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Deutschland

Sauerland hängt an seinem Amt

Nach der tödlichen Massenpanik bei der Loveparade in Duisburg hat der Oberbürgermeister der Stadt eingeräumt, die Öffentlichkeit über die Besucherzahlen getäuscht zu haben. Zurücktreten will er weiterhin nicht.

Duisburgs Oberbürgermeister Sauerland (Archivfoto: dpa)

Denkt über Konsequenzen nach: Duisburgs Oberbürgermeister Sauerland

Seit dem Unglück vor drei Wochen steht Adolf Sauerland in der Kritik. Immer wieder wurde dem Duisburger Oberbürgermeister nahegelegt, sein Amt niederzulegen - als Konsequenz aus der tödlichen Massenpanik, bei der 21 Besucher der Technoparade starben.

Sauerland: "Erst klären, wer Verursacher war"

Dieser Aufforderung kam Sauerland bisher nicht nach. In der Fernsehsendung "Kreuzverhör", die der Westdeutsche Rundfunk an diesem Sonntag (15.08.2010) ausstrahlte, äußerte er sich nun erstmals in einem TV-Interview. Zurücktreten will der Oberbürgermeister demnach zwar weiterhin nicht. Doch die Frage, wie er mit dem Unglück umgeht, beschäftigt Adolf Sauerland.

"Natürlich stelle ich mir die Frage, ob man das Amt nach so einem tragischen Ereignis weiter ausüben kann. Aber diese Antwort werde ich erst dann geben, wenn ich die Antworten auf die uns alle bedrückenden Fragen habe", sagte der 55-Jährige im WDR. Eine persönliche Schuld räumte er nicht ein, vielmehr müsse "geklärt werden, wer der Verursacher dieses tragischen Ereignisses war. So weit sind wir noch nicht."

Geschönte Besucherzahlen für die Medien

In einem anderen Interview gestand Sauerland derweil ein, die Öffentlichkeit bewusst über die tatsächlichen Besucherzahlen getäuscht zu haben. Es habe "die medialen Millionenzahlen des Veranstalters Lopavent" gegeben - und "reale Zahlen für unsere Planung", sagte der Oberbürgermeister dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel".

Veranstaltungsgelände der Loveparade in Duisburg (Foto: apn)

Bei der Massenpanik auf der Duisburger Loveparade starben 21 Menschen

Die "mehreren Millionen" erwarteten Besucher, von denen er selbst vor der Technoparade gesprochen habe, seien nur "gepushte Zahlen" gewesen. Auf Wunsch des Veranstalters habe die Stadt Duisburg bei der Marketinglüge mitgemacht. Stadt und Veranstalter hatten am Unglückstag (24.07.2010) von 1,4 Millionen Besuchern gesprochen. Das Veranstaltungsgelände ist aber nur für 250.000 Besucher zugelassen; offenbar war es am Unglückstag auch nicht vollständig gefüllt.

Polizeischutz nach Morddrohungen

Weiter sagte Sauerland dem Magazin, er fühle sich nach mehreren Morddrohungen als "Getriebener". So habe sich ein Unbekannter gemeldet und erklärt, man habe ihm 5000 Euro gezahlt, damit er ihn töte. Ein anderer habe gedroht, einen Kindergarten in die Luft zu sprengen, falls er nicht zurücktrete. Seine Familie habe er wenige Tage nach dem Unglück aus der Stadt gebracht, berichtete der Duisburger Oberbürgermeister. Er selbst steht unter Polizeischutz.

In der Fernsehsendung betonte Sauerland zudem, wie sehr ihn das Unglück mitnehme. "Jeden Morgen, wenn ich wach werde, wünsche ich mir, dass alles das, was wir erlebt haben, nur ein böser Traum ist. Aber es ist Realität."

In der ARD-Tagesschau äußerte sich auch der frühere FDP-Politiker Gerhard Baum, der als Rechtsanwalt mehrere Opfer der Duisburger Katastrophe vertrete. Baum zeigte sich enttäuscht über die Einlassungen des Kommunalpolitikers und kritisierte, dass Sauerland nichts Neues gesagt habe.

Autor: Frank Wörner (dpa, apn)
Redaktion: Marko Langer

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