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Syrien-Krieg

Saudi-Arabiens Machtkampf in Syrien

Prinz Saud al-Faisal, saudischer Außenminister, tritt bei der Friedenskonferenz für Syrien für das Ende des Assad-Regimes ein. Doch warum engagiert sich Saudi-Arabien so sehr in dem Konflikt?

Wenn in der Schweiz über die Zukunft Syriens verhandelt wird, sitzt auch Prinz Saud al-Faisal mit am Tisch. Saudi-Arabien gehört schließlich zu den wichtigsten Unterstützern der syrischen Opposition. Diese sitzt in Montreux erstmals seit Beginn des Bürgerkrieges Anfang 2011 Vertretern des Assad-Regimes gegenüber.

Das Regime in Riad will ein schnelles Ende des syrischen Bürgerkriegs, in dem die Monarchie selbst auch involviert ist. Saudi-Arabien lässt der syrischen Opposition verschiedene Waffen zukommen. Offiziell bekannt ist, dass diese an Mitglieder der Freien Syrischen Armee (FSA) gehen.

Ein Kämpfer der Freien Syrischen Armee in Aleppo (Foto: James Keogh/Wostok Press/Maxppp)

Ein Kämpfer der Freien Syrischen Armee in Aleppo

Die reiche Ölmonarchie schickt aber auch Geld: Die Kämpfer der FSA bekommen ein regelmäßiges Gehalt in Euro oder Dollar ausgezahlt. Die Höhe ist im Vergleich zum Durchschnittslohn in Syrien sehr hoch. Das Regime in Riad hofft, dass dies möglichst viele von Assads Kämpfern dazu bewegt, zu desertieren.

Unterstützt Saudi-Arabien auch Islamisten?

Neben der offiziellen Unterstützung versuche Saudi-Arabien möglicherweise auch, auf inoffiziellen Wegen Einfluss in Syrien zu nehmen, sagt Anna Sunik. Die Politikwissenschaftlerin forscht am German Institute of Global and Area Studies (GIGA) in Hamburg schwerpunktmäßig zu den Golfmonarchien. "Man vermutet - und in vielen Fällen hat man auch Beweise oder offizielle Statements dafür - dass Saudi-Arabien auch andere Fraktionen der syrischen Rebellen, größtenteils islamistischer Färbung, unterstützt - etwa durch Training und Waffen."

Außerdem gebe es Hinweise, dass Saudi-Arabien seine Bürger ausreisen lasse, um in Syrien zu kämpfen. Damit untergrabe das Regime ein offizielles Ausreiseverbot. "Unter den Kämpfern in Syrien sind viele saudische Mudschaheddin", sagt Sunik.

Saudi-Arabien und der Iran führen einen Stellvertreterkrieg

Dass sich Saudi-Arabien so sehr im Syrienkrieg engagiert, hat vielschichtige Gründe. In erster Linie geht es weniger um Syrien als um den Iran: In Syrien liefern sich die stärkste Regionalmacht, Saudi-Arabien, und der Iran, der für sich ebenfalls diesen Status beansprucht, einen Stellvertreterkrieg.

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Wenig Hoffnung in Montreux (23.01.2014)

Dieser Kampf ist konfessionell, machtpolitisch und offenbar auch wirtschaftspolitisch motiviert. Saudi-Arabien und der Iran sind seit der iranisch-islamischen Revolution von 1979 verfeindet. Beide Regime legitimierten sich durch die Religion, erklärt die Politikwissenschaftlerin Sunik.

Sunna gegen Schia

Ihr Problem miteinander ist, dass Saudi-Arabien und der Iran miteinander konkurrierende Ausprägungen des Islams als Staatsreligion haben: In Saudi-Arabien ist es der Wahhabismus, eine besonders konservative Ausrichtung des sunnitischen Islams. Im Iran hingegen ist der schiitische Islam Staatsreligion.

"Ein Regime wie Saudi-Arabien könnte durch das alternative islamische Herrschaftsmodell, das die iranische Republik repräsentiert, destabilisiert werden. Nämlich dann, wenn oppositionelle Gruppen diese als Vorbild nehmen, um das Fundament der Herrschaft des Königshauses der Al Saud anzugreifen", sagt Sunik.

Geostrategische und wirtschaftliche Konkurrenz

Syrien dagegen ist multikonfessionell: Die Mehrheit der Bevölkerung, etwa 75 Prozent, ist sunnitisch, daneben gibt es in Syrien einige wenige Christen sowie Angehörige von schiitischen Gruppierungen: die Drusen und vor allem die Alawiten.

Die seit den 70er-Jahren herrschende Assad-Dynastie ist alawitisch. Deswegen werde das Regime in Syrien häufig als schiitisch wahrgenommen, sagt Sunik. Für den Iran ist dies ein Grund, Syrien zu unterstützen, für Saudi-Arabien ist es ein Grund, Assads Macht zu bekämpfen.

Der Iran ist nicht nur aus konfessionellen Gründen ein wichtiger Verbündeter Syriens. Auch geostrategisch sei Syrien für den Iran von Bedeutung, sagt Michael Bauer vom Centrum für angewandte Politikforschung an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Syrien biete dem Iran Zugang zum Mittelmeer und "speziell zur Hisbollah im Libanon. Damit ist Syrien ein Akteur, der das Machtpotenzial des Iran in der Region verstärkt", so Bauer.

Saudi-Arabiens wirtschaftliche Interessen in der Region

Zwar stehen machtpolitische Interessen nach Meinung der Experten im Syrien-Krieg im Vordergrund. Doch klar ist, dass sich in Syrien mit Saudi-Arabien und dem Iran auch zwei regionale Wirtschaftsmächte duellieren: Saudi-Arabien verfügt über die weltweit größten Erdölreserven, im Iran liegt das drittgrößte Vorkommen.

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Syrien-Konferenz ohne Iran (21.01.2014)

Zwar ist der Ölsektor des Iran noch von den jahrelangen Sanktionen geschädigt, doch auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos machte der iranische Präsident Hassan Rohani einmal mehr deutlich, wie wichtig es ihm ist, die Wirtschaftsbeziehungen zum Ausland wieder aufzubauen. Für Saudi-Arabien hingegen ist es ein Schlag, dass der Iran unter Rohani wieder auf die internationale Bühne drängt.

Punktsieg für Saudi-Arabien

Doch zuletzt ging der Punkt an Saudi-Arabien, nachdem UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon den Iran zunächst kurzfristig zur Syrienkonferenz eingeladen hatte und dann, wenige Stunden vor Beginn von "Genf 2", die Einladung wieder zurückgezogen hat. Wahrscheinlich hat Ban auf Druck der syrischen Opposition und des Westens sich umentschieden.

Vielleicht verbessert die Abwesenheit des Iran die Verhandlungssituation für den saudischen Prinzen Saud al-Faisal. Klar ist, eine Übergangsregierung, in der Assad weiterhin eine Rolle spielt, will Saudi-Arabien nicht hinnehmen.

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