1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

SARS könnte zurückkommen

Womöglich kommt es wieder. Chinas Experten rechnen fest mit einer neuen Welle SARS-Welle, auch deutsche halten es nicht für unmöglich. Immerhin weiß man, welche Wirkstoffe gegen den Erreger der Lungenseuche helfen.

default

Die Masken sind ab - vorerst

Selbst wenn man nicht weiß, woher SARS nun kommt - der Virus wurde in Rekordzeit von zwei Wochen identifiziert. Und auf der Suche nach Gegenmitteln hatten die Forscher recht schnell Erfolg. Fortschritt tut auch not, denn ein knapp Jahr nach der ersten SARS-Welle rechnen Experten ziemlich fest mit einer weiteren.

Alte Mittel killen neue Viren

Die Gegenwaffen sind bekannt. „Es gibt zwei Medikamente“, erklärt Professor Holger Rabenau vom Institut für medizinische Virologie in Frankfurt. „Das eine ist Glycyrrhizin aus der Süßholzwurzel, die auch für Lakritze verwendet wird. Und das zweite ist Interferon-beta, das in unseren Tests sehr wirksam gegen SARS ist“, so der Virologe zu DW-WORLD. Interferon ist ein Eiweiß, das sich schon im Antiviren-Einsatz bewährt hat: gegen Hepatitis B und C. Auch Glycyrrhizin wird gegen Hepatitis (Leberentzündung) eingesetzt.

Das Praktische an den beiden Wirkstoffen sei, „dass man von beiden Substanzen das Nebenwirkungsprofil und die wirksame Dosis kennt, die man einem Menschen geben muss“, sagt Rabenau. Beide Medikamente seien auch schon für den Markt zugelassen, zwar nicht gegen SARS, aber das wäre im Ernstfall wohl kein großes Problem. „Falls SARS tatsächlich wiederkommt, gibt es eine gute Chance, eine Therapie einzuleiten“, folgert der Virologe.

Rückkehr des Lungenvirus?

Und dass SARS nochmal ausbricht, hält Rabenau zumindest für nicht ausgeschlossen, „solange man die Quelle nicht kennt“. Aber genaue Prognosen seien „ganz, ganz schwierig anzugeben“. Vielleicht trete SARS saisonal auf, ähnlich wie die Grippe. In China ist man sogar überzeugt, dass der Virus "auf jeden Fall" wiederkommt, wie der Epidemiologe Zeng Guang sagt. Der Erreger sterbe nämlich nicht von allein aus.

Auch Virenforscher John Ziebuhr von der Universität Würzburg hütet sich, von einem endgültigen Sieg gegen SARS zu sprechen: „Man weiß beispielsweise, dass SARS-Infizierte das Virus über viele, viele Wochen ausscheiden können, auch wenn sie bereits als geheilt gelten und keine Krankheitssymptome mehr zeigen.“ Für ein Comeback der Seuche sprechen offenbar nicht nur medizinische Gründe. Die Behörden an einigen Orten seien "nachlässig, schlampig und nicht wachsam", schimpft die chinesische Gesundheitsministerin Wu Yi. Vorschriften ihres Ministeriums würden auch von Kliniken nicht immer erfüllt - dabei spielen sie eine essenzielle Rolle bei der SARS-Bekämpfung.

Behandeln geht, impfen noch nicht

Bisher müssen SARS-Patienten immer in die Klinik - und dann sind sie ja bereits infiziert. Die Alternative zu der Behandlung mit Medikamenten wäre eine Impfung gegen SARS. Doch bis ein Impfstoff wirklich zur Verfügung steht, vergehen etwa zwei Jahre, schätzt Professor Johannes Löwer, Präsident des Bundesamts für Sera und Impfstoffe. Denn die bisher bekannten SARS-Viren seien sehr variabel und würden ihre Eigenschaften zu schnell ändern.

Die Universität Hongkong forscht bereits nach eigenen Angaben zusammen mit Kollegen vom chinesischen Festland und testet einige Viren als Impfstoff. Ergebnisse werde es aber frühestens Ende 2003 geben.

Gemeinsam geht’s schneller

Dann könnte SARS schon wieder ausgebrochen sein, „mag sein, dass es im Herbst oder Winter wiederkommt“, vermutet Rabenau. Wenn die Forscher, die betroffenen Länder und die WHO ähnlich gut zusammenarbeiten würden wie bei der ersten SARS-Welle, sei die Menschheit aber gut gerüstet: Die Mediziner hätten sehr rasch ihre Forschungsergebnisse ausgetauscht, insgesamt sprachen sich 13 Labors der ganzen Welt täglich ab. „Trotz des ganzen Leides, das SARS natürlich verursacht hat: Das war sehr effizient“, lobt Rabenau, „in meiner 20-jährigen Berufserfahrung habe ich das so noch nicht erlebt.“

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links