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Afrika

Samoura: "FIFA den Glanz zurückgeben"

Der Fußball-Weltverband versucht, die Skandalvergangenheit abzuschütteln. Die Senegalesin Fatma Samoura will die Verbände nun hart ran nehmen: Der Sport müsse wieder im Fokus stehen, sagt die neue FIFA-Generalsekretärin.

DW: Seit Anfang Juni sind Sie - nach Präsident Gianni Infantino - die zweitwichtigste Person im mächtigen Fußball-Weltverband FIFA. Was haben Sie gefühlt, als sie von Ihrer Ernennung erfuhren?

Fatma Samoura: Natürlich habe ich mich gefreut! Aber die Ernennung kam ja nicht aus heiterem Himmel. FIFA-Präsident Gianni Infantino und ich hatten uns zuvor mehrfach getroffen, und er hat mir sein Programm erläutert. Mein Job entspricht ein wenig dem, was ich bei den Vereinten Nationen gemacht habe, also eine Organisation zu führen - und ab jetzt eben dem internationalen Fußball zu dienen. Infantino will mehr Vielfalt in der FIFA und Hindernisse überwinden - seien sie nun religiöser, ethnischer oder politischer Natur. Und das entspricht genau meinen Vorstellungen von einem Weltverband - der noch mehr Mitglieder hat als die Vereinten Nationen, nämlich 211.

Ihr Amt ist nach den Korruptionsskandalen mit weitreichenden Kontrollkompetenzen ausgestattet worden. Was ist denn Ihr erster Eindruck von der FIFA?

Nach so wenigen Wochen kann man noch nicht so viel sagen. Aber ich finde diese Reise ins fußballerische Herz Europas sehr aufregend. Mir ist klar, dass sich innerhalb der Verbandsführung und der Rechenschaftspflichten viel tun muss, um die Fanbindung zu verbessern und den Fußball wieder zurück ins Zentrum der FIFA-Aufmerksamkeit zu rücken. Aber ich bin glücklich, bei der FIFA zu sein. Mein erster Eindruck ist sehr positiv, und ich bin enthusiastisch.

Sie stammen aus dem Senegal und haben für die Vereinten Nationen in mehreren afrikanischen Ländern gearbeitet. Was kann sich denn speziell Afrika von einer afrikanischen FIFA-Generalsekretärin erhoffen?

Natürlich repräsentiere ich als Generalsekretärin nicht nur Afrika, sondern alle sechs Kontinentalverbände. Aber ich werde auch ein Programm umsetzen, das Präsident Infantino ins Leben gerufen hat - mit einer neuen Vision für den Fußball und ganz speziell auch mit ehrgeizigen Plänen für Afrika. Zum Beispiel auf der Mannschafts-Ebene: Bei der Fußball-WM 2026 sollen 40 statt wie bisher nur 32 Teams gegeneinander antreten. Afrika könnte hier zwei zusätzliche Plätze bekommen.

FIFA-Präsident Gianni Infantino (l.) und der Präsident Nigerias Mohammadu Buhari im Porträt (Foto: Getty Images/AFP/P. Ojisua)

Infantino (l.) und Nigerias Präsident Mohammadu Buhari

Und dann haben wir das Förderprogramm "Forward": Die Mittel zur Unterstützung der Nationalverbände werden vervierfacht. Und in diesem Rahmen wird sich auch Afrika einem neuen Monitoring-Programm unterziehen, das die Finanzen und die Verwaltung der FIFA-Gelder stärker kontrolliert. Zudem wird das FIFA-Personal aufgestockt, um die Interessen des Fußballs weltweit und natürlich auch in Afrika besser zu vertreten.

FIFA-Präsident Infantino wollte Sie, weil Sie von außen kommen und mit der Vergangenheit des Verbands nichts zu tun haben. Wie ist er denn auf Sie aufmerksam geworden?

Nicht durch ein Wunder, sondern dank meiner Arbeit und meiner Erfolge. Ich erwarte nun die bedingungslose Unterstützung durch die Kontinentalverbände - auch der afrikanischen, um mein Ziel umzusetzen: der FIFA ihren Glanz zurückzugeben und den Fußball wieder in den Mittelpunkt zu rücken. Ich hoffe auch auf die Hilfe der Medien, dass sie Präsident Infantinos Botschaft unterstützen, unter anderem den Kampf gegen Korruption im Fußball. Ich will, dass meine Zeit bei der FIFA ein Erfolg wird - durch die Umsetzung der neuen wegweisenden Programme, aber auch durch eine andere Art der Führung.

Sie haben zuletzt als Diplomatin die Vereinten Nationen in Nigeria vertreten und dort mehrere Jahre gelebt. Jetzt hat Nigeria die Qualifikation für die U20-Afrikameisterschaft 2017 verpasst. Was ist ihre Reaktion?

Das ist nun mal der Charme des Fußballs! Wir haben bei der UEFA Europa League, der Champions League und auch jetzt bei der Europameisterschaft gesehen, dass es eben nicht nur die großen Fußballnationen bis zu den internationalen Turnieren schaffen. Island hat eine bemerkenswerte Europameisterschaft gespielt - und ist dann unerwartet ausgeschieden. Auch wenn sich Nigeria als große Fußballnation nun nicht qualifiziert hat, bin ich zuversichtlich, dass es das nächste Mal wieder dabei ist. Man darf nicht vergessen, dass die U17-Weltmeisterschaft in Nigeria stattfindet, das zeigt doch, dass Nigeria wirklich was kann und keine Statistenrolle einnimmt.

Die 54-jährige Fatma Samoura stammt aus dem Senegal und ist die erste weibliche und nicht-europäische Generalsekretärin des Fußball-Weltverbandes. Ihr Vorgänger war Anfang des Jahres wegen Korruptionsvorwürfen entlassen worden. Vor ihrer Ernennung war Samoura als UN-Botschafterin tätig.

Das Interview führte Ishiaka Adégboyé (DW-Korrespondent Nigeria).

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