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Europa

Sarkozy: vom 'Verräter' zum potenziellen Erben Chiracs

Frankreichs Konservative haben in einem Medienspektakel ihren Kandidaten für die Präsidentenwahl im Frühjahr gekürt: Nicolas Sarkozy. Nur Amtsinhaber Chirac kann ihm noch einen Strich durch die Rechnung machen.

Nicolas Sarkozy beim Sonderparteitag der Konservativen in Paris (Quelle: dpa)

Von sich überzeugt: Präsidentschaftskandidat Nicolas Sarkozy

Jetzt ist es offiziel: Frankreichs Innenminister Nicolas Sarkozy wurde am Sonntag (14.1.) auf einem Parteitag in Paris zum Kandidaten des konservativen Lagers für die Präsidentschaftswahl am 22. April gekürt. Und das Ganze glich einer Krönungsmesse: 50.000 Mitglieder der konservativen Regierungspartei UMP und 500 Journalisten aus aller Welt waren dabei. 3,5 Millionen Euro kostet das Spektakel auf dem Messegelände an der Porte de Versailles.

Für Bernadette ist er nur noch der "Brutus"

Chirac unterhält sich mit Sarkozy und Villepin (Quelle: AP)

Der harmonische Schein trügt: Sarkozy inmitten seiner parteiinternen Gegner Chirac und Villepin

Für den 51-jährigen Sarkozy ist der überwältigende Wahlerfolg - 98 Prozent stimmten für ihn als einzigen Kandidaten - das vorläufige Ende eines langen Kampfes gegen parteiinterne Widerstände. Dabei schien er bereits Mitte der 1990er Jahre politisch am Ende zu sein. Nachdem der konservative Senkrechtstarter es mit gerade Ende 30 zum Haushaltsminister und Regierungssprecher geschafft hatte, setzte er bei den Präsidentschaftswahlen 1995 aufs falsche Pferd: Statt seinen Entdecker und politischen Ziehvater Jacques Chirac zu unterstützen, wechselte er ins Lager von dessen Gegner Edouard Balladur. Doch Chirac gewann und ist seit fast zwölf Jahren Präsident der Franzosen.

Sarkozy ist fortan der "Verräter", den Chiracs Ehefrau Bernadette mit dem Beinamen "Brutus" belegt. Viele hätten aufgegeben. Doch der Sohn eines ungarischen Einwanderers kann nicht von der Macht lassen - und ist damit seinem einstigen Mentor Chirac sehr ähnlich. "Du bist für die Politik gemacht", hatte ihm dieser gesagt, als er den langhaarigen Rechtsstudenten Mitte der 1970er Jahre auf einer Parteiveranstaltung entdeckte.

Politisches Ausnahmetalent

Ein brennendes Auto in einer Pariser Vorstadt 2005

Die Bühne, die ihm die Pariser Vorstadtkrawalle boten, nutze Sarkozy geschickt

Stück für Stück muss sich Sarkozy nach der politischen Fehlspekulation wieder nach oben buckeln. Bei der Präsidentschaftswahl 2002 erweist sich das politische Ausnahmetalent bereits wieder als so unentbehrlich, dass es Spekulationen über eine Ernennung zum Premierminister gibt. Chirac lässt dann nur die Kür zum Innenminister zu - und setzt ihm mit seinem langjährigen Kabinettschef Dominique de Villepin als Premierminister einen ernstzunehmenden Gegner im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur vor die Nase.

Fortan üben sich Sarkozy und Villepin in einer offen ausgetragenen Rivalität innerhalb der Regierung. Sarkozy nutzt dabei die Vorstadt-Krawalle im Herbst 2005, um sich mit populistischen Aussagen für die Präsidentschaftswahl in Position zu bringen: Die kriminalitätsbelasteten Vorstädte will er "mit dem Dampfstrahler" reinigen, straffällige Jugendliche sind für ihn "Gesindel".

Unberechenbarer Faktor Chirac

Diese nassforsche Art Sarkozys ist aber nicht nach dem Geschmack der gaullistischen Parteigranden. Chirac und sein treu ergebener Ministerpräsident Villepin boykottieren die Präsidentschaftsträume des "Stoiber Frankreichs", wie sich Sarkozy einst selbst bezeichnete.

Doch Sarkozys parteiinterner Rivale Villepin räumt sich mit seinem hartnäckigen Festhalten an der Lockerung des Kündigungsschutzes im Frühjahr 2006 selber aus dem Weg. Nach seiner Wahl zum Präsidentschaftskandidaten der UMP am Sonntag könnte Sarkozy nur noch der inzwischen 74 Jahre alte Chirac in die Quere kommen und bis März eine erneute Kandidatur erklären.

Extreme Rechte als lachende Dritte?

Breit grinsender Jean-Marie Le Pen (Quelle: AP)

Jean-Marie Le Pen hofft auf eine gespaltene konservative Partei

Tatsächlich bekräftigte Chirac am Donnerstag (10.1.), dass er noch keine Entscheidung gefällt habe. Die Frage einer erneuten Kandidatur "verdient Nachdenken und ich werde daher darüber nachdenken", sagte er. Der 74-Jährige will bis Ende März entscheiden, ob er nochmals ins Rennen geht. Eine solche Ankündigung käme einem politischen Erdbeben gleich und würde unweigerlich zur Spaltung der UMP führen.

Darauf setzt vor allem einer: Jean-Marie Le Pen, Chef der rechtsextremen Partei Front National. Er hatte es 2002 in die Stichwahl gegen Chirac geschafft, weil der sozialistische Kandidat Lionel Jospin die zersplitterte Linke nicht einen konnte. (ana)

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