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Aktuell Nahost

Saudische Botschaft in Teheran gestürmt

Aus Protest gegen die Massenexekutionen drangen Demonstranten in die Vertretung Saudi-Arabiens ein. Teile des Gebäudes gingen in Flammen auf. Insbesondere die Hinrichtung des Geistlichen al-Nimr sorgte für Empörung.

Iranische Demonstranten vor der Botschaft in Teheran verbrennen Portraits der saudischen Königsfamilie (foto: dpa/EPA)

Iranische Demonstranten vor der Botschaft in Teheran verbrennen Portraits der saudischen Königsfamilie

Eine wütende Menge hat am Samstagabend die Botschaft Saudi-Arabiens in Teheran angegriffen. Demonstranten warfen Brandsätze auf das Gebäude und drangen auf das Botschaftsgelände vor, bevor sie von der Polizei zurückgedrängt wurden, wie die iranische Nachrichtenagentur Isna berichtete. Die Proteste im schiitisch geprägten Iran richten sich gegen die Hinrichtung des prominenten schiitischen Geistlichen Nimr Baker al-Nimr und 46 weiterer Menschen in Saudi-Arabien.

Der Ton zwischen Saudi-Arabien und dem Iran verschärfte sich weiter. Der Iran unterstütze "schamlos" den "Terrorismus" und gefährde die regionale Stabilität, zitierte die amtliche Nachrichtenagentur SPA aus einer Erklärung eines Außenamtssprechers in Riad. Teheran sei "das letzte Regime auf der Welt, das andere der Unterstützung des Terrorismus bezichtigen dürfe", da Teheran "selbst den Terrorismus unterstützt und von den Vereinten Nationen und zahlreichen Ländern (deswegen) verurteilt wurde".

Zuvor hatte das Innenministerium die Haltung Teherans bereits als "aggressiv" bezeichnet, das Außenministerium bestellte den Botschafter Teherans ein.

Weitere Ausschreitungen befürchtet

Das iranische Außenministerium hatte gedroht, Saudi-Arabien werde "einen hohen Preis" für die Exekution al-Nimrs zahlen. "Die saudiarabische Regierung unterstützt auf der einen Seite terroristische und extremistische Bewegungen und benutzt zugleich die Sprache der Repression und die Todesstrafe gegen ihre inneren Gegner", sagte ein Sprecher. Die studentische Bassidsch-Miliz rief für diesen Sonntag zu einer weiteren Demonstration vor der saudiarabischen Botschaft in Teheran auf.

Der hingerichtete 56-jährige al-Nimr war ein entschiedener Gegner des sunnitischen Königshauses in Riad. Er hatte während der Proteste 2011 die Abspaltung der östlichen Regionen Katif und Al-Ihsaa befürwortet, in denen die meisten der rund zwei Millionen Schiiten Saudi-Arabiens leben. Bereits al-Nimrs Festnahme im Juli 2012 hatte Proteste der Schiiten ausgelöst, bei denen zwei seiner Anhänger getötet worden waren.

Im Oktober 2014 er wegen Aufwiegelung, Ungehorsams und Waffenbesitzes von einem Sondertribunal zum Tode verurteilt. Ende Oktober 2015 wurde das Todesurteil vom Obersten Gerichtshof Saudi-Arabiens bestätigt.

SC/fab (afp, APE, rtr)