1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Sanierung des Neuen Museums abgeschlossen

Nach zehn Jahren Planung und 60 Jahren Dornröschenschlaf: Das kriegszerstörte Neue Museum auf der Berliner Museumsinsel wird neu eröffnet. Nach dem umstrittenen Wiederaufbau ist ein Juwel der Baukunst entstanden.

Neues Museum Berlin

Geschichte bewahren und modernisieren

Eine letzte Kriegswunde auf der Museumsinsel ist geheilt. Der Wiederaufbau war umstritten: Sollte man das zerstörte Haus rekonstruieren, radikal umbauen oder die Schäden konservieren? Bauen im Weltkulturerbe - eine Herausforderung für Architekten und Museen.

Zerstörung bleibt sichtbar

Das neue Museum in Berlin

1997 hatte der britische Architekt David Chipperfield den Wettbewerb zum Wiederaufbau des Neuen Museums gewonnen. Sein Konzept: dem 1855 von Friedrich August Stüler errichteten Haus die äußere Gestalt wiederzugeben, im Ganzen aber den überlieferten Bestand zu sichern und nur behutsam zu ergänzen. Sein Entwurf wurde vieldiskutiert, der Architekt ebenso wie die Denkmalpfleger und die Staatlichen Museen der Denkmalschändung beschuldigt. Doch Chipperfield macht das Haus zum Exponat seiner Geschichte, die Spuren der Kriegszerstörung und jahrzehntelangen Vernachlässigung bleiben sichtbar, Fehlendes wurde behutsam ergänzt. Das Ergebnis: Ein Juwel der Baukunst ist wiederauferstanden, das jedoch die Wunden seiner Geschichte zeigt.

Die Spannweite der Schäden waren enorm: An einigen Stellen waren die um zwei große Innenhöfe und ein zentrales Treppenhaus gelegenen Räume weitgehend erhalten, auch in ihrem reichen Dekor. An anderer Stelle fehlten ganze Gebäudeteile. So waren der Nordwestflügel mit dem Ägyptischen Hof und die Südwestkuppel völlig zerstört, das Treppenhaus durch Bomben verwüstet und die oberen Geschosse des Südwestflügels hatten ebenfalls stark beschädigt.

Alt gegen Neu

Das neue Museum in Berlin

Eine Wand des einst prachtvoll ausgemalten Ägyptischen Hofs, der einem altägyptischen Tempel nachempfunden war, fehlte komplett, die andere blieb 60 Jahre lang der Witterung ausgesetzt. Das Pendant, der Griechische Hof, der mit einem Monumentalfries über die Geschichte vom Untergang Pompejis geschmückt ist, war größtenteils von Schäden verschont geblieben. Aber auch hier hatte die jahrzehntelange Vernachlässigung ihre Spuren hinterlassen.

Dort, wo der Putz weggesprengt ist, tritt jetzt das raue Ziegelmauerwerk hervor. Bauliche Ergänzungen sind nun ebenfalls mit Ziegeln verblendet. Die erhalten gebliebenen Wandgemälde im Ägyptischen Hof, Szenen altägyptischer Denkmalstätten, wurden konserviert, Reste von farbigen Portalrahmungen ebenfalls. Hier hat Chipperfield eine neue, auf Pfeilern ruhende neue Ausstellungsfläche eingezogen, darunter blickt man in das Untergeschoss, das künftig ebenfalls in den Ausstellungsrundgang einbezogen ist. Neu und Alt ergänzen sich auf ideale Weise.

Brüche bleiben sichtbar

Das neue Museum in Berlin

Am Schwierigsten gestaltete sich die Neuinterpretation des zentralen Treppenhauses, dem Herzstück des Hauses: Stüler hatte hier einen kunstvoll ausgeschmückten, die Akropolis in Athen zitierenden Raum geschaffen, der vollständig verloren ging. Auch Chipperfield gestaltet das Treppenhaus als Skulptur, jedoch in neuer Form: Er nimmt den historischen Treppenverlauf auf und stellt zwischen die rohen Ziegelwände eine monumentale helle Treppenanlage aus poliertem Beton, veredelt mit Marmoreinsprengseln.

Die Fehlstellen in den ehemals reich ausgemalten Ausstellungssälen sind nicht repariert, sondern nur farblich angeglichen. An einigen Säulen sind selbst Einschusslöcher aus dem Krieg liebevoll konserviert, andere wirken in ihrer fragmentarischen Erhaltung selbst wie Säulen der Antike. Ganze Wandpartien bleiben weiß, wo die Bemalung verloren gegangen ist, wo noch Reste erhalten sind, werden sie als Dokumente der Raumfassung gezeigt. Stüler hatte die Ausstellungssäle als Kulisse für die Ägyptische Sammlung und das Museum für Vor- und Frühgeschichte phantasievoll gestaltet. Chipperfield belässt ihnen die Aura des Vergangenen, glättet nur die Übergänge und mutet den Besuchern Brüche in der Gestaltung zu.

Geschichte ohne zu rekonstruieren

Das neue Museum in Berlin

In wenigen Monaten wird das Neue Museum mit Nofretete und anderen Spitzenstücke der Berliner Sammlungen wiedereröffnet. Doch schon jetzt zeigt sich, dass der „ergänzende Wiederaufbau“ des Hauses durch den britischen Architekten David Chipperfield gelungen ist. Es bewahrt die Geschichte ohne zu rekonstruieren und interpretiert sie zugleich neu.

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema