1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Politik

Saudi-Arabien wünscht sich Kontinuität

Fast ein Vierteljahrhundert herrschte König Fahd über Saudi-Arabien. Wegen Vielweiberei hat das Königshaus Abertausende von Mitgliedern. Zumindest die nächste Thronfolge ist aber bereits geregelt.

default

König Fahd im Jahr 1989

Der Tod eines Monarchen, der 23 Jahre lang im Amt war, würde normalerweise einen tiefen Einschnitt in die Entwicklung und Geschichte des Landes bedeuten. Nicht so im Fall von König Fahd: Seit einem Schlaganfall vor zehn Jahren war er bis zu seinem Tod am Montag (1.8.2005) überwiegend zur Inaktivität verurteilt, die Amtsgeschäfte wurden von Kronprinz Abdullah geführt - ein Halbbruder von Fahd und wie dieser ein Sohn von Staatsgründer Abdul Aziz al Saud. Abdullah ist nun auch zum neuen König erklärt worden und der bisherige Verteidigungsminister, Prinz Sultan, zum Kronprinzen. König Fahd wurde Schätzungen zufolge 84 Jahre alt.

Fast ein Reformer

Es ist also weitgehende Kontinuität gewahrt, denn angesichts der fortschreitenden Krankheit des Monarchen waren Abdullah und Sultan seit Jahren die wichtigsten Politiker des 24-Millionen-Staates. Der bisherige Kronprinz zeigte sich dabei fast schon als Reformer: Intern stimmte er den ersten Kommunalwahlen im Frühjahr dieses Jahres zu und stellte weitere Wahlen in Aussicht - eingeschlossen die Beteiligung von Frauen. Und außenpolitisch profilierte Abdullah sich damit, dass er die Arabische Liga auf ihrem Gipfel in Beirut im Jahre 2002 auf einen Friedensplan gegenüber Israel einschwor. Ein Plan, der Frieden für die Aufgabe der besetzten Gebiete vorsah, von der Regierung des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon aber abgelehnt wurde.

Zuverlässigster Verbündeter der USA

Abdullah versprach größere Liberalität in dem Königreich, dessen weltpolitische Bedeutung in erster Linie dadurch unterstrichen wird, dass Saudi-Arabien der Welt größter Erdöl-Produzent ist. Aber auch unter Abdullah litten die Beziehungen zu den USA nach den Anschlägen vom 11. September 2001: Führende Saudis waren sichtlich verärgert darüber, dass die USA, als deren zuverlässigster Verbündeter man sich immer präsentiert hatte, nun undifferenziert gegen Araber und besonders Saudis vorgingen. Aber es war auch der umsichtigen Politik Abdullahs zu verdanken, dass die Beziehungen zu den USA darüber nicht noch mehr Schaden nahmen.

Terroranschläge gehen weiter

Besonders eng waren diese Beziehungen unter dem verstorbenen König Fahd geworden: Dieser hatte nach der Eroberung Kuwaits durch den Irak 1990 auch der Stationierung amerikanischer Truppen auf saudischem Territorium zugestimmt und sich dafür die erbitterte Feindschaft der Islamisten um Osama bin Laden zugezogen. Sie warfen dem König vor, "heiliges Land" den Ungläubigen geöffnet zu haben, und sie begannen ihren Terrorkrieg gegen die US-Vertreter in Saudi-Arabien wie auch das Königshaus selbst. Die amerikanische Präsenz wurde erst kurz vor dem Irakkrieg von US-Präsident George W. Bush auf Drängen von Kronprinz Abdullah beendet, dies konnte die Terroranschläge aber nicht eindämmen: Immer noch sind extremistische Gruppen im Königreich aktiv und unterstützen von dort auch den Terrorkampf im Irak.

Wer kommt in der Thronfolge als nächster?

Diese Gruppen werden die Thronfolge nach dem Ableben von König Fahd nicht beeinflussen können. Mittel- bis langfristig jedoch wird auf das Königreich nun die Frage zukommen, wie der zu erwartende Generationswechsel in der Führungsschicht des Königshauses sich auswirken wird: Bisher waren und sind Söhne des Staatsgründers an der Macht, künftig werden jedoch Prinzen der nächsten Generation an der Reihe sein - die Abkömmlinge verschiedener Zweige dieses durch Vielweiberei auf Abertausende von Mitgliedern angewachsenen Königshauses. Gegenwärtig gibt es keine verlässlichen Angaben darüber, wohin das Königreich sich dann entwickeln könnte. Eine Überlegung, die angesichts des reibungslosen Wechsels von Fahd zu Abdullah vielleicht verfrüht wirkt. Die es aber nicht ist, wenn man bedenkt, dass der neue König nur ein Jahr jünger ist als der verstorbene.

Die Redaktion empfiehlt