Saudi-Arabien geht auf Israel zu | Aktuell Nahost | DW | 03.04.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Annäherung

Saudi-Arabien geht auf Israel zu

Überraschender Schritt des saudischen Kronprinzen: Mohammed bin Salman hat den Israelis das Recht auf ihr Land zugesprochen. Das hatte bisher noch nie ein derart hoher Vertreter des ultrakonservativen Königreichs getan.

"Ich glaube, dass alle Menschen, überall, das Recht haben, friedlich in ihrem Staat zu leben", sagte der saudische Kronprinz (Artikelbild) dem US-Magazin "The Atlantic". Und weiter ganz konkret: "Ich glaube, dass Palästinenser und Israelis das Recht auf ihr eigenes Land haben."

Mohammed bin Salman betonte auch, er habe keine "religiösen Vorbehalte" dagegen, dass Israelis und Palästinenser Seite an Seite lebten, solange die wichtigste muslimische Stätte in Jerusalem - die Al-Aksa-Moschee - geschützt werde. "Wir haben religiöse Sorgen um die heilige Moschee in Jerusalem und um die Rechte des palästinensischen Volkes. Aber wir haben nichts gegen irgendein anderes Volk", so der Kronprinz.

Zugleich mahnte er ein Friedensabkommen zwischen den Konfliktparteien im Nahen Osten an. Dieses sei notwendig, "um Stabilität für alle zu sichern und normale Beziehungen zu haben", führte Mohammed bin Salman aus. Der Sohn von König Salman gilt als eigentlicher starker Mann Saudi-Arabiens.

Der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Hellmut Königshaus, begrüßte den Vorstoß. Es sei eine "sehr vernündftige Position", sagte der 67-Jährige im Deutschlandfunk. "Mit Saudi-Arabien hätte Israel natürlich einen starken Partner an der Seite, wenn es denn tatsächlich auch die gesamtpolitische Auffassung ist und nicht nur die des Kronprinzen." Die gesamte saudische Gesellschaft sei seiner Auffassung nach "noch nicht ganz so weit".

Allianz gegen Iran?

Das ultrakonservative sunnitische Königreich erkennt Israel bis heute diplomatisch nicht an. Hinter den Kulissen hat sich das Verhältnis zwischen den beiden Ländern in den vergangenen Jahren jedoch allmählich gebessert. So hatte Saudi-Arabien im vergangenen Monat seinen Luftraum erstmals für ein Passagierflugzeug mit dem Ziel Israel geöffnet. Bereits im November hatte ein israelisches Kabinettsmitglied Kontakte mit Saudi-Arabien eingeräumt.

Zunehmende Spannungen zwischen Saudi-Arabien und dem schiitischen Iran haben zuletzt Spekulationen geschürt, dass die Regierung in Riad enger mit Israel kooperieren möchte. Es gebe eine Menge Interessen, die sein Land mit Israel teile, meinte nun auch der Kronprinz. "Hätten wir Frieden, gäbe es eine Vielzahl von Interessen zwischen Israel und dem Golf-Kooperationsrat."

wa/cgn (afp, rtr, dpa)

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema