Saudi-Arabien: Hausmädchen wie Sklaven angeboten? | Nahost | DW | 28.02.2018
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Menschenrechte

Saudi-Arabien: Hausmädchen wie Sklaven angeboten?

In Saudi-Arabien sollen Haushaltshilfen aus Marokko per Online-Anzeige gehandelt werden. In den sozialen Medien kursieren entsprechende Bilder. Das sorgt für harsche Reaktionen.

Für umgerechnet 325 Euro soll die junge Frau rechts im Bild zu kaufen sein. 30 Jahre alt sei die Marokkanerin, mit fünf Jahren Arbeitserfahrung in Saudi-Arabien, so heißt es in der Anzeige, die in sozialen Medien zu finden ist. Sie könne putzen und kochen - so wie auch die Frau links im Bild, die "saudische Spezialitäten zubereitet und Kinder gern hat". Auch sie wird für 1500 Rial, also etwa 325 Euro, angeboten.

"Das ist Sklaverei", sagt dazu Yasmine Ajoutat, eine marokkanische Bloggerin und Menschenrechtsaktivistin, im Gespräch mit der DW. Viele Saudis erlauben es ihren Haushälterinnen nicht, ein Mobiltelefon zu besitzen, mit dem sie ihre Familie erreichen können. In einer der Anzeigen wird darauf verwiesen, dass die junge Frau verkauft werde, weil sie versucht habe, an ein Mobiltelefon zu gelangen. In einem anderen Post auf Twitter ist ein marokkanischer Pass zu sehen, mit dem seine Besitzerin angepriesen wird. Dass die geteilten Anzeigen wirklich echt sind, steht allerdings nicht fest.

Screenshot Twitter Lom_sh1 (Twitter/Lom_sh1)

Verkauf einer Frau mit einem Foto ihres Ausweisdokuments?

Auf der Suche nach Frauen

"Marokkanerinnen gehen nach Saudi-Arabien, weil sie dort mehr verdienen können als in ihrer Heimat", sagt Ajoutat. Die saudische Nachrichtenwebiste Al-Youm schätzt, dass eine Haushaltshilfe etwa 260 bis 325 Euro monatlich verdient. Seit 2011 dürfen marokkanische Haushälterinnen in Saudi-Arabien tätig sein. Einige saudische Frauen übten daran Kritik, sie befürchteten laut der saudischen Zeitung "Sharq", dass die Marokkanerinnen ihre Ehemänner verführen könnten. Aus Saudi-Arabien reisen immer wieder Männer nach Marokko auf der Suche nach einer Ehefrau.

Indonesien Arbeiterin Saudi-Arabien Protest Menschenrechte (picture alliance/dpa)

Auch aus Indonesien kommen viele der Haushaltshilfen in Saudi-Arabien.

Im Jahr 2015 sorgte die Verhaftung der Marokkanerin Lamia Moatamid für Schlagzeilen. Sie hatte einen saudischen Mann geheiratet, der sie vergewaltigte und misshandelte. Als sie diese Verbrechen anzeigen wollte, wurde sie von der Polizei festgehalten. Erst auf Betreiben des marokkanischen Königs Mohammed VI. wurde sie nach einem Jahr aus saudischer Haft entlassen.

Bald keine Marokkanerinnen mehr als Haushaltshilfe?

"Marokko hält sich bei Problemen meist heraus, um die Beziehungen zwischen den beiden Ländern nicht zu gefährden", sagt Ajoutat. Sie glaubt, dass ihre Regierung die Ausbeutung ihrer Landsleute in Saudi-Arabien weitgehend ignoriere.

"Die Politisierung dieses Themas ist falsch", sagt der saudische Journalist Abdul Aziz al-Khamis im Gespräch mit der DW. Der Verkauf von Haushaltshilfen auf Onlineportalen "widerspreche internationalem und auch saudischem Recht". Die Weiterverbreitung der Anzeigen würde vom saudischen Informationsministerium verboten, da sie erniedrigend sei. "Wenn die Geschichte stimmt, dann werden die Verantwortlichen vor Gericht gestellt", glaubt al-Khamis.

Im Jahr 2015 hat das marokkanische Außenministerium übrigens beschlossen, keine Erlaubnisse mehr für Arbeiten als Haushaltshilfe in Saudi-Arabien zu erteilen. Diese Regelung soll allerdings erst im Dezember diesen Jahres in Kraft treten.

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Hoffnungen, Träume und Kämpfe saudi-arabischer Frauen

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