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Galileo-Navigationssystem

Satelliten-Navigationssystem Galileo geht in Betrieb

Die EU startet heute erste Dienstleistungen des Satellitennavigationssystems Galileo. Mit dem Start von vier Satelliten im November stehen 18 der insgesamt geplanten 30 Satelliten für das Prestigeprojekt der EU bereit.

Neben frei zugänglichen Diensten wie der Ortung und Navigation soll Galileo unter anderem die Berg- und Seerettung erleichtern sowie Signale des automatischen Notrufsystems für Fahrzeuge ("eCall") übertragen. Außerdem bietet Galileo einen verschlüsselten Service für Regierungsbehörden an, der für Notfallsituationen wie terroristische Anschläge gedacht ist. 

Damit ist die Europäische Union ihrem Ziel, ein zivil kontrolliertes Satellitennavigationssystem aufzubauen, einen wichtigen Schritt näher gekommen. Schlussendlich soll dieses System privaten und kommerziellen Nutzern einmal viel präzisere Daten liefern, als das bisherige US-System GPS es kann. In der Tat ist aber die zweite Generation des GPS praktisch genauso Präzise wie Galileo. 

Eine "Ariane-5 ES" hatte zuletzt am 16. November um 10:06 Uhr Ortszeit in Kourou auf Französisch Guyana abgehoben, beladen mit vier Satelliten mit einem Gewicht von je 738 Kilogramm. Innerhalb von gerade mal fünf Stunden wurden die Satelliten in ihren jeweiligen Umlaufbahnen ausgesetzt. Nun sind sie konfiguriert und einsatzbereit.

Die Rakete bricht gleich zwei Rekorde

Der Start war nicht nur für das "Galileo"-System bedeutsam. Er brachte auch gleich zwei Rekorde für die Trägerrakete selbst. Denn sie ist das Arbeitspferd der Europäischen Raumfahrtagentur ESA. Noch nie hat eine Ariane-5 so viele und so schwere Satelliten gleichzeitig ins All gebracht. Zudem ist es der 75. Start einer Ariane-5. Damit überholt sie erstmals den bisherigen Rekord des Vorgängermodells Ariane-4, die 74-mal fehlerfrei gestartet war.

Französisch-Guayana Ariane 5 Rakete auf Startrampe
Französisch-Guayana Ariane 5 Rakete auf Startrampe (Getty Images/AFP/J. Amiet)

Premiere! Erstmals werden vier Galileo-Satelliten mit einer Ariane-5 in ihren Orbit gebracht

Galileo ist eines der großen Prestigeprojekte der Europäischen Union: Anders als das gut zwanzig Jahre ältere US-System GPS unterliegt Galileo ziviler Kontrolle. Galileo stellt seinen privaten und kommerziellen Nutzern das gesamte Präzisionsspektrum zur Verfügung.

Hohe Präzision auch für private und kommerzielle Nutzer

Anders als bei GPS - welches in der Vergangenheit für Privatnutzer Abweichungen von bis zu 15 Metern erlaubte - soll Galileo in seiner Endkonfiguration mit 30 Satelliten für den völlig offenen Dienst eine Präzision von etwa vier Metern erreichen. Kommerzielle Nutzer und Behörden können sogar eine Genauigkeit von wenigen Zentimetern nutzen. Damit wäre es zum Beispiel theoretisch möglich, Flugzeuge, Autos oder Schiffe sehr präzise automatisiert oder teilautomatisiert zu steuern. Bis Ende 2018 soll Galileo mit mindestens 24 Satelliten im Einsatz sein. Ab dieser Schwelle gilt das System als voll einsatzbereit. 

Die hohe Präzision von Galileo war auch ein Grund, weshalb das US-Verteidigungsministerium das System anfangs ablehnte. Die Befürchtung war, dass Gegner der NATO oder anderer Verbündeter es militärisch nutzen könnten. Mittlerweile haben die Ingenieure dieses Problem gelöst. Sie haben eine technische Lösung gefunden, die es dem Militär ermöglicht, die zivilen GPS-Signale im Krisenfall in einem bestimmten Bereich zu "jammen", also zu stören. Die für das Militär reservierten Signale bleiben davon unbeeinträchtigt. Mittlerweile, bietet allerdings auch die zweite Generation des GPS Systems ähnlich gute Werte wie Galileo es einmal erreichen soll. 

 

Symbolbild Küstenwache Italien Lagezentrum Archiv (A. Solaro/AFP/Getty Images)

In Zukunft kann die Seenotrettung mit Baken ausgestattete Schiffsbrüchige besser orten und ihnen sogar Nachrichten schicken

Und Galileo kann noch mehr, als nur Signale für die Navigation zur Verfügung stellen: Das System wird mit Notrufsatelliten des "COSPAS-SARSAT"-Systems so verknüpft, dass etwa Notrufsignale von Schiffen in Seenot sehr präzise geortet werden können. Zudem ist es damit auch möglich, dass die Rettungsstelle über Satellit Meldungen an den Absender zurückschickt.

Nicht nur ein europäisches Projekt

Neben den Mitgliedsstaaten der ESA sind auch noch zahlreiche weitere Staaten durch verschiedene Beiträge an Galileo beteiligt, unter anderem Indien, Israel, Marokko, Saudi-Arabien, Südkorea und die Ukraine.

Obwohl China mit seinem eigenen Testsystem "Bei Dou" an Satellitennavigation arbeitet, hat sich das Land auch dem Galileo-Projekt durch ein universitäres Trainingszentrum angeschlossen. Dabei geht es vor allem um die Entwicklung neuer Nutzungskonzepte von Endusern und Firmen - und damit von Produkten für den Markt.

Auch Russland, das mit Glonass ein eigenes Navigationssystem betreibt, ist an Galileo indirekt beteiligt: Alle bisherigen 14 Satelliten wurden mit Sojus-Raketen ins All befördert. Je nach Gestaltung und Programmierung der jeweiligen Navigationsanwendung auf der Erde sind die konkurrierenden Systeme ohnehin miteinander kompatibel und können sich ergänzen.