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Filme

"Sari's Mother" - Verloren zwischen Tod und Terror im Irak

In seinem Dokumentarfilm "Sari's Mother" zeichnet Regisseur James Longley ein erschütterndes Bild vom Überlebenskampf des aidskranken irakischen Jungen Sari und seiner Mutter während des Irak-Kriegs.

Filmstill von Sari und seiner Mutter

Ein berührendes Schicksal

Irak, irgendwo auf dem Land bei Bagdad: Der zehnjährige Sari liegt auf dem staubigen Boden, er ist müde und erschöpft, seine Mutter packt ihn an den Armen, redet lautstark auf ihn ein.

Der kleine Körper des Jungen rappelt sich auf, nur mühsam bewegt er sich, sein Gesicht ist schmerzverzerrt. Aus der Nähe sieht man den zerschundenen Körper und ahnt, dass Sari todkrank ist - das Ohr von der Krankheit zerfressen, Gesicht, Arme und Hände mit Ausschlägen übersät.

In dem Dokumentarfilm "Sari's Mother" begleitet Longley den von Mühsal und Entbehrungen geprägten Alltag einer irakischen Mutter, die trotz Krieg und Besatzung versucht, das Leben ihres durch eine verseuchte Bluttransfusion an Aids erkrankten Sohnes Sari zu retten.

Behandlung kaum möglich

Die Familie ist arm, sie wohnt in einer Lehmhütte auf einem Bauernhof in der Region Mahmudiyah südlich von Bagdad und lebt vom kargen Ertrag aus dem Verkauf von Milch und Butter. Saris Mutter pflegt die Wunden ihres Sohnes und redet ihm gut zu, wenn der Zehnjährige vor Schmerzen laut schreit und dabei fast ohnmächtig wird, wobei seine acht Geschwister meist hilflos zusehen müssen.

Sie singt ihm Lieder vor und versucht ihm trotz harter Arbeit und Zeitmangel besondere Zuwendung zu schenken. Sie muss stark sein, denn antivirale Medikamente hat sie nicht. Der Weg zum nächsten Krankenhaus nach Bagdad ist weit. Trotzdem nimmt sie dies in Kauf. Zusammen mit Sari, dessen Körper wie der eines Fünfjährigen wirkt, macht sie sich auf den Weg, um von den irakischen Behörden zu erfahren, dass jegliche medizinische Hilfe für ihren Sohn vergebens sein wird.

Longleys Kamera begleitet die zwei, unaufdringlich, wie ein stummer Zeuge. Die Szenen stammen aus einer Fülle von Materialien, die der 34-jährige unabhängige Filmemacher während der Jahre 2002 bis 2006 im Irak zusammengetragen hat und die vorwiegend in seinem ebenfalls jüngst fertig gestellten Dokumentarwerk "Irak in Fragmenten" ("Iraq in fragments") Eingang fanden.

Krieg und Menschenleben

Vier Jahre hat Longley Menschen im Irak begleitet, ihr Vertrauen gewonnen und dabei beeindruckende menschliche Einblicke ermöglicht. Der Film zeigt Menschen, die gefangen sind zwischen Gewalt, religiösen Konflikten und massiven Veränderungen in ihrem Land. "Dieser Film erinnert an die menschlichen Geschichten im Irak, die leider oft übersehen werden", sagt der Filmemacher. "Der Irak ist trotz allem ein Land voller Menschen, die sich überhaupt nicht um politische Debatten kümmern."

"Sie haben ihr eigenes Leben, ihre ganz eigenen Probleme und ihre eigene Art, die Dinge auf dieser Welt zu sehen und zu bewältigen. Eines Tages werden sich die USA aus dem Irak zurückziehen, aber die Probleme der Iraker bleiben. Mein Film handelt von diesen Menschen", erzählt Longley.

Für diese herausragende Arbeit erhielt Longley bereits mehrere renommierte Preise, unter anderem auf dem Sundance-Filmfestival in den USA. Vor wenigen Wochen wurde "Iraq in Fragments" auch auf dem Berliner Menschenrechtsfilmfestival "One World" gezeigt.

Kaum AIDS-Aufklärung

Über ein Jahr lang hat Longley, mit Unterbrechungen, Sari und seine Familie begleitet. Die Filmarbeiten waren nicht immer ganz ungefährlich: "Im Frühling 2004 erhielt ich Morddrohungen der örtlichen Widerstandskämpfer, ich solle nicht dort filmen, wo die Familie lebt. "Zu diesem Zeitpunkt musste ich die Aufnahmen stoppen, aber ich konnte weitere Szenen mit Sari und seiner Mutter in Bagdader Krankenhäusern und Ministerien drehen."

AIDS und HIV sind unter der irakischen Bevölkerung ein bislang vernachlässigtes Thema und oftmals auch ein Tabu. Lokale Organisationen kritisieren, dass es kaum Aufklärungskampagnen gebe. Nach Schätzungen der UN-Behörde UNAIDS gibt es derzeit rund 100 offiziell gemeldete Fälle, doch die Dunkelziffer liegt höher.

"Ich wollte keinen Film über AIDS im Irak machen, denn das ist angesichts der relativ niedrigen Zahl kein schwerwiegendes Problem dort. Ich wollte die Hilflosigkeit angesichts des katastrophalen irakischen Gesundheitssystems zeigen", sagt Longley. Dennoch, "Sari's Mother" ist kein Film über die Hoffnungslosigkeit. Er zeigt die starken Seiten der Liebe zwischen Mutter und Sohn und den Mut einer einfachen Frau, die autoritären Behörden in Bagdad mit der einfachen Frage nach Hilfe zu konfrontieren. Longley schafft es, diese Stärke herauszuarbeiten. Saris Mutter weiß, dass sie aber auch einen Kampf gegen die Zeit führt: "Man hat mir gesagt, dass alles, was ich noch tun kann, ist, jeden Moment zu nutzen. Aber es scheint nicht zu reichen."

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