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Politik

Saudisches Königshaus im Visier von El Kaida

Immer häufiger ist das Königreich Saudi-Arabien Ziel von Terroranschlägen. Lange haben Saudis radikale Islamisten sogar finanziert. Wie wird das Königshaus nun seine Macht sichern?

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In den Trümmern nach dem Anschlag von Riad

An der Handschrift des jüngsten Anschlages in der saudischen Hauptstadt Riad am Sonntag (9.11.2003) glauben saudische Experten feststellen zu können, dass hier Anhänger von El Kaida am Werk waren – des weltweiten Terrornetzwerkes von Osama Bin Laden: Ein gut koordinierter und präzise ausgeführter Selbstmordanschlag, der sich gegen Zivilisten richtete. So wie am 12. Mai 2003, als in Riad gleich drei Bombenautos in ein anderes Ausländerviertel fuhren und bei ihrer Explosion 35 Menschen in den Tod rissen. Im Mai befanden sich unter den Opfern auch Amerikaner, diesmal handelt es sich vorwiegend um Bürger anderer arabischer Staaten und deren Familienangehörige.

Sturz des Königshauses als Ziel

Kronprinz Abdullah von Saudi Arabien

Kronprinz Abdullah von Saudi Arabien

Sie wurden offenbar deswegen zum Ziel, weil El Kaida das Königreich Saudi-Arabien isolieren will, um dann gezielt den Sturz des Königshauses anzusteuern. Der Terrorismus Bin Ladens ist damit "heimgekehrt": Bin Laden hat zwar die USA zu seinem größten Feind erklärt, aber die Aktivitäten des saudischen Milliardärssohns richteten sich zunächst gegen das eigene – saudische – Regime: Die Prinzen seien längst vom wahren Glauben abgefallen und sie verfolgten nur noch nach außen die strikten Regeln der erzkonservativen saudisch-wahhabitischen Richtung des Islam. Ihren größten Fehler aber beginnen sie nach Meinung des Erzterroristen, als sie den USA gestatteten, auf saudischem Boden Militärbasen zu unterhalten und somit zum vermeintlich engsten Verbündeten Washingtons in der Arabischen Welt wurden.

Amerikanische Zweifel an Riad

Die Zeit der engen saudisch-amerikanischen Beziehungen ist Vergangenheit und die meisten US-Militärs haben das Königreich wieder verlassen. Den Amerikanern sind ernste Zweifel gekommen, ob Saudi-Arabien wirklich ein so guter und zuverlässiger Verbündeter war: Nicht nur stammten die meisten der Täter der Anschläge vom 11. September 2001 aus Saudi-Arabien, sondern sie erfreuten sich in religiös-konservativen Kreisen des Landes ungeteilter Sympathie und Unterstützung. Saudi-Arabien als Staat hatte lange offiziell die Taliban in Afghanistan unterstützt und zuvor schon die Koranschulen in Pakistan, aus denen diese Taliban ("Schüler") hervorgegangen waren.

Washingtons Zweifel an Riad verstärkten sich während der Vorbereitungen des Irak-Krieges: Die Saudis hielten sich offiziell mit jeder Unterstützung für diesen Krieg zurück. Außerdem scheint man sich in Washington auch aus der immer noch bestehenden Abhängigkeit von saudischem Erdöl befreien zu wollen.

Der "saudische 11. September"

Bombenexplosion in Saudi-Arabien

Nach den Anschlägen vom 12. Mai 2003 in Riad

Riad begann zunächst halbherzig gegen radikale Gruppen vorzugehen. Der dreifache Anschlag vom Mai 2003 hat die Lage verändert: Saudis sprechen davon, dass dies der "saudische 11. September" gewesen sei, und im Königshaus scheint man sich zum ersten Mal ernsthaft Sorgen um die Zukunft zu machen. Man stellt fest, dass nur die USA in der Lage sind, die Prinzenherrschaft zu retten.

Neue Zusammenarbeit?

Das unterkühlte Verhältnis zu den USA scheint sich zu verbessern: Saudische und amerikanische Geheimdienste arbeiten wieder enger zusammen und tauschen Informationen über Terrorverdächtige aus. Auf solche Informationen stützte sich Washington offenbar, als es Anfang November 2003 die vorübergehende Schließung seiner diplomatischen Vertretungen im Königreich bekanntgab. In Washington scheint man außerdem die Beziehungen zu Saudi-Arabien einer gründlichen Neu-Überprüfung zu unterziehen. Mit dem ersten Ergebnis, dass Vize-Außenminister Richard Armitage nach Riad flog, um den Saudis die Unterstützung im Kampf gegen den Terrorismus zuzusagen. Sicher nicht ganz selbstlos, denn die Entwicklungen im Irak zeigen mehr als deutlich, dass Washington weit davon entfernt ist, dort Ersatz für Saudi-Arabien zu finden.

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