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Global Media Forum

"Satire ist ein Katalysator"

Satire darf alles, aber sie ändert nichts - so lautet die Erfahrung des ägyptischen TV-Moderators und Satirikers Bassem Youssef. Die DW sprach mit ihm bei der Preisverleihung der Bobs Awards auf dem Global Media Forum.

Deutsche Welle: Herr Youssef, Sie sind Satiriker und Arzt. Wenn Sie die Arabische Welt als Patienten betrachten - wie würde Ihre Diagnose lauten?

Bassem Youssef: Der Patient lebt seit Jahrzehnten mit diversen Krankheiten. Er leidet unter Diktaturen, sozialem Druck und Konservatismus, die befreienden Ideen und Freigeistern im Wege stehen. Ich denke, das ist eine Phase, die wir überwinden werden, wie jedes Land der Erde, das solche Probleme hatte. Selbst Europa, das heute als Leuchtturm der Freiheit gilt, hatte bis vor nicht allzu langer Zeit diese Probleme - noch im letzten Jahrhundert. Ich bin also zuversichtlich, dass wir diese Phase bald hinter uns lassen.

War der Arabische Frühling also nicht umsonst?

Nein. Ich sage immer: Revolution ist kein Ereignis, sondern ein Prozess - ein Prozess, der seine Zeit braucht. Man kann eben nicht die Krankheiten von 60 oder 70 Jahren Diktatur in 18 Tagen heilen.

Wie sehen Sie als Ägypter die Situation der Meinungsfreiheit in Ihrem Heimatland unter Al-Sisi?

Es ist im Grunde eine George-Orwell-Fantasie. Aber im Gegensatz zu Orwells poetischem "1984" ist sie nicht einmal gut geschrieben.

Bonn Global Media Forum GMF The Bobs Jafaar Abdul Karim und Bassem Youssef(Bild: DW/M. Müller)

DW-Reporter Jafaar Abdul Karim im Gespräch mit Satiriker Bassem Youssef auf dem GMF in Bonn

Welche Rolle spielt die Satire in Ihren Augen für die Meinungsfreiheit?

Ich glaube, dass Satire ein großartiger Weg ist, Menschen zusammenzubringen, damit sie über Meinungsfreiheit diskutieren. Außerdem macht es ernste Themen schmackhafter. Viele Menschen finden Politik langweilig, aber sie hören zu, wenn sie satirisch verpackt ist. Comedy und Kabarett bringen die Leute zusammen.

Hat Satire für Sie Grenzen?

Nein, ich bevorzuge Satire ohne jede Grenze. Satire hat keine Grenzen, diese liegen in den Köpfen der Menschen.

Sie mussten Ihr Land verlassen. Hilft Ihnen die Satire, damit zurechtzukommen?

In den USA mache ich nun eine andere Show, ich nutze die Satire, aber es ist Satire in einem anderen Land, einer anderen Sprache, einem anderen Kontext. Mit 42 Jahren ganz von vorne anzufangen, ist eine große Herausforderung, aber ich nehme sie gerne an.

Vermissen Sie Ihre Heimat? Würden Sie gerne nach Ägypten zurückkehren?

Natürlich. Wer möchte nicht zurück in sein Land? Aber es wäre wohl etwas zu riskant.

Können Sie denn Ihren Einfluss weiterhin nutzen, damit aus Orwells Ägypten eines Tages ein Land wird, das mehr Ihren Vorstellungen entspricht?

Satire ändert überhaupt nichts. Sie bringt lediglich mehr Leute an einen Tisch, um über gewisse Themen zu sprechen, die sich einer ernsten Debatte entziehen. Es sind die Menschen, die am Ende ein Umdenken herbeiführen. Satire ist ein Katalysator dafür.

Die Fragen stellte Nicolas Martin

Bassem Youssef ist ein ägyptischer Satiriker und ehemaliger Kolumnist. Bis 2014 moderierte er eine wöchentliche Satiresendung, die auch im DW-TV ausgestrahlt wurde. Dann wurde der Druck seitens der ägyptischen Regierung zu groß und er beendete die Sendung aus Angst um seine Sicherheit. Vor seiner TV-Karriere war Yousseff Herzchirurg.