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Wirtschaft

Schäuble: EU spielt Brexit-Szenarien durch

Die Eurozone ist nach den Worten von Bundesfinanzminister Schäuble darauf vorbereitet, negative Auswirkungen eines Austritts Großbritannien aus der Europäischen Union einzudämmen.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble fürchtet im Falle eines Austritts Großbritanniens aus der EU negative wirtschaftliche und politische Folgen für das Land und die Europäische Union. Die Briten könnten unter den ökonomischen Konsequenzen eines Brexits leiden, da Großbritannien wirtschaftlich eng mit den Partnerstaaten des Kontinents verflochten sei, sagte Schäuble dem "Spiegel" laut Vorabmeldung vom Freitag. Die Briten stimmen am 23. Juni über einen Ausstieg aus der EU, den so genannten Brexit ab.

"Da wäre es doch ein Wunder, wenn ein Ausscheiden Großbritanniens ohne ökonomische Nachteile bliebe." Schäuble schloss zudem aus, dass das Vereinigte Königreich nach einem Ausscheiden weiter die Vorzüge des europäischen Binnenmarkts genießen könne. "Dazu müsste sich das Land an die Regeln eines Clubs halten, aus dem es gerade austreten will", sagte Schäuble. Ein Brexit sei eine Entscheidung gegen den Binnenmarkt. "In is in, out is out", stellte der CDU-Politiker klar.

Domino-Effekt möglich

Auch an den anderen europäischen Ländern dürfte ein EU-Austritt der Briten nach Einschätzung des Bundesfinanzministers nicht ohne Auswirkungen vorübergehen. "Aber meine Amtskollegen in der Eurozone und ich werden alles tun, um diese Folgen zu begrenzen", sagte Schäuble. "Wir bereiten uns auf alle möglichen Szenarien vor, um die Gefahren einzudämmen."

Der als überzeugter Europäer geltende Schäuble hält im Falle eines Brexit auch einen Dominoeffekt für denkbar. Der Austritt weiterer Staaten aus der EU sei nicht auszuschließen: "Wie würden zum Beispiel die Niederlande reagieren, die traditionell sehr stark mit Großbritannien verbunden sind?" Bliebe es aber nur beim Ausstieg Großbritanniens, fürchtet Schäuble nicht um den Bestand der EU. "Europa wird zur Not auch ohne Großbritannien funktionieren."

Kein "business as usual"

Verabschieden sich die Briten aus der EU, kann die europäische Staatengemeinschaft nach Einschätzung des Finanzministers den Weg einer weiteren Vertiefung nicht weitergehen. "Wir könnten als Antwort auf einen Brexit nicht einfach mehr Integration fordern", sagte Schäuble und warnte: "Das wäre plump. Viele würden zu Recht fragen, ob wir Politiker noch immer nicht verstanden haben." Auch wenn die Briten mit knapper Mehrheit gegen den Brexit stimmten, "müssen wir das als Mahnung und Weckruf verstehen, nicht einfach so wie bisher weiterzumachen".

wen/zdh (dpa, rtrd, afpd)