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Politik

Sarkozy schließt Boykott der Olympia-Eröffnungsfeier nicht aus

Nicolas Sarkozy hat in London einen Boykott der Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele nicht ausgeschlossen. Uneinig in dieser Frage, ging der britisch-französische Gipfel in London aber in großer Harmonie zu Ende.

Nicolas Sarkozy hebt mahnend den Zeigefinger (Quelle: AP, Archivbild, 04.02.2008)

Nicolas Sarkozy will im Sommer die Lage in Tibet neu beurteilen

Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy will über die Teilnahme an der Olympia-Eröffnungsfeier erst im Sommer entscheiden, unter Berücksichtigung der aktuellen Lage in Tibet. Das teilte er am Donnerstag (27.03.2008) bei einer Pressekonferenz in London mit, wo er einen Staatsbesuch abhielt. Er verwies darauf, dass er zum Zeitpunkt der Olympia-Eröffnungszeremonie turnusgemäß Ratsvorsitzender der Europäischen Union ist. Deshalb müsse er sich mit den anderen Mitgliedstaaten beraten, ob sie die Feier boykottierten sollten. Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk erklärte am Donnerstag als erster europäischer Regierungsechf, nicht an der Zeremonie teilnehmen zu wollen.

Der französische Präsident, der die EU-Ratspräsidentschaft am 1. Juli übernimmt, erklärte weiter, er wolle sich aktiv für eine friedliche Lösung des Tibet-Konflikts einsetzen. Er stimme mit Großbritanniens Premier Gordon Brown darin überein, dass eine Überwindung des Konflikts durch die Erneuerung des Dialogs zwischen dem Dalai Lama, dem geistigen Oberhaupt der Tibeter, und den chinesischen Behörden "im Rahmen des Respekts für die territoriale Integrität Chinas" angestrebt werden muss.

Brown schließt Boykott aus

Brown erklärte hingegen, Großbritannien werde weder die Olympischen Spiele in Peking insgesamt noch die Eröffnungsfeier boykottieren. Großbritannien werde in jedem Fall an der Eröffnungszeremonie teilnehmen. Der Premierminister wird zudem zur Schlussfeier am 24. August anreisen. Dabei wird die Olympische Fahne an London weitergereicht, den Gastgeber der Sommerspiele 2012.

Tibeter protestieren gegen Olympia (Archivbild)

Tibeter protestieren gegen Olympia

Insgesamt ging der britisch-französische Gipfel in London aber in großer Harmonie zu Ende. Die Regierungen beider Länder besiegelten am letzten Tag des Staatsbesuches von Sarkozy ein Abkommen zur Nutzung und Entwicklung von neuen Atomkraftwerken. Außerdemn stellten Sarkozy und Brown gemeinsame Pläne für den Bau einer Flugzeugträger-Gruppe vor, die für EU- und NATO-Missionen zur Verfügung gestellt werden soll. Zudem wurde bekannt, dass der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS mit Sitz im französischen Toulouse der Hauptlieferant der britischen Luftwaffe für Transportflugzeuge wird. Der Vertrag für das von EADS geführte Konsortium AirTanker hat eine Laufzeit von 27 Jahren und ein Volumen von umgerechnet rund 16,7 Milliarden Euro.

Frankreich: Mehr Truppen nach Afghanistan

Brown begrüßte daneben die Ankündigung Frankreichs, mehr Truppen für den Kampf gegen die Taliban-Extremisten in Afghanistan bereitzustellen. Im Gespräch sind 1000 Soldaten. Dies sei auch ein wichtiges Zeichen für andere Länder, "die Lasten gerechter zu teilen", betonte Brown. Zugleich kündigten beide Politiker im Beisein ihrer Regierungskabinette an, gemeinsam gegen den Klimawandel und die Turbulenzen am Finanzmarkt vorzugehen.

Brown nannte Sarkozys zweitägigen Besuch historisch. Die beiden Länder seien das Herz von dem, was ein offenes und global orientiertes Europa sein solle, so Brown. Die neue Zusammenarbeit mit Frankreich nannte er eine "Entente Formidable", ein "großartiges Bündnis".

"Kein One-Night-Stand"

Sarkozy betonte, es handle sich um eine dauerhafte Verbesserung der Beziehungen. "Es ist nicht nur ein One-Night-Stand, wir können auch am nächsten Morgen frühstücken." Er rief Großbritannien jedoch erneut dazu auf, in der EU eine größere Rolle zu spielen, statt "stumm zuzuschauen".

Sarkozy hatte am Vortag den Wunsch nach einer "neuen französisch-britischen Brüderlichkeit für das 21. Jahrhundert" ausgesprochen. Dennoch betonte er die Bedeutung Deutschlands in der EU. "Wir bauen weiter an der Freundschaft mit Deutschland, aber wir brauchen Großbritannien," sagte Sarkozy. (vem)

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