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Deutschland

Saubere Luft muss sein

Besonders im Sommer machen Autoabgase durch die Hitze das Atmen schwer. Helfen sollen die Feinstaubrichtlinie und Umweltzonen. Doch ob sie etwas nützen, ist umstritten.

Hier möchte man lieber nicht tief einatmen: Autoauspuff gibt Abgase ab (Foto: AP)

Hier möchte man lieber nicht tief einatmen

Straßenverkehr macht schlechte Luft. Ungezählte Autos und Laster, Motorräder und Baustellenfahrzeuge blasen überall in deutschen Städten ihre Abgase in die Umwelt. Dabei entsteht auch Feinstaub: Winzige Schmutzteilchen, die in die Lunge gelangen und den Menschen krank machen können.

Viele Autos verursachen viel Feinstaub: Autos fahren dicht an dicht eine Straße entlang (Foto: dpa)

Viele Autos verursachen viel Feinstaub

Doch Fahrzeuge sind nicht die einzigen Verursacher des gefährlichen Minischmutzes, weiß Dietmar Oeliger vom Naturschutzbund Deutschland (NABU): "Wo die Belastung am höchsten ist, kommen die Feinstäube in aller Regel aus PKW und Lastern. Aber auch Hausbrand und Industrieanlagen tragen dazu bei."

An Hauptverkehrsstraßen können laut der Umweltschutzorganisation bis zu zwei Dritteln des Feinstaubes durch Fahrzeuge verursacht werden.

Richtlinien sollen Menschen schützen

Weil Feinstaub so gefährlich ist, hat die Europäische Union mehrere Richtlinien erlassen, die die Menschen schützen sollen. Beispielsweise die Feinstaubrichtlinie von 1999, die Grenzwerte regelt. Diese Werte dürfen an Orten mit hoher Feinstaubkonzentration wie in deutschen Innenstädten nur an höchstens 35 Tagen im Jahr überschritten werden.

Vorbild für die Feinstaubrichtlinie war auch die Neufassung der Technischen Anleitung Luft - kurz TA Luft -, die vor 25 Jahren am 24. Juli 1985 von der Bundesregierung verabschiedet wurde. Was technisch klingt, war ein wichtiger Schritt in der damals noch neuen Umweltgesetzgebung.

Umweltzone regelt den Verkehr

In Köln gibt es seit 2008 eine Umweltzone: Ein Schild weist Autofahrer darauf hin, wer dort fahren darf (Foto: AP)

In Köln gibt es seit 2008 eine Umweltzone

Eines der Ergebnisse kann heute in zahlreichen deutschen Großstädten jeder sehen, der mit dem Auto unterwegs ist: Achtung, Umweltzone! Schilder mit roten, gelben oder grünen Signalen regeln, mit welchen Autos man fahren darf. Alte Fahrzeuge mit hohem Schadstoffausstoß müssen außerhalb der Umweltzone geparkt werden. Der Fahrer kann dann mit Bus oder Bahn in die Stadt kommen. Wer trotzdem in eine Umweltzone fährt, obwohl sein Wagen dafür nicht zugelassen ist, muss mit einer Strafe rechnen.

Tempolimits, Radwege, Bus und Bahn

Wer Fahrrad fährt, verhält sich umweltfreundlich (Foto: Bilderbox)

Wer Fahrrad fährt, verhält sich umweltfreundlich

Insgesamt gibt es derzeit laut Umweltbundesamt 43 Umweltzonen in Deutschland. Sie sind die häufigste Maßnahme, die Städte eingeführt haben, um den Feinstaub in der Luft zu reduzieren. Doch es gibt noch andere: Tempolimits, mehr ausgebaute Radwege oder zusätzliche Busse und Bahnen gehören dazu.

Positives Beispiel für eine Umweltzone ist Berlin. In der Hauptstadt sind Dieselrußpartikel in der Luft um ein Viertel zurückgegangen, nachdem die erste Stufe der Umweltzone eingeführt wurde. Seit Anfang des Jahres gilt die nächste Stufe, die nur als grün gekennzeichnete Fahrzeuge in der Innenstadt zulässt.

70.000 Menschen sterben verfrüht durch Feinstaub

Abenddämmerung in Berlin: Hier gilt die nächste Stufe der Umweltzone bereits (Foto: dpa)

Abenddämmerung in Berlin: Hier gilt die nächste Stufe der Umweltzone bereits

Das Umweltbundesamt geht in Städten mit Umweltzone davon aus, dass die Zahl der Tage, an denen der Höchstwert für Feinstaub überschritten wird, zum Teil deutlich zurückgeht: um bis zu 20 Tage pro Jahr.

Die Feinstaubrichtlinie hält Oeliger vom NABU darum für unverzichtbar: "Die Richtlinie ist zwingend notwendig. Wir wissen, dass laut Weltgesundheitsorganisation allein in Deutschland 70.000 Menschen durch Feinstäube verfrüht sterben."

Zu viele Ausnahmen

Allerdings - so die Kritik von Umweltschutzverbänden - gibt es in der Umsetzung durch die Städte zu vielen Ausnahmen. Zuletzt haben im März fünf weitere deutsche Städte und Gebiete mehr Zeit bis Juni 2011 bekommen, um die europäischen Grenzwerte einzuhalten.

Der Allgemeine Deutsche Auto-Club ADAC hält es ebenfalls für sinnvoll, Feinstaub in der Luft zu begrenzen, ist aber bei den Maßnahmen anderer Meinung. Michael Niedermeier, Umweltexperte beim ADAC, meint: "Die Umweltzone als kurzfristige und kleinräumige Maßnahme, um Schadstoffe zu verringern, lehnen wir ab, weil sie zu wenig bringt. Und dabei ein starker Eingriff in die Mobilität der Menschen ist."

Bessere Technik statt Fahrverboten

Der Lobbyverein für Autofahrer schlägt stattdessen vor, auf technischen Fortschritt zu setzen und dadurch den Ausstoß von Feinstaub zu verringern. Es sollten mehr saubere Autos auf die Straße.

Die Bundesregierung fördert es, wenn Autofahrer in die Dieselmotoren ihrer Autos Rußfilter einbauen lassen. Diese finanzielle Unterstützung ist gerade erst verlängert worden.

Autor: Klaudia Prevezanos
Redaktion: Kay-Alexander Scholz