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Asien

Saudischer Journalist in Haft

Nach freimütigen Äußerungen über Mohammed versuchte der saudische Blogger Kashgari sich nach Neuseeland abzusetzen. Aber Malaysia schickte ihn in die Heimat zurück, wo er auf seinen Prozess wartet.

Der Journalist und Internet-Blogger Hamsa Kashgari war am Montag (13.02.2012) auf dem Flughafen von Kuala Lumpur (Malaysia) wegen des Vorwurfs der Blasphemie verhaftet und umgehend nach Saudi-Arabien ausgeliefert worden.

Auf Twitter veröffentlichte der dreiundzwanzigjährige Journalist am 05.02.2012 einen fiktiven Dialog mit dem Propheten Mohammed. Darin schrieb er unter anderem: "Manches an Dir liebe ich, Manches an Dir hasse ich und Vieles verstehe ich nicht. … Ich werde nicht für Dich beten."

Kurz darauf kam es im Internet zu heftigen Reaktionen. Die Äußerungen des Journalisten wurden von konservativen Muslimen als Beleidigung des Propheten aufgefasst. Sie sprechen von Blasphemie, die in Saudi-Arabien mit dem Tod bestraft werden kann. Hochrangige saudische Geistliche bezeichneten Kashgari als "Ungläubigen", der vor ein islamisches Gericht gestellt werden müsse, wie AFP berichtet.

Polizei am Flughafen von Kuala Lumpur (ddp /AP)

Am Flughafen von Kuala Lumpur war die Flucht des Journalisten aus Saudi Arabien zuende.

Obwohl Kashgari sich nach sechs Stunden bei den Gläubigen mit den Worten "Ich habe einen großen Fehler gemacht und hoffe, dass Gott und alle, die ich beleidigt habe, mir vergeben werden" entschuldigt hatte, verließ er am Montag (13.02.2012) seine Heimat Saudi-Arabien und machte sich auf den Weg nach Neuseeland. Seine Familie bestätigte gegenüber Reuters, dass er um sein Leben fürchtete. Bei der Zwischenlandung in Kuala Lumpur wurde er verhaftet und sofort nach Saudi-Arabien abgeschoben.

Verschiedene Menschenrechtsorganisationen erhoben Einspruch. Human Rights Watch sagte zu AFP: "Die Abschiebung ist ein neuer Tiefpunkt der Menschenrechte in Malaysia. Sollte er hingerichtet werden, wird die malaiische Regierung Blut an ihren Händen haben."

Auch die EU kritisierte den Fall. Es sei bedauerlich, dass dem UN-Hochkommissar kein Zugang zu Kashgari gewährt worden sei. Die Sprecherin von EU-Chefdiplomatin Catherin Ashton betonte: "Die EU wird alle angemessenen Schritte unternehmen, um im Fall von Herrn Kashgari ein gutes Ende zu erreichen."

Der malaysische Innenminister Hishammuddin Hussein rechtfertigte die Abschiebung: "Malaysia ist kein Transitland oder Rückzugsort für Menschen, die in ihrer Heimat gesucht werden."

Im Internet hat die Facebook-Gruppe "Das saudische Volk will die Bestrafung von Hamsa Kashgari" fast 30.000 Mitglieder. Dort wird der junge Mann diffamiert und unverhohlen die Hinrichtung gefordert.

Gomaa, einer der angesehensten Rechtsgelehrten der islamischen Welt, sagte der in Abu Dhabi erscheinenden Zeitung "The National" (Onlineausgabe vom Montag, 20.02.2012) Kashgari habe niemanden gefunden, mit dem er über seine Glaubenszweifel habe sprechen können. Er würde sich mit ihm einmal "wie ein Vater mit seinem Sohn" unterhalten wollen, so der 60-jährige Scheich. Zugleich sprach er sich zwar gegen eine Zensur neuer Medien aus, betonte aber zugleich, dass der Prophet Mohammed immerhin von eineinhalb Milliarden Muslimen als letzter Überbringer der Offenbarung Gottes verehrt werde. Eine Beleidigung dürfe daher nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Gomaa erklärte außerdem, dass man vor einer Verurteilung Kashgaris prüfen müsse, ob er wirklich die beanstandeten Äußerungen verbreitet habe. Es sei auch zu klären, ob es sich wirklich um eine Beleidigung oder nicht eher um einen Ausdruck des Zweifels oder der Irreleitung handele. Immerhin hatte sich Kashgari nach den Tumulten um seine Twittermeldung öffentlich entschuldigt. Dies müsse außerdem berücksichtigt werden, so Gomaa.

Kashgari ist zurzeit in Saudi-Arabien inhaftiert. Nach Angaben von Reuters werde der Prozess gegen Hamsi Kashgari bald beginnen.

Autor: Phyllis Kuhn, Rodion Ebbighausen (AFP, Reuters, kna)
Rdaktion: Hans Spross