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Wirtschaft

SAP-Mitbegründer Tschira ist tot

Der Physiker sei am Dienstag im Alter von 74 Jahren unerwartet verstorben, teilte die Klaus Tschira Stiftung mit. Details wurden nicht genannt. Nach seinem SAP-Rückzug förderte Tschira zahlreiche Wissenschaftsprojekte.

SAP reagierte mit Bestürzung auf Tschiras Tod. "Wir haben einen großen Gründer und Förderer verloren", teilte der Konzern mit. Tschira hatte Europas größten Software-Konzern 1972 zusammen mit vier weiteren ehemaligen Mitarbeitern des IBM-Konzerns - Dietmar Hopp, Hasso Plattner, Hans-Werner Hector und Claus Wellenreuther - als "SAP Systemanalyse und Programmentwicklung" gegründet. Das Unternehmen entwickelte die Datenverarbeitung in Echtzeit, die bis dahin noch über Nacht ausgeführt wurde, und ging 1988 an die Börse.

Zehn Jahre später zog sich Tschira, inzwischen Multimillionär, aus dem operativen Geschäft zurück; bis 2007 war er noch Mitglied des SAP-Aufsichtsrats. In seinen letzten Lebensjahren kümmerte er sich vor allem um seine Klaus Tschira Stiftung, die er vor fast 20 Jahren ins Leben gerufen hatte und in die er SAP-Aktien im Gegenwert von damals 14 Milliarden Mark einbrachte - einen großen Teil seines Privatvermögens.

Die Heidelberger Stiftung gehört zu den größten Stiftungen Deutschlands und konzentriert sich auf Naturwissenschaften, Mathematik und Informatik in Kindergärten oder Schulen und unterstützt auch Forschungsprojekte. "Die Klaus Tschira Stiftung und alle mit ihr verbundenen Institutionen trauern um ihren Stifter Klaus Tschira", hieß es von dort.

"Lebenslange Leidenschaft für die Naturwissenschaften"

1997 gründete Tschira auch das EML (European Media Laboratory), ein Institut für angewandte Informatik. Daneben förderte der gebürtige Freiburger, der in Karlsruhe Physik studiert hatte, verschiedene Kunst- und Kulturprojekte. Der verheiratete Vater von zwei Kindern saß in zahlreichen Aufsichtsräten, Kuratorien und Beiräten. Auch ein Preis für verständliche Wissenschaft entstand unter der Ägide seiner Stiftung. "Klaus Tschira war ein Mäzen, der seine lebenslange Leidenschaft für die Naturwissenschaften in unzählige Projekte gegossen hat", sagte Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer. Er sei stets unprätentiös und auf die Sache konzentriert gewesen. "Wir sind ihm zu großem Dank verpflichtet. Seine prägenden Beiträge für die Wissenschaft werden wir sehr vermissen", sagte Bauer.

Tschira habe sich als Vermittler von Wissenschaft verstanden, sagt auch Bernhard Eitel, Rektor der Universität Heidelberg. "Er war für die Naturwissenschaften da. Seine ganz besondere Liebe war der Mathematik, der Informatik und der Physik gewidmet." Tschira sei ein humorvoller, dem Leben zugewandter Mensch gewesen, der auf dem Boden geblieben sei. "Der Schalk hat ihm immer aus den Augen geblitzt."

hmf/nm (dpa, rtr)