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Bücher

"Salz auf unserer Haut": Französische Schriftstellerin Benoîte Groult ist tot

Sie war eine Ikone der französischen Frauenbewegung. Die Schriftstellerin Benoîte Groult wurde berühmt mit ihrem Roman "Salz auf unserer Haut". Nun ist sie im Alter von 96 Jahren gestorben.

Ausgerechnet einem bodenständigen Fischer und einer Pariser Intellektuellen dichtete Benoîte Groult in ihrem Erfolgsroman eine Liebesbeziehung an. "Salz auf unserer Haut", der 1988 in deutscher Übersetzung erschien, wurde zum Bestseller: Der Roman verkaufte sich 3,2 Millionen Mal.

Der Bestseller machte Groult international bekannt

Die Begegnung zwischen dem ungleichen Paar beschrieb Groult voller Freizügigkeit aus der weiblichen Perspektive. 1992 wurde das Buch verfilmt. Sowohl der Film als auch das Buch kamen besonders bei Frauen gut an. Manche männliche Kritiker zweifelten allerdings an der literarischen Qualität von "Salz auf unserer Haut" und taten das Buch als pornografische Fantasien ab. Als Groult 1998 ihre Autobiographie veröffentlichte, "Leben heißt frei sein", enthüllte sie, dass diese Begegnung mit ihrem eigenen Leben zu tun hatte.

Ein Leben im Zeichen des Frauenbewegung

Benoîte Groult hat ein politisch bewegtes Leben hinter sich. In den 20er Jahren in Paris pflegte die Schriftstellerin Kontakte zu den Künstlergrößen der Zeit: Pablo Picasso oder Francis Picabia zählten zu ihren Freunden. Sie arbeitete zunächst als Latein- und Französischlehrerin. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde sie Kolumnistin verschiedener Zeitschriften wie "Elle" und gründete das F-Magazin, das sich um Belange der Frauen kümmern sollte. Erst mit 40 Jahren fand sie zum Schreiben. Drei Romane verfasste sie gemeinsam mit ihrer Schwester Flora. Ihre erste Alleinveröffentlichung hieß "La part des choses" und brachte ihr 1972 die erste literarische Auszeichnung ein: den Preis der Akademie der Bretagne.

Kampf für die Rechte der Frauen

Francois Hollande übergibt Benoite Groult den nationalen Verdienstorden Frankreichs

2013 erhielt Benoîte Groult den nationale Verdienstorden Frankreichs

Viele Jahre lang zählte Benoîte Groult zu den prominentesten Feministinnen Frankreichs. Sie sorgte dafür, dass Berufsbezeichnungen für Frauen in die französische Sprache Einzug fanden. Außerdem engagierte sie sich für das Recht auf Abtreibung und für die Anti-Baby-Pille. Themen moderner Eltern wie die Vereinbarkeit von Beruf und Kindern, aber auch der Kampf gegen Genitalverstümmelung beschäftigten Groult.

Letztes Thema: das Älterwerden

In späteren Romanen wie "Salz des Lebens" (dt. 2007) schrieb sie über die Tücken des Alters. Sie schildert auf humorvolle, aber auch liebevolle Art, den Sex eines alten Ehepaars - ohne Hörgerät und Gebiss. In ihren letzten öffentlichen Auftritten und Interviews beschwerte sich die Grande Dame des französischen Feminismus über die Qualen des Älterwerdens.

In der Nacht auf Dienstag ist Benoîte Groult in Südfrankreich im Schlaf gestorben.

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