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Wirtschaft

SAP ernüchtert Anleger

Bei SAP wächst das vielversprechende Cloud-Geschäft - immer mehr Kunden mieten also Software, statt sie zu kaufen. Doch der Schwenk des Softwarekonzerns in die Cloud hat seinen Preis.

Der Internetkonzern SAP hat seine Anleger am Dienstag mit einem schwächeren Ausblick enttäuscht. Bis 2020 soll der Umsatz zwar nun auf 26 bis 28 Milliarden Euro anwachsen, sagte SAP-Chef Bill McDermott am Dienstag in Walldorf. Mit bis zu acht Milliarden Euro soll das Mietgeschäft im Jahr 2020 etwa 30 Prozent der Gesamtumsatzes ausmachen. Vergangenes Jahr waren es erst etwa sechs Prozent.

Allerdings soll der Umsatz bis 2017 nun nur noch auf 21 bis 22 Milliarden Euro steigen. Vor einem Jahr war SAP bis zu diesem Zeitpunkt noch von mindestens 22 Milliarden Euro ausgegangen. Für das nächste Jahr hat SAP ursprünglich mehr als 20 Milliarden Euro Umsatz anvisiert. Davon ist nun nicht mehr die Rede. Auch der Gewinn soll dann niedriger ausfallen als bislang geplant.

Dabei hatte der Softwarekonzern im vergangenen Jahr seine Ziele erfüllt. Die Erlöse stiegen um vier Prozent auf 17,6 Milliarden Euro. Der operative Gewinn ging um drei Prozent auf 4,3 Milliarden Euro zurück.

An der Börse sorgten die schlechteren Aussichten für Verstimmung. Die Aktie verlor im frühen Handel fast vier Prozent. Die Titel waren der mit Abstand schwächste Wert im Dax.

Grund für die Abstriche bei Umsatz- und Gewinnaussichten ist der Ausbau des Cloud-Geschäfts. Bis 2020 will SAP der weltweit größte Anbieter von Firmen-Software, die über die Cloud genutzt wird, sein, sagte McDermott. Jetzt gehe es darum, den Marktanteil zu steigern und nicht um jeden Preis die Rendite zu verbessern.

Dabei stünden in den nächsten drei, vier Jahren erstmal keine weiteren milliardenschweren Übernahmen wie die des Cloud-Spezialisten Concur im letzten Jahr auf der Agenda. Mit zahlreichen Zukäufen ist der Hersteller von Software zur Steuerung von Unternehmensprozessen zum zweitgrößten Cloud-Anbieter aufgestiegen.

Bringt die Cloud genügend Geld?

Die Cloud-Technologie gilt als eines der am schnellsten wachsenden Geschäftsfelder der gesamten IT-Industrie. Dabei ersetzen Kunden klassische Software-Lizenzen zunehmend durch zunächst günstigere Mietsoftware aus dem Internet.

2014 wuchsen die SAP-Umsätze mit Mietsoftware um 400 Millionen Euro auf über eine Milliarde, gleichzeitig gingen die Erlöse mit herkömmlichen Lizenzen um etwas mehr als 100 Millionen Euro zurück. Den größten Umsatzbeitrag brachten die lukrativen Wartungsverträge - aber sie wiederum sind abhängig vom klassischen Geschäft, vom Verkauf der Lizenzen.

Unter Anlegern macht sich deshalb die Sorge breit, dass sich dieses Geschäft auch in Zukunft nicht auszahlen wird, denn das neue Geschäftsmodell bringt das profitable konventionelle Geschäftsmodell ins Wanken. Die Mietsoftware über die Cloud bringt jedoch pro Kunde weniger ein - und etwa 90 Prozent der Cloud-Kunden bei sind nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung keine Neu- sondern Bestandskunden.

jw/hb (afp, dpa, rtr)

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