Saudischer Kronprinz nennt Ayatollah Chamenei ″neuen Hitler″ | Aktuell Nahost | DW | 24.11.2017
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Konflikt zwischen Iran und Saudi-Arabien

Saudischer Kronprinz nennt Ayatollah Chamenei "neuen Hitler"

In einem Interview mit der New York Times hat der saudische Kronprinz Salman Erzfeind Iran brüskiert: Er verglich den geistlichen Führer des Landes mit Hitler. Das dürfte die Spannungen zwischen den Rivalen verschärfen.

Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman (Artikelbild) hat Irans geistliches Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei als "neuen Hitler" bezeichnet und vor einer Politik des "Appeasement" gegenüber der schiitischen Regionalmacht gewarnt. Bin Salman sagte in einem Interview der "New York Times". Chamenei sei "der neue Hitler des Mittleren Ostens". Salman wörtlich: "Wir wollen nicht, dass der neue Hitler des Iran im Mittleren Osten wiederholen kann, was in Europa geschehen ist." Aus Europa habe er gelernt, "dass Beschwichtigungspolitik nicht funktioniert".

Iran und Saudi-Arabien: erbitterte Rivalen

Der 32 Jahre alte Kronprinz gilt in Saudi-Arabien als führender Kopf hinter der verschärften Gangart gegen den Iran. Das sunnitische Königreich sieht den schiitischen Nachbarn als Erzfeind. Saudi-Arabien wirft Teheran vor, in der Region Unruhe zu stiften. Die beiden Regionalmächte führen unter anderem im Jemen und Bahrein im Süden der arabischen Halbinsel einen Stellvertreterkrieg.

Iran Religionsführer Ali Khamenei (Irna)

Iran Religionsführer Ayatollah Ali Chamenei

Der junge Thronfolger Salman hatte zuletzt die Rhetorik gegenüber dem Iran verschärft. Grund war der Abschuss einer Rakete durch die jemenitischen Huthi-Rebellen auf die saudiarabische Hauptstadt Riad. Saudi-Arabien beschuldigte den Iran, den Huthis die Rakete geliefert zu haben. Teheran bestreitet dies, und Präsident Hassan Rohani warnte Riad vor der "Macht" des Iran.

Frostige Reaktion aus Teheran

Das iranische Außenministerium reagierte mit schneidender Kritik auf das Interview Salmans. In einem Statement verglich Außenamtssprecher Bahram Ghassemi den saudischen Kronprinzen mit einem Diktator und riet ihm, sich das Schicksal vor Augen zu führen, das viele Diktatoren des Nahen Ostens in den vergangenen Jahren ereilt hätte.

Das unreife, unberechenbare und sinnlose Verhalten des saudi-arabischen Kronprinzen werde nur dazu führen, dass derartige Kommentare nirgendwo auf der Welt Beachtung fänden. Das Abenteuertum Salmans und die daraus resultierenden Irrwege hätten bereits zu großen Problemen mit den Verbündeten Saudi-Arabiens geführt, sagte Ghassemi. Dabei verwies er auch auf ein "Eingreifen in die internen Angelegenheiten des Libanon."

Spekulationen um saudischen Einfluss auf den Libanon

An der Regierungskrise im Libanon entzündete sich ein neuer Konflikt: Der libanesische Regierungschef Saad al Hariri hatte bei einem Besuch in Saudi-Arabien überraschend seinen Rücktritt erklärt und damit Spekulationen genährt, die Führung in Riad könne ihn zu diesem Schritt gezwungen haben.

Libanons Premier Saad Hariri zeigt sich nach seiner Rückkehr in der Öffentlichkeit

Libanons Premierminister Saad Hariri

Hariri wies dies zurück und äußerte heftige Kritik am Iran und der von der Islamischen Republik unterstützten Hisbollah, die an der libanesischen Einheitsregierung beteiligt ist. Hariri ist inzwischen in den Libanon zurückgekehrt und hat seinen Rücktritt aufgeschoben.

Salman verteidigt Durchgreifen in Saudi-Arabien

In dem Zeitungsinterview verteidigte der saudische Kronprinz auch die Festnahme dutzender Prinzen und anderer führender Persönlichkeiten Saudi-Arabiens Anfang des Monats unter Korruptionsvorwürfen. Es sei "lächerlich" nahezulegen, dass die Antikorruptionskampagne ein Griff nach der Macht gewesen sei. Sein Vater König Salman habe bei seinem Amtsantritt 2015 geschworen, der Korruption ein Ende zu setzen, sagte der Kronprinz weiter. Das Ermittlungsteam habe in den vergangenen zwei Jahren sehr genaue Informationen gesammelt. Nach Schätzungen gingen jedes Jahr rund zehn Prozent der Regierungsausgaben durch Korruption verloren.

cw/qu (dpa, afp, rtr, nytimes.com)

 

Die Redaktion empfiehlt