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Musik

Salzburger Festspiele beginnen

Neuer Intendant, neue Schauspieldirektorin, ein neuer "Jedermann": Bei dem weltgrößten Festival mit den Sparten Oper, Schauspiel und Konzert ist diesmal einiges anders. Es könnte der Anfang einer neuen Ära sein.

Top-Stars der Klassik, eine prächtige Kulisse in der Geburtsstadt Mozarts und neue Opern- und Theaterproduktionen sind das Erfolgsrezept der Salzburger Festspiele, die an diesem Freitag mit der traditionellen Aufführung von Hugo von Hofmannsthals Theaterstück "Jedermann" beginnen.

In diesem Jahr gehen gleich fünf neuinszenierte Opern über die Bretter. Die mit größter Spannung erwartete Premiere dürfte am 6. August Giuseppe Verdis "Aida" sein: Sie wird von der iranisch-amerikanischen Künstlerin und Filmemacherin Shirin Neshat inszeniert. Die Titelrolle singt die russische Diva Anna Netrebko, und im Orchestergraben wirkt der italienische Dirigent Riccardo Muti.

Große Namen prägen das Programm

Darüber hinaus gibt es Neuinszenierungen von Alban Bergs "Wozzeck", Aribert Reimanns "Lear" und Dmitri Schostakowitschs "Lady Macbeth von Mzensk" sowie - zu Beginn des Opernprogramms am 27. Juli - Mozarts Oper "La clemenza di Tito" in der Interpretation vom Star-Regieteam Teodor Currentzis als Dirigent und Peter Sellars als Regisseur.

Die Titelfigur, der römische Kaiser Titus, ist auch Ausgangspunkt für das Thema der diesjährigen Salzburger Festspiele: "Macht". Bei verschiedenen Programmpunkten geht es "um Strategien der Macht, ihre Zumutungen und Grausamkeiten, aber auch um das Vergeben- und Verzeihenkönnen", sagte Intendant Markus Hinterhäuser in einem Interview mit der Deutschen Presseagentur (dpa).

Salzburger Festspielen 2017 Neuinszenierung von ‚Jedermann‘ (picture-alliance/APA/picturedesk.com/B. Gindl)

Stefanie Reinsperger als Buhlschaft und Tobias Moretti als Jedermann in der Neuinszenierung des ikonischen Theaterstücks

Jedermanns Sache

Obwohl das Opernprogramm wohl die größte Aufmerksamkeit erhält, wird mit ähnlicher Spannung eine neue Produktion des Theaterstücks "Jedermann" erwartet. Eine Überarbeitung der bisherigen Produktion aus dem Jahr 2013 vom amerikanisch-britischen Regieteam Brian Mertes und Julian Crouch hatte sich als unrealistisch herausgestellt. Regie führt jetzt der gebürtige Wiener Michael Sturminger. Gleich neun Rollen wurden neu besetzt, darunter die Titelrolle mit dem Österreicher Tobias Moretti.

Keine "Pseudoaktualität" beim "Jedermann"

Die Neuinszenierung von "Jedermann" war kurzfristig und überraschend angekündigt worden. Sturminger sei jedoch ein Regisseur, der "sehr zügig auch große Stoffe strukturieren kann", sagte die neue Schauspieldirektorin Bettina Hering. "Außerdem ist er erstaunlich angstfrei und hat ein tolles Team an seiner Seite." Deutlich modernisiert soll die neue Produktion sein, "definitiv gegenwärtiger" jedoch ohne "Zeitgeist oder Pseudoaktualität", fügte Markus Hinterhäuser hinzu.

Hinterhäuser, der auch als Pianist auftritt, ist ebenfalls neu im Amt, jedoch keinesfalls ein neues Gesicht in Salzburg; unter dem ehemaligen Intendanten Gerard Mortier hatte er die Avantgarde-Reihe "Zeitfluss" konzipiert und war von 2010 bis 2011 bereits Interimsintendant. Mit seinem Fünfjahresvertrag erwartet man nach häufigem Wechsel an der Spitze in den letzten Jahren nun eine Ära der Stabilität in Salzburg.

Markus Hinterhäuser, Pianist und Kulturmanager (picture-alliance/picturedesk.com/R. Newald)

Markus Hinterhäuser gilt als innovativer Programmmacher

Das Who's Who der Klassik

Den größten Posten im Festspielprogramm besetzt die Sparte "Konzert" mit 85 Veranstaltungen. Gleich zu Beginn erklingt Olivier Messiaens "La Transfiguration de Notre Seigneur Jésus-Christ" (Die Verklärung unseres Herrn Jesus Christus) am 22. Juli in der Salzburger Felsenreitschule. Der Amerikaner Kent Nagano, ehemaliger Schüler des französischen Komponisten Messiaen, dirigiert Chor und Orchester des Bayerischen Rundfunks.

Danach folgt bis zum Ende der Festspiele am 30. August ziemlich alles, was in der Klassikwelt Rang und Namen hat: Orchester wie die Berliner und Wiener Philharmoniker, das Pittsburgh Symphony und das musicAeterna-Orchestra sowie Dirigenten wie Simon Rattle, Andris Nelsons und John Eliot Gardiner. Hinzu kommen Kammerkonzerte mit den Violinisten Anne-Sophie Mutter, Christian Tetzlaff und Frank Peter Zimmermann oder der Cellistin Sol Gabetta.

Tasten-Genies zu Gast in Salzburg

Eine Reihe von Pianisten von Weltrang treten auf, darunter der 30-jährige russisch-deutsche Pianist Igor Levit, der mit den 24 Präludien und Fugen von Dmitri Schostakowitsch sein Salzburger Debüt gibt. Sein Gastspiel gehört zu der zehnteiligen Reihe "Zeit mit Schostakowitsch", die sämtliche Genres des russischen Komponisten beleuchtet.

Stadtansicht Salzburg (DW/R. Fulker)

Zu Salzburg gehören auch die Gassen mit Kopfsteinpflaster und pastelfarbenen Fassaden

Der gefeierte ungarische Pianist András Schiff tritt bei Recitals mit Werken von Bach, Bartók, Janáček und Schumann auf; die Russen Grigory Sokolov und Evgeny Kissin, die Japanerin Mitsuko Uchida und der Italiener Maurizio Pollini geben auch Soloabende. Als Duo treten zwei Pianisten auf, die schon vor Jahrzehnten für Furore sorgten: Martha Argerich und Daniel Barenboim.

Auch das "Sehen und Gesehen werde" gehört in Salzburg zum Programm

Der 1998 verstorbene französische Komponist Gérard Grisey wird in sechs Konzerten posthum geehrt - und auch die Mozart-Matineen dürfen in der Mozartstadt Salzburg nicht fehlen. Zu den Rahmenveranstaltungen gehören ein "Young Conductors Award" und ein "Young Singers Project".

Hören kann man also viel bei den Salzburger Festspielen. Zum Festivalerlebnis gehört aber auch das Sehen und Gesehen-Werden. Auf der Straße vor der senkrechten Felswand der Salzburger Festung gibt sich die gesellschaftliche Crème de la Crème Jahr für Jahr ein Stelldichein. Sie gehören zu den insgesamt 250.000 Besuchern, die in diesem Jahr erwartet werden.

1920 wurden die Salzburger Festspiele von dem Autoren Hugo von Hofmannsthal, dem Komponisten Richard Strauss und dem Regisseur Max Reinhardt ins Leben gerufen. Der Intendant, der die Festspiele am längsten prägte, war Herbert von Karajan: Die Ära Karajan dauerte von 1957 bis 1989.

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