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Reise

Sanierung mit Hindernissen

Das Brandenburger Tor in Berlin wird saniert und die Meldungen über Schäden an dem historischen Bauwerk reißen nicht ab. Neben mürbe gewordenem Sandstein und alten Kriegsschäden macht Killer-Lack dem Denkmal zu schaffen.

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Das Brandenburger Tor unter einer Werbeplane

Der Bauhistoriker Johannes Cramer findet das Wort Killer-Lack ein bisschen reißerisch. Es handelt sich um Kieselsäure-Ester. Das sind Chemikalien, die man auf den Stein aufbringt, um die etwas zerrüttete Kristallstruktur der Steine wieder zu festigen. Das Problem am Brandenburger Tor sei eher, "dass vor 10 Jahren von diesem Material zu viel auf den Stein aufgetragen worden ist, so dass die Oberfläche zu fest, zu hart, zu undurchlässig geworden ist und jetzt möglicherweise im Ganzen als Schicht vom Tor abplatzt".

Ein altes Problem Bereits seit 1850 versuchte man, die wetterbedingte Feuchtigkeit, die das Bauwerk von außen angreift, in den Griff zu bekommen. So auch bei der Verwendung von Kieselsäure-Ester - er sollte Teile der Oberfläche des Tores versiegeln. Zwar verhinderte dieses Material, dass Feuchtigkeit von außen in den Stein eindringt, was aber nicht bedacht wurde: Die Feuchtigkeit von innen kann nicht mehr hinaus. Dadurch entsteht ein Druck, der nun dazu führen kann, dass Teile der versiegelten Oberschicht vom Tor abgesprengt werden.

Alles halb so schlimm, meint Joachim Günther von der Senatsbauverwaltung, der allerdings zugibt, dass es bei der Sanierung ein Problem gibt. "Anfang der neunziger Jahre wurde eine Substanz verwendet, die die Sandsteinschicht angreifen kann. Im Rahmen der Sanierung wird das allerdings jetzt auch genau behoben. Aber sich vorzustellen, das Gebäude würde jetzt langsam zerfressen, das ist maßlos übertrieben."

Keine endgültige Lösung

Der ursprüngliche Zeitplan von 16 Monaten wurde mittlerweile auf 2 Jahre verlängert. Das lag daran, dass man zunächst von 4000 sanierungsbedürftigen Stellen an dem Bauwerk ausging - nach einer Schadensaufnahme erhöhte sich deren Zahl jedoch auf 14.000. Die Kosten für die Sanierung trägt der Hauptsponsor Telekom - insgesamt etwa 2,5 Millionen Euro, für das Land Berlin in seiner Finanzmisere eine willkommene Lösung. Aber keine endgültige, glaubt Denkmalschützer Cramer: "Selbstverständlich muss man das Tor in 10 Jahren wieder behandeln: Umweltverschmutzung, statische Probleme, auch die Umwelteinflüsse ganz allgemein lassen da gar keine andere Wahl und deswegen ist es einfach ein Irrglaube, dass man jetzt alle Probleme lösen kann, weil man gerade das Geld hat."

Farblich bleibt alles beim alten - das Brandenburger Tor wird seine Naturstein-Fassade, die es im Jahre 1926 erhielt, behalten. In einer Befragung entschieden sich Berliner und Touristen gegen die anderen Farben Weiß, Grau und milchkaffeefarben. Noch ist das Brandenburger Tor von einer Plane verhüllt - doch bis zum 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, sollen die Sanierungsmaßnahmen abgeschlossen sein.

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