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Afrika

Sauberes Wasser für Sambia

Die Erfahrungen mit dem Aufbau einer funktionierenden Wasserversorgung sind von Land zu Land unterschiedlich. In Sambia hilft die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit beim Aufbau einer kommunalen Wasserversorgung.

Trinkwasser am Kiosk (Foto: Thomas Kruchem)

Trinkwasser am Kiosk

Sambia ist eigentlich ein wasserreiches Land. Das Land des Sambesi und der tausend Wasserfälle verfügt über 40 Prozent der Wasserressourcen im südlichen Afrika. Trotzdem hat in den Städten nur jede zweite Familie Zugang zu sauberem Wasser. Geordnete Abwasserentsorgung ist nahezu unbekannt. Im April fielen allein in der Hauptstadt Lusaka 200 Menschen der Cholera zum Opfer.

Wasseraufbereitungsanlage(Foto: Thomas Kruchem)

Wasseraufbereitungsanlage

"In Solwezi wird uns das nicht mehr passieren", erzählt Clement Machai. Der junge Techniker ist verantwortlich für die frisch renovierte Wasseraufbereitungsanlage der Stadt, gelegen in einem parkähnlichen Gelände am Fluss. Das Trinkwasser wird aus dem Solwezi Fluss geholt und oben in der kommunalen Anlage gereinigt. Stolz deutet der Techniker auf einen Tank: "Dort wird das Wasser schließlich gechlort und in über das Stadtgebiet verteilte Speichertanks gepumpt."

WHO-Standards erfüllt

Solche Wasserspeicher versorgen inzwischen zwei Drittel der Bürger Solwezis. "Kein Vergleich zur Situation vor noch einem Jahrzehnt", sagt im Büro der "Northwestern Water Company" deren Manager Mushany Kapusana. Damals, erzählt er, waren sowohl die Trinkwasserversorgung als auch die Abwasserentsorgung in Solwezi völlig unzulänglich. "Im Trinkwasser hatten wir jede Menge gelöster Feststoffe und Keime. Seit der Renovierung der Kläranlage vor einigen Jahren jedoch entspricht die Qualität unseres Wassers den Standards der Weltgesundheitsorganisation WHO."

Sambias langer Weg hin zu einer besseren Wasserversorgung begann vor gut zehn Jahren. Um Korruption und Ineffizienz zu bekämpfen, kommerzialisierte die Regierung – beraten vor allem von der deutschen GTZ – der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit - das Wasser- und Abwasserwesen der Städte. Sie übertrug es Unternehmen, die zwar den Kommunen gehören, aber nach privatwirtschaftlichen Grundsätzen handeln. Kontrolliert werden die Unternehmen von der unabhängigen Behörde NWASCO. Sie überwacht die Qualität des Wassers, reguliert die Preise und zwingt die Unternehmen, effizient zu wirtschaften.

Wasser als "Geschenk Gottes"

Purer Luxus: Haus mit eigenem Wasseranschluss (Foto: Thomas Kruchem)

Purer Luxus: Haus mit eigenem Wasseranschluss

Umsonst ist die Trinkwasserversorgung freilich nicht zu haben, doch es ist manchmal schwer, den Kunden das klar zu machen. "Weil viele Sambier Wasser für ein Geschenk Gottes halten, müssen wir immer wieder der Bevölkerung klarmachen, dass zwar Wasser aus Flüssen und Regenwasser nichts kosten, dass aber die Aufbereitung von Wasser zu Trinkwasser und dessen Speicherung in Reservoirs sehr teuer sind. Unsere Ausgaben für Chemikalien, Strom und Löhne muss letztendlich der Kunde bezahlen", erklärt Wassermanager Mushany Kapusana.

Die Preisstaffelung in Sambia ist bewusst sozial und ökologisch verträglich gestaltet. Wer mehr verbraucht, zahlt auch mehr pro Kubikmeter. Es gibt also keinen Mengenrabatt für Firmen mit einem großen Wasserverbrauch, wie zum Beispiel in Deutschland.

Nationaler Wasserfonds

Um möglichst rasch neue Leitungen, Reservoirs und Aufbereitungsanlagen zu installieren, haben Sambias Regierung und die Geber von Entwicklungshilfe einen nationalen Wasserfonds gegründet – kontrolliert von internationalen Buchprüfern. Der Fonds finanziert auch so genannte Wasserkioske für die Ärmsten, die sich keine Leitung in die eigene Hütte leisten können. Bereits 700.000 Sambier trinken sauberes Kioskwasser.

"Jetzt müssen wir uns dem Abwasserproblem stellen", sagt in Solwezi Wassermanager Mushany Kapusana. Und er hat beim Wasserfonds Geld locker gemacht für eine so genannte dezentrale Abwasserentsorgung im Stadtteil Kandundu.

Ein halbes Jahr lang verhandelte Kapusana mit den 120 Familien dort. "Wollt Ihr das Projekt wirklich?", hat er gefragt und: "Wo sollen die Biogasanlagen stehen? Werdet ihr die Leitungen auf eurem Grundstück sauber halten? Seid ihr bereit, hundert Euro Eigenbeitrag pro Familie zu zahlen – und Gebühren in Höhe eines Viertels eurer Wasserkosten?" – "Ja", sagten die Bewohner Kandundus schließlich, unterschrieben einen Vertrag und freuen sich jetzt auf vier neue Biogasanlagen.

Biogas aus Abwasser

Offener Abwasserkanal in Sambia (Foto: Thomas Kruchem)

Aus Abwasser wird Biogas gewonnen

Die Biogasanlagen arbeiten nach einem einfachen Prinzip, erklärt der Wassermanager. In das Abwassersystem sind kuppelförmige Betonkonstruktionen integriert, die so in den Boden eingelassen sind, dass sich die festen Bestandteile der durchfließenden Abwässer am Boden der Konstruktion sammeln. Während sich das organische Material zersetzt, steigt Methangas unter das Dach des Gefäßes. Von dort erreicht es über einfache Leitungen die umliegenden Häuser – wo man es zum Kochen, für Gaslampen und sogar zum Betreiben kleiner Maschinen verwenden kann.

"Leider können wir nicht alle Haushalte mit Methan versorgen. Denn wir brauchen, um ein Haus mit Gas zu versorgen, die Abwässer und Feststoffe von zehn Haushalten", sagt Mushany Kapusana. Doch der Anfang ist gemacht – und zeigt den Weg in die Zukunft. Eine nachhaltige, lokale Trinkversorgung und Abwasserversorgung, die auch noch zur Energieversorgung beiträgt.

Autor: Thomas Kruchem

Redaktion: Helle Jeppesen / Katrin Ogunsade