″Sanktionen sind Türöffner für chinesische Unternehmen″ | Wirtschaft | DW | 16.05.2018
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US-Sanktionen gegen Iran

"Sanktionen sind Türöffner für chinesische Unternehmen"

Der Markt im Iran ist nicht unwichtig für deutsche Unternehmen, meint der Iran-Experte Klaus Friedrich vom Verband der Maschinenbauer im DW-Gespräch. Von den US-Sanktionen profitiert die Konkurrenz aus China.

Deutsche Welle: Herr Friedrich, welchen Stellenwert hat der Iran für die deutschen Maschinenbauer?

Klaus Friedrich: Rein finanziell gesehen, liegt das Land im Moment auf Platz 39 der deutschen Exportstatistik mit rund 900 Millionen Euro. Das ist nicht fürchterlich viel. Strategisch ist der Markt allerdings deutlich wichtiger, weil er ein relativ hohes Nachholpotential bei Maschinen und Anlagen hat. Bei einem halbwegs störungsfreien Geschäft wäre der Iran wahrscheinlich irgendwo auf einem Platz zwischen 20 und 30.

Wie werden sich die US-Sanktionen gegen den Iran auswirken? Werden die Geschäfte jetzt völlig abgewürgt?

Ich persönlich glaube nicht, dass sie völlig abgewürgt werden. Aber sie werden wahrscheinlich wieder etwas rückläufig sein. Das hängt von zwei Faktoren ab: Erstens, ob der Iran und die EU in dem Nuklearabkommen bleiben - nur dann können wir überhaupt weiter Geschäfte im Iran machen. Und dann wird es eine individuelle Unternehmensentscheidung sein, ob man noch Iran-Geschäft unter dem Damoklesschwert von US-Drohungen aufrechterhalten kann oder möchte.  Einige Firmen werden sich wieder zurückziehen und andere werden drin bleiben. Das ist extrem schwer zu prognostizieren, wie viele das letzten Endes sein werden.

Business Center für deutsche Unternehmen im Iran eröffnet (picture-alliance/dpa/F. Motahari)

Business Center für deutsche Unternehmen im Iran

Firmen, die im Iran Geschäfte machen, hätten in Zukunft Probleme, in den USA noch einen Fuß in die Tür zu bekommen?

Nicht in Bezug auf die reinen Geschäftsmöglichkeiten. Ein Einfluss auf das US-Geschäft, also auf das Kundenverhalten, sehen wir schon seit Jahren eben nicht. Aber wenn es zu Sanktionen gegen einzelne Unternehmen kommt, so dass es den US-Kunden verboten ist, Waren von diesem sanktionierten deutschen Unternehmen zu beziehen, dann wäre der US-Markt für dieses Unternehmen quasi tot.

Der Iran hat einen gewaltigen Nachholbedarf an Maschinen und ähnlichen Produkten. Inwiefern würde denn die Konkurrenz der deutschen Maschinenbauer von dem Rückzug der Deutschen profitieren?

Genau so wie das schon vor fünf, sechs Jahren passiert ist, als wir die erste große Sanktionswelle hatten. Die deutschen und italienischen Maschinenbauer - die man immer beide betrachten muss - hatten vor rund zehn Jahren ungefähr ein jährliches Exportvolumen zwischen 1,1 und 1,5 Milliarden Euro. Zusammengenommen also rund drei Milliarden Euro. China lag damals noch deutlich unter einer Milliarde Euro. Als die Sanktionen kamen, haben die Chinesen zusammen mit den Koreanern die Lücken gefüllt, und das hat eine Verschiebung von über 1,5 Milliarden Euro in Richtung Korea und China bewirkt. Heute liegt China im Maschinenbau mit 2,3 Milliarden Euro im Iran-Geschäft vorn, gefolgt von Deutschland mit 900 Millionen und Italien mit ebenfalls 900 Millionen. Der chinesische Anteil und auch die chinesischen Mengen werden definitiv wieder steigen.

Könnte man überspitzt formulieren, dass die US-Sanktionen chinesischen Maschinenbauern die Türen im Iran öffnen?

Richtig. Es sei denn, die USA würden chinesische Maschinenbauer sanktionieren und damit genau so unter Druck setzten, wie sie es mit europäischen Firmen machen. Die Frage ist nur, ob sich die chinesische Regierung das gefallen lassen würde.

Die USA haben aber keine besonderen Geschäftsinteressen in der Region - oder?

Aktuell nicht. Die USA haben schon seit fast 20 Jahren ein Totalembargo gegen den Iran, so dass es nennenswerte, offizielle US-Lieferungen nicht gibt. Die inoffiziellen oder die indirekten US-Lieferungen, die stehen auf einem anderen Blatt Papier, aber die sind statistisch nicht zu erfassen. Wobei sich auch dort die Menge in Grenzen hält.

Das Gespräch führte Klaus Ulrich.

Klaus Friedrich ist Iran-Experte beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau VDMA. Herr Friedrich möchte nicht, dass ein Foto von ihm im Internet erscheint - die Redaktion respektiert diesen Wunsch.

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