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Politik

Sarko hält Europa in Atem

Frankreichs Präsident kam beim EU-Afrika-Gipfel in Lissabon als letzter vorgefahren, mit gehöriger Verspätung. Wer als letzter kommt, ist bekanntlich besonders wichtig.

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Schon im Frankreich des Ancien Regime betrat immer der König als letzter den Spiegelsaal, so wollte es das höfische Zeremoniell. Auch über Sarkozys noch junger Präsidentschaft liegt ein Hauch von Absolutismus. Unverfroren vertritt Sarkozy die Interessen seines Landes. Er verkauft Nukleartechnik und Waffen nach Libyen; er gratuliert Wladimir Putin zum Wahlsieg nach einer Wahl, die von allen übrigen Europäern als unfair und undemokratisch bewertet wurde.

Sprunghaft und unberechenbar - so erleben ihn die Partner oft, ob in Berlin oder Brüssel. Immer wieder rüttelt Sarkozy an den europäischen Institutionen. Besonders die Zentralbank mit ihrer starken, vom politischen Tagesgeschäft unabhängigen Position, behagt ihm nicht. Die gesamte EU – für ihn offenkundig vor allem ein Vehikel, Frankreichs "gloire" zu befördern. In wenigen Tagen übernimmt das kleine Slowenien die EU-Ratspräsidentschaft, Mitte nächsten Jahres ist Frankreich am Zuge. Schon jetzt führt sich Sarkozy in Brüssel so auf, als ob das ganze Jahr 2008 "sein" Jahr wäre.

Mit seinem Vorschlag, eine von Frankreich dominierte und mehrheitlich frankophone Mittelmeer-Union zu schaffen, hat Sarkozy viele verwirrt. Mit der Art und Weise, in der er Libyens starken Mann Muhammad Ghaddafi in Paris empfing, hat er viele verärgert – sogar in den eigenen Reihen. Auf viele wirkte der Besuch wie Kumpanei mit einem besonders üblen Diktator. Gemach, gemach, wiegelt Sarkozy ab: Frankreich wolle den früheren Terroristen-Freund Ghaddafi in die Gemeinschaft zivilisierter Länder zurückführen. Schließlich habe er doch auch intensiv über Menschenrechte mit dem Oberst aus der Wüste geredet. Menschenrechte? Nein, die waren kein Thema, erwiderte Ghaddafi in einem TV-Interview.

Und während die französische Öffentlichkeit noch rätselt, wer hier die Wahrheit sagt, sucht "Super-Sarko" wahrscheinlich bereits sein nächstes Thema. Getreu der Devise aller politischen Überzeugungstäter: Die Tagesordnung bin ich.