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Europa

Sarkozy, der fliegende Atomhändler

Zu den Lieblingsrollen von Frankreichs Präsident Sarkozy scheint die des fliegenden Atomkrafthändlers zu gehören. Nach Algerien und Libyen will er nun auch mit Saudi-Arabien in der zivilen Atomkraft zusammenarbeiten.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy mit dem Saudi-Arabischen Prinzen Salman Bin Abdelaziz, Bruder von König Abdullah, Foto: AP

Unter Scheichs: Sarkozy auf Verkaufstour

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hat in Saudi-Arabien vier Kooperationsabkommen zur Energiepolitik unterzeichnet. In einer Rede vor dem Schura-Rat in Riad lobte er am Montag (14.1.2007) zudem die Bemühungen von König Abdullah um einen Dialog zwischen Muslimen und Christen. Bereits am Sonntag sollen nach saudischen Angaben Sarkozy und König Abdullah ein Kooperationsabkommen für den Öl- und Gassektor unterzeichnet haben. Außerdem sei eine engere politische Zusammenarbeit vereinbart worden. Auch sollen saudische Studenten einen leichteren Zugang zu französischen Universitäten erhalten. Zudem sollen Saudis für eine praktische Berufsausbildung nach Frankreich geschickt werden.

Vor allem wirtschaftliche Gründe

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy mit dem Saudi-Arabischen Prinzen Salman Bin Abdelaziz, Bruder von König Abdullah, Foto: AP

Sarkozy: Die 'Energie der Zukunft' dürfe nicht dem Westen vorbehalten bleiben

Die französische Zeitung "Les Echos" berichtete am Montag, französische Unternehmen wollten in Abu Dhabi zwei moderne Atomreaktoren bauen. Der Ölkonzern Total, der Energiekonzern Suez und das Energieunternehmen Areva hätten sich am Wochenende auf ein Joint Venture geeinigt, um in dem Golfstaat zwei Druckwasserreaktoren (EPR) zu bauen. Ein entsprechendes sechs Milliarden Euro schweres Abkommen solle an diesem Dienstag beim Besuch Sarkozys in Abu Dhabi unterzeichnet werden. Es wäre der dritte Atom-Vertrag Frankreichs mit einem arabischen Land. Sarkozy will sich anschließend in Katar um eine Kooperation zwischen dem Unternehmen Gaz de France und Qatar Petroleum International bemühen, einer Tochterfirma der staatlichen Ölgesellschaft des Emirates.

In Frankreich, wo etwa 80 Prozent des Stroms in Atomkraftwerken produziert wird, gibt es so gut wie keine Kritik an dieser Politik. Sarkozy verteidigt seine Verkaufsfahrten mit dem Argument: "Die muslimische Welt hat nicht weniger Grund als die restliche Welt, Atomkraft zu nutzen, um den Energiebedarf zu stillen." Die "Energie der Zukunft" dürfe nicht nur dem Westen vorbehalten bleiben, bekräftigt er immer wieder. Wenn andere arabische Länder Atomkraft zivil nutzten, sei dies ein Anreiz für den Iran, seinen Atomstreit mit der internationalen Gemeinschaft beizulegen. Außerdem sei Atomtechnologie klimafreundlich, meint Sarkozy.

Unterstützung bei Sicherheit

Lybiens Staatschef Moammar Gadhafi, (l.) mit Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy im Juli 2007, Foto: AP

Auch Kooperationen mit Lybien sind schon ausgehandelt

Das Hauptargument für den Export französischer Atomtechnologie dürfte jedoch ein wirtschaftliches sein. Die beteiligten Energieunternehmen können jeweils mit dicken Aufträgen rechnen. Im Fall von Abu Dhabi sollen es bis zu sechs Milliarden Euro sein. Die Verträge sehen auch vor, dass Frankreich den Ländern hilft, die internationalen Sicherheitsvorschriften einzuhalten und eigene Experten auszubilden.

Es geht also nicht nur um den Bau einzelner Atomkraftwerke - wie im Fall von Marokko, dem ersten arabischen Land, dem Sarkozy den Bau eines Reaktors zusagte, der die Energie zur Entsalzung von Meerwasser liefern soll. Es geht vielmehr um eine langfristige Bindung an die Atomkraft - ein gutes Geschäft für die eine Seite, ein Prestigeprojekt für die andere.

Kritik von Greenpeace

Kritiker halten Sarkozys Vorhaben vor allem aus Sicherheits- und Umweltgründen für skandalös. "Diesen Ländern den Zugang zu Atomkraft zu verschaffen, bedeutet letztlich, ihnen auch den Bau einer Atombombe zu ermöglichen", meint Yannick Rousselet, Atomexperte bei Greenpeace. Atomkraftwerke seien auch nicht gegen Terroranschläge durch entführte Flugzeuge zu schützen, und in vielen arabischen Ländern gebe es islamische Extremisten, die in Atomkraftwerken geeignete Anschlagsziele sehen können.

"Die Länder, denen Sarkozy Atomkraft zukommen lassen will, sind kaum in der Lage, mit dem radioaktiven Müll umzugehen", fügt Rousselet hinzu. Auf internationale Kontrollen könne man sich dort kaum verlassen.(ina)

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