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Aktuell Europa

Sarkozy startet offiziell in den Wahlkampf

Frankreichs Präsident Sarkozy hat sich Zeit gelassen: Er ist nun als letzter Kandidat offiziell ins Rennen um das Amt des Präsidenten gegangen. In den Umfragen sieht es nicht gut aus für ihn.

Sarkozy erklärt Präsidentschaftskandidatur im französischen Frankreich (Foto: Reuters)

Sarkozy erklärt Präsidentschaftskandidatur im französischen Frankreich

Nicolas Sarkozy steigt noch einmal in den Ring - und das trotz schlechter Umfragewerte. Der französische Präsident hat nun offiziell das bestätigt, was alle bereits erwartet haben: Er hat seine Kandidatur für eine zweite Amtszeit bei den Wahlen Ende April angekündigt. "Ja, ich bin Kandidat der Präsidentschaftswahlen", sagte er im französischen Fernsehsender TF1. Wochenlang hatten die Franzosen gerätselt, wie Sarkozy seine Kandidatur verkünden würde.

Sein stärkster Konkurrent ist der sozialistische Herausforderer François Hollande. Bereits seit Monaten liegt er in Umfragen vor Sarkozy. Das Meinungsforschungsinstitut Harris Interactive ermittelte jüngst, dass Hollande derzeit 28 Prozent der Wählerstimmen im ersten Wahlgang auf sich vereinen könnte, Sarkozy lediglich 24 Prozent. In einer Stichwahl im zweiten Wahlgang käme Hollande sogar auf 57 Prozent und der Präsident nur auf 43 Prozent. Sarkozy bleiben nur noch zwei Monate, um enttäuschte Wähler wieder zurückzugewinnen. Die erste Runde der Wahlen findet am 22. April statt, die zweite am 6. Mai.

Sarkozy hat dem Volk etwas zu sagen

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Im Fokus einer zweiten Amtszeit stehe für ihn, mehr Leute in Lohn und Brot zu bringen, sagte Sarkozy. Der Präsident macht zum Teil die Finanzkrise für die Schwierigkeiten der französischen Wählerschaft verantwortlich. Seinen Kritikern erwiderte er, dass man nicht alle Vorhaben in "fünf Jahren machen" könne. "Wenn wir unser Sozialmodell beibehalten wollen, dann müssen wir Veränderungen vorantreiben". Sarkozy versprach ein Referendum über Arbeitslosenhilfen und die Qualifizierung von Arbeitslosen. Um die französische Lebensart zu erhalten, seien weitere Reformen nötig, sagte der Präsident. Man könne nicht so tun, als ob die Krise nicht existiere.

So lange die Franzosen auf seine offizielle Kandidatur warten mussten, so schnell macht der Präsident nun Nägel mit Köpfen und startet bereits am Donnertsag mit einer Veranstaltung im ostfranzösischen Annecy. "Starkes Frankreich" - so lautet sein Slogan. Er setzt sich mit seinem Programm auch klar von Hollande ab: keine Homo-Ehe, kein Wahlrecht für Nicht-EU-Ausländer bei Kommunalwahlen und keine Adoptionskinder für gleichgeschlechtliche Paare.

Spott vom Herausforderer

Hollande hatte sich im Vorfeld über die Kandidatur-Ankündigung Sarkozys lustig gemacht. "Welche Neuigkeit! Welche Sensation! Der Präsidentschaftskandidat ist seit fünf Jahren Kandidat", spottete der Sozialist und nannte die erste Amtszeit des Präsidenten "ein Fiasko". Seit Jahrzehnten konnte kein so weit abgeschlagener französischer Präsidentschaftskandidat zu so einem späten Zeitpunkt im Wahlkampf noch das Ruder für sich herumreißen.

Die Präsidentschaftswahl dürfte europaweit Auswirkungen haben, meinen Experten. Schließlich hat sich Sarkozy in der Schuldenkrise besonders stark für den Erhalt des Euro eingesetzt. Doch die wirtschaftlichen Probleme Frankreichs könnten ihm nun auch politisch das Genick brechen.

Kritiker werfen ihm vor, nicht wie versprochen die Kaufkraft gestärkt zu haben. Stattdessen habe er das eigene Gehalt erhöht und den Präsidentenpalast ausstaffiert.

nis/sti (afp, dpa, dapd)