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Saudi-Arabien gnadenlos?

26. Oktober 2015

Ungeachtet internationaler Kritik: Der Oberste Gerichtshof Saudi-Arabiens hat die Todesurteile gegen einen der bedeutendsten schiitischen Geistlichen des Landes und dessen Neffen bestätigt. Nun entscheidet der König.

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Scheich Nimr al-Nimr (Foto: AP)
Soll sterben: Scheich Nimr al-NimrBild: picture-alliance/AP Photo

Nimr al-Nimrs Schicksal liege nun in der Hand von König Salman, der die Hinrichtung aussetzen könne, sagte der Bruder des bekannten Predigers. Er hoffe darauf, dass der saudische Herrscher seine "Weisheit" unter Beweis stelle, indem er den Vollzug des Todesurteils gegen Nimr al-Nimr und sechs weitere Schiiten stoppe.

Der Geistliche Nimr al-Nimr ist ein entschiedener Gegner des sunnitischen Königshauses in Riad. Er hatte 2011 bei einer Demonstration von Regierungsgegnern gepredigt und die Abspaltung der mehrheitlich schiitischen Regionen Katif und Al-Ihsaa im Osten des Landes befürwortet. Vor einem Jahr wurde er wegen Aufwiegelung, Ungehorsams und Waffenbesitzes von einem Sondertribunal zum Tode verurteilt. Die schiitische Minderheit in Saudi-Arabien klagt seit langem über religiöse und soziale Diskriminierung durch das ultrakonservative Herrscherhaus.

Empörung im Westen

Ebenfalls bestätigt wurde das Todesurteil gegen Ali al-Nimr. Der Neffe des Predigers soll 2011 und 2012 an Demonstrationen teilgenommen haben. Damals war er minderjährig. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, die Konfessionen gegeneinander aufgehetzt zu haben. Nach Angaben seines Anwaltes könnte Ali al-Nimr enthauptet und gekreuzigt werden, sobald König Salman das Urteil unterschreibt.

Screenshot Facebook-Profil 'Save Ali Al-Nimr'
Unterstützung für Ali al-Nimr - bei FacebookBild: Facebook/Save Ali-Al Nimr

Neben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International hatten auch die Europäische Union und die deutsche Bundesregierung den Richterspruch scharf verurteilt. Nach Informationen von Amnesty wurden in Saudi-Arabien von Anfang Januar bis Ende September schon mindestens 134 Todesurteile vollstreckt. 2014 gab es demnach 90 Hinrichtungen.

Warnung aus Teheran

Der schiitische Iran warnte Riad am Sonntag vor den Konsequenzen einer Hinrichtung Nimr al-Nimrs. Sollte das Todesurteil gegen den Geistlichen vollstreckt werden, werde Saudi-Arabien einen "hohen Preis zahlen", hieß es aus dem iranischen Außenministerium.

wa/cw (afp, dpa)