Redaktionsflure. Das neue Jahrtausend steht vor der Tür. Mit im Gepäck soll es nicht weniger als die "mediale Revolution" haben. "Wir treten jetzt in das Zeitalter der 1:1 Kommunikation", schreiben vor Begeisterung trunkene Feuilletonisten und ergänzen staunend: "Personalisierte Zeitungen werden möglich."

Verluste kompensieren

Zeitsprung ins Jahr 2008: Die Medien ziehen sich immer mehr von der aufwändigen journalistischen Arbeit zurück. Es fehlt Geld für Reporter und Rechercheure, insbesondere der investigative Journalismus leide enorm, schreibt der Publizist Sean Condon im britischen Magazin "Economist". Die Medienbranche steckt in der Krise. Fast schon normal sind sinkende Auflagen und Einschaltquoten bei Zeitungen und Fernsehen.

"Nur gibt es jetzt die Tendenz, dass sich diese Verluste eben nicht durch ein verstärktes Internet-Engagement der traditionellen Medien auffangen lassen", sagt Thomas Mrazek, Vorsitzender des "Fachausschuss Online im Deutschen Journalisten-Verband". Dabei sollte doch gerade die schöne neue Webwelt einen leuchtenden Pfad in die Zukunft bereit halten. Nur bis jetzt lassen sich die Verluste aus den geringeren Anzeigenerlösen klassischer Medien nicht durch das Internetangebot kompensieren.

Auf Berichterstattung konzentrieren

Cover der deutschsprachigen Ausgabe des Magazins Vanity Fair (Foto:dpa)

Was gibt´s denn da zu lachen?

Das große Problem der US-Medien ist laut aktueller Studie des PEW-Forschungsinstituts nicht so sehr die sinkende Zahl der an Nachrichten und Berichten Interessierten, sondern die Finanzierung. Die Strategien, um diesen Missstand zu beheben sind manigfaltig: Während die Einen sich auf lokale und regionale Berichterstattung konzentrieren, versuchen es die Anderen mit besonderer Parteilichkeit, die Dritten setzen auf so genannte Bürger-Journalisten und die Vierten auf Nicht-Medien-Bereiche – zum Beispiel das Reisegeschäft.

"Es wird immer deutlicher, dass die Nachrichtenbranche sehr viel aggressiver als bisher neue Geschäftsmodelle entwickeln muss", heißt es in der PEW-Studie. Manch einer mag sich da wundern, warum er inzwischen neben der ursprünglichen Tages- oder Wochenzeitung unter dem gleichen Logo auch Reisen buchen, DVDs kaufen und Partnerschaftsannoncen schalten kann.

Spielerei oder Zukunft?

Die nachgestellte Szene zeigt einen Mann, der im Internet eine Seite Besucht, mit der man Blogs erstellen kann (Foto: dpa)

Was ein Blog ist, dürften langsam aber sicher alle in der Medienbranche wissen

Neu und manchmal noch sehr fremd ist für die klassischen Medienanbieter auch die Konkurrenzsituation mit ungezählten neuen Info-Anbietern im Netz. Egal ob mit automatisch generierten News-Portalen, Social Bookmarking-Seiten, Blogs oder persönlich zusammenstellbaren Nachrichtenfeeds. Woher weiß man schnell und sicher, ob es sich dabei um eine Spielerei oder um ein möglichst sofort zu kaufendes oder zu kopierendes neues Werkzeug handelt? Sind "Bürgerjournalisten" Garanten für kostenlosen Content oder doch viel zu zeit- und kostenaufwändig? Sollen die eigenen Nachrichtenarchive im Netz gratis sein oder doch lieber kostenpflichtig?

Der globale Journalismus am Anfang des dritten Jahrtausends befindet sich in einer Umbruchphase. Nach dem Jubel, nach dem Jammer, ist jetzt vielleicht der Augenblick, realistisch nach vorne zu schauen. "Klassische Medienmarken, so schwer sie sich auch manchmal mit der 'neuen' Medienwelt tun, werden sich behaupten", sagt Thomas Mrazek. Und bei den zahllosen neuen Webportalen erwartet er eine klare Konsolidierung des Marktes. Mit offenen Augen, einem Gespür für die Interessen der Leser, Hörer und Zuschauer und den richtigen Ideen kann sich die Medienbranche wohl selber aus dem Dreck ziehen.

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links