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Sauber

Schmutzige Unterhosen, dreckige Hemden und stinkende Socken werden mit ein bisschen Waschmittel in die Waschmaschine getan. Und schon sind sie mehr als sauber – sie sind rein. Das verspricht jedenfalls die Werbung.

Die schon etwas in die Jahre gekommenen Deutschen werden sich mit Sicherheit an jene freundlich-resolut dreinschauende rundliche Person in Latzhosen mit dem Namen Clementine erinnern. Sie war so etwas wie das Gewissen der Nation – was Sauberkeit betraf. In der Waschmittelwerbung versteht sich. Nicht im richtigen Leben. Oder vielleicht doch? Wer weiß das so genau.

Mehr als nur sauber

Clementine also pries ihr Waschmittel in Funk und Fernsehen mit den unvergessenen Worten: "Wenn’s so sauber wie gekocht sein soll." Denn das Wunderpulver bewirkte angeblich schon bei 60 Grad Celsius Unglaubliches. Es wusch – und Clementine ließ daran nicht den Hauch eines Zweifels – "nicht nur sauber, sondern rein." Jawohl. Rein!

Sauber bedeutet zunächst einmal Folgendes: frei von Schmutz beziehungsweise Verunreinigungen sein. Also saubere Wäsche, sauberes Wasser, saubere Hände und so weiter und so fort. Aber saubere Wäsche ist ja nichts Besonderes. Rein muss sie sein. Auch reines Wasser klingt irgendwie nach mehr als nur sauber. Aber das alte Wort sauber, das vom lateinischen "sobrius" abstammt, bezeichnet ohnehin alles, was makellos und rein ist.

Vom Boden essen

Durchaus auch im übertragenen Sinn. Kleines Beispiel: ein sauberer Charakter. Sauber und Sauberkeit sind, so möchte man meinen, von geradezu lebens – ja überlebenswichtiger Bedeutung. Zahllose Schwiegertöchter zitterten und zittern, wenn sich die Schwiegermutter zum Besuch ankündigt!

Da wird geputzt, geschrubbt und gewienert, was das Zeug hält. Denn nur eine Schwiegertochter, bei der alles blinkt und blitzsauber ist, findet Gnade vor der Mutter ihres Mannes. Die schwachsinnige Redensart, "da kann man vom Boden essen" ist Ausdruck höchstmöglicher schwiegermütterlicher Anerkennung. Allerdings hat man selbst in den saubersten Haushalten noch niemanden, geschweige denn eine Schwiegermutter, vom Boden essen sehen. Schade eigentlich. Umsonst geputzt.

Im Reich der Sauberkeit

Wo Sauberkeit und Ordnung herrschen, man beachte: es heißt "herrschen", da mag sich so etwas einschleichen, was schließlich zum Sauberkeitswahn oder Sauberkeitsfimmel führt, also jenem zwanghaften Drang zur Sauberkeit und zum Saubermachen, wenn schon alles sauber ist. Wie das schaffen!

Aber da gibt es in den Plastikflaschen die hilfreichen Saubermänner, von denen Meister Propper wahrscheinlich der Bekannteste ist. Verschmitzt grinst der glatzköpfige Muskelprotz mit aufgekrempelten Ärmeln aus dem Regal. In Frankreich als Monsieur Propre und in Spanien als Don Limpio. Dieser flüssige Hausfreund macht es den Frauen so sauber, dass sie sich sogar drin spiegeln können! "Sauber!" kann man da nur sagen, denn sauber ist auch Ausdruck verblüffter Anerkennung. "Saubere Arbeit! Gut gemacht, alter Junge!" So spricht man Lob aus von Kumpel zu Kumpel.

Nicht ganz sauber

Klar, dass der alte Junge ein sauberer Typ ist. Ein prima Kerl, auf den man sich verlassen kann. Im Gegensatz dazu einer, der eben nicht sauber oder zumindest nicht ganz sauber ist. Eine zwielichtige Figur. Einer der möglicherweise in unsaubere Geschäfte verwickelt ist. Der redensartliche Ausdruck "der – oder die – ist nicht ganz sauber", heißt, jemandem unterstellen, er - oder sie - sei nicht ganz richtig im Kopf.

Nun haben wir immer von sauber geredet; es gibt aber außer dem Adjektiv auch verbale und nominale Formen unseres Stichworts. Wer sich wäscht, der säubert sich, wer die Fenster putzt, säubert sie. Da sind wir wieder bei der Sauberkeit. Ein weiteres Substantiv, dem sauber zugrunde liegt, ist Säuberung. Eine Säuberung kann ein völlig harmloser Vorgang sein. Zum Beispiel gerade jetzt im Frühjahr die Säuberung des Planschbeckens für die Kinder im Garten. Böse wird es allerdings wenn die Säuberung zur Säuberungswelle wird oder zur ethnischen Säuberung; wenn in totalitären Systemen die politischen Gegner beziehungsweise ethnischen Minderheiten systematisch verfolgt und umgebracht werden. Die Geschichte dieser grässlichen Säuberungen ist lang. Ein Ende ist nicht abzusehen.

Saubere Kriege?

Da kann man doch froh sein, dass es wenigstens saubere Bomben und saubere Kriege gibt. Das ist doch dann ein rechter Trost für alle, die ihre Freunde, Brüder, Schwestern, Männer, Frauen, Freundinnen und Freunde, Kinder und Geliebten trotzdem im Krieg verlieren. In welchem auch immer.

Fragen zum Text

Wenn es irgendwo sehr sauber ist, kann man sagen:

1. "Hier könnte man vom Boden essen."

2. "Hier wächst kein Gras mehr."

3. "Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein."

Wenn jemand nicht ganz sauber im Kopf ist, dann …

1. hat er/sie ungewaschene Haare.

2. ist er/sie nicht ganz richtig im Kopf.

3. putzt er/sie sich nur selten die Zähne.

Wenn jemand putzt, obwohl schon alles sauber ist, dann …

1. ist er/sie ein Dreckspatz.

2. hat er/sie einen Sauberkeitsfimmel.

3. hat er/sie Angst vor der Schwiegermutter.

Arbeitsauftrag

Bilden Sie mit den folgenden Wörtern jeweils zwei Sätze: sauber, rein, putzen, waschen, die Sauberkeit und der Schmutz.

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