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Kultur

Schätze aus der Wüste: Gut versichert

Was gibt dem Leben Sicherheit? Vertrauen in Gott, der hier und überall ist, glaubt ein alter Wüstenvater und hat damit gar nicht so unrecht, meint Hildegard König von der katholischen Kirche.

#49907653 - Magnetic Island Australia © magann

Australien Strand

Sind Sie gut versichert? - „Du bist es jedenfalls nicht“, erklärte mir letzthin einer, der es gut mit mir meinte, und dem ich meine Policen zur Durchsicht überlassen hatte. Also bestellte ich meinen Versicherungsagenten ein: Die Versicherungslücke musste schließlich geschlossen werden. Der gute Mann kam und hat sich viel Zeit mit mir genommen. Und er hat mir, sehr überzeugt, ein Rundumsorglospaket mit Komfortausstattung empfohlen: teuer, aber, wie er meinte, absolut sicher. Ich war skeptisch. So viel Sicherheit auf einmal für so viel Geld und das bei so vielen Seiten mit Kleingedrucktem! Ich erbat mir Bedenkzeit. - Die Entscheidung war nicht einfach: Mein Sicherheitsbedürfnis forderte das Rundumsorglospaket, mein Verstand sagte: „Das brauchst du nicht“.

So, mit mir selbst im Unklaren, stieß ich nicht ganz zufällig auf eine kleine Anekdote, die von einem alten Wüstenvater erzählt wird. Wüstenväter und –mütter waren christliche Asketen, die vor fast 2000 Jahren in den Randzonen der Zivilisation ein Leben in größter Einfachheit lebten, um ganz auf sich selbst konzentriert, den zwei denkbar größten Geheimnissen auf die Spur zu kommen, nämlich, sich selbst, und wie Gott ihnen nahe sei.

Also, von einem dieser Wüstenväter, dem Abbas Bersarion wird erzählt, dass er mit seinem Schüler am Ufer des Meeres unterwegs war und dieser großen Durst bekam. Da sprach der Alte ein Gebet und hieß den Schüler, Meerwasser zu schöpfen und zu trinken. Und siehe da, das Wasser war süß und trinkbar. Sogleich nahm der Schüler ein Gefäß und füllte es mit Wasser. Das fragte ihn Abbas Bersarion: Warum hast du geschöpft? Und der Schüler entgegnete:Verzeih mir, damit ich nicht wieder Durst leiden muss. Und der Alte erwiderte:Gott ist hier und überall.

Ich fand in der kleinen Geschichte eine Lösung für mein Versicherungsproblem. Denn ich hörte den Abbas Bersarion mich fragen: Worauf willst du dich in deinem Leben verlassen? Auf hohle Gebilde wie Versicherungspolicen, an denen du dich abschleppst für ein bisschen scheinbare Sicherheit? Oder nimmst du deinen Lebensdurst in Kauf und hoffst darauf, dass er dir gestillt wird, heute und morgen, hier und überall? - Was hält dich denn am Leben? Eine teuere Versicherung oder jene Hand, aus der du dein Leben empfangen hast und es jeden Tag neu geschenkt bekommst?

Ich bin keine Tagträumerin. Ich weiß, dass wir vorsorgen müssen, für den Krankheitsfall oder den Schadensfall. Natürlich können wir nicht einfach von der Hand in den Mund leben. Wer das muss, weiß, wie anstrengend und bedrängend das ist. Deshalb sind Versicherungen ganz nützlich und notwendig.

Aber Vater Bersarion rät uns, nicht auf solche Scheinsicherheiten zu setzen, uns nicht aus lauter Angst vor allen möglichen Unwägbarkeiten und Lebensrisiken mit Ballast zu beschweren und uns auf diese Weise lähmen zu lassen. Er rät uns, leicht und frei und ohne Sorge unseren Weg durchs Leben zu gehen. Und er empfiehlt uns, stattdessen etwas mitzunehmen, was uns nicht belastet, sondern trägt, nämlich ein ganz tiefes Vertrauen auf das, was die einen Gott nennen, und andere Lebenssinn und wieder andere mit einem Namen rufen, der nur ihr eigenes Herz kennt.

Ich wünsche Ihnen einen unbeschwerten Sonntag. Und trinken Sie das Wasser, das sich Ihnen anbietet. Den Wein natürlich auch.

Prof. Dr. Hildegard König, Chemnitz Titel: Prof. Dr. Hildegard König, Chemnitz Schlagworte: Hildegard König, Wort zum Sonntag, Wer hat das Bild gemacht?: Hildegard König Hildegard König, Wort zum Sonntag,

Prof. Dr. Hildegard König

Zur Autorin: Prof. Dr. Hildegard König hat in Tübingen katholische Theologie und Germanistik studiert, Habilitation für das Fach „Alte Kirchengeschichte und Patristik“ in Bonn. Nach einem Studienaufenthalt in Rom lehrte sie an den Universitäten Luzern, Frankfurt, Tübingen und an der RWTH Aachen. Nach einer Gastprofessur an der LMU München arbeitet sie seit 2011 als Professorin für Kirchengeschichte an der Technischen Universität Dresden. Darüber hinaus ist sie als freie Dozentin tätig.

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