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Amerika

Santa Climate Claus

Während sich in Kopenhagen die Klimaschützer die Köpfe heiß reden, bereiten sich die Amerikaner auf das Weihnachtsfest vor. Nur naive Menschen meinen, dass das eine mit dem anderen nichts zu tun hat.

Fernschreiber Washington

In Wirklichkeit bräuchten die Umweltschützer in Dänemark gar nicht zusammenkommen, wenn es in den USA nicht den Weihnachtsmann gäbe. Der sorgt nämlich dafür, dass in einem Anfall kollektiver Gemütlichkeitssehnsucht praktisch alle Amerikaner ihre Häuser, Wohnungen, Autos und sogar Fahrräder mit bunten Lämpchen schmücken, die Tag und Nacht leuchten und flackern. Kurzum: Strom verbrauchen, was die amerikanischen Kohlekraftwerke hergeben. Da wird so viel CO2 in die Luft geblasen, dass es mit dem Klima nur bergab gehen kann.

So richtig warm ums Herz wird es dann nicht - wie in Deutschland - an Heiligabend, sondern am Morgen des ersten Weihnachtstages. Erst zu diesem Zeitpunkt dürfen amerikanische Kinder ihre Geschenke auspacken, in der Regel vor dem Frühstück, in Hauspantoffeln, im Schlafanzug, mit ungekämmten Haaren. Das mag das ästhetische Empfinden eines Zentraleuropäers verletzen. Die Amerikaner sind da pragmatischer. Es geht ums Geschenk, um sonst nichts.

Originell statt großkotzig

Miodrag Soric (Foto: DW)

Miodrag Soric

Womit wir bei der Frage wären, was ein gutes Geschenk ausmacht. Zum einen kostet ein gutes Geschenk mehr als nur ein paar Dollar. Der Preis des Präsents sagt doch etwas darüber aus, was mir der Beschenkte wert ist. Andererseits darf ein Geschenk auch nicht zu teuer sein. Das kann den anderen in Verlegenheit bringen und wirkt, besonders hier in den USA, schnell großkotzig.

Geschenke sollten immer originell sein. Deshalb verbietet es sich, Socken, Schlafanzüge, Hemden, Parfums, Kristallgläser, Wein oder Sektflaschen, CDs, Messersets, Pralinen oder Handtücher in Weihnachtspapier einzuwickeln. Übrigens sind auch Geschenkgutscheine "out", wie man in den USA sagt. Wer Gutscheine weiterreicht, zeigt, dass er keine Phantasie, ja keinen Stil hat.

Geschenke vermitteln immer Botschaften, hieß es unlängst in einer amerikanischen Zeitschrift. Sie lauten: "Ich liebe Dich". Oder doch zumindest: "Ich schätze Dich". Die Botschaft darf nicht lauten: "Du hast mir etwas gegeben, also revanchiere ich mich halt". Wenn man in Amerika den Beschenkten etwas länger quälen möchte, empfiehlt es sich, ihm ein Abo der örtlichen Oper oder des Theaters zu überreichen und sich im Laufe des Jahres immer wieder nach den letzten Aufführungen zu erkundigen. Wenn man nicht gerade in einer Großstadt an der Ostküste lebt, kann so ein Abo eine wirkliche Plage sein.

Anti-Klimaschutz-Verpackung

Es war einst Marilyn Monroe, die in den USA Diamanten als Weihnachtsgeschenk hoffähig machte. Die Steinchen seien die besten Freunde der Frauen, sang sie. Als Mann kann man das natürlich nicht wirklich beurteilen. Die Lust auf Luxus hat übrigens in Zeiten der amerikanischen Wirtschaftskrise ein wenig nachgelassen, heißt es dieser Tage an der Wall Street.

Was bleibt, ist die Bedeutung der richtigen Verpackung. Niemand, der eine wertvolle Armbanduhr verschenken will, wird diese in Zeitungspapier einwickeln wie einen toten Fisch auf dem Marktplatz. Amerika ist das Land der geschmackvollen Verpackungen, Kistchen, großen roten Schleifen und dergleichen. Inzwischen soll es sogar flackernde Geschenkpackungen geben, batteriebetrieben. Was da wohl die Umweltschützer sagen?

Autor: Miodrag Soric
Redaktion: Christian Walz