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Bücher

Salon du Livre in Paris

Muss Frankreich eine Buchmesse haben? Die Frage scheint absurd: Die Grande Nation ist literarisch wie geschäftlich ein Herzstück der Bücherwelt. Doch der Salon du Livre in Paris scheint in seiner Existenz bedroht.

Salon du livre de Paris 2010 (Foto: Étienne de Malglaive / AFP / Salon du livre de Paris 2010)

Der Salon du livre 2010

Bücher und Lesen gehören in Frankreich zu den ganz selbstverständlich hoch geschätzten Kulturgütern. Und Frankreich gehört zu den ganz Großen im internationalen Geschäft mit Übersetzungen – seine Autoren haben Weltgeltung, seine Verlage kaufen fleißig die wichtigsten Bücher aus aller Welt ein. Gute Voraussetzungen eigentlich, um eine Buchmesse mit weltweiter Bedeutung zu etablieren.

Doch dies ist in den über 30 Jahren des Bestehens des "Salon du Livre" in Paris nicht gelungen. Nicht allein, dass der Branchenprimus in Frankfurt um ein Vielfaches mehr an Ausstellern zu bieten hat. Auch die lange Zeit schwächelnde Konkurrenz in London ist deutlich vorbei gezogen. Verlage aus Mittel- und Osteuropa lassen Paris links liegen, um in Leipzig auszustellen. Und französische Kinderbuchverlage verzichten zugunsten der Messe in Bologna zuweilen auf eine Beteiligung in Paris.

Gegenwind aus vielen Richtungen

Salon du livre de Paris 2010 (Foto: Étienne de Malglaive / AFP / Salon du livre de Paris 2010)

Das Kulturgut Buch wird in Frankreich hoch geschätzt.

Die Zeichen stehen also deutlich auf Krise für die immer noch bedeutendste und größte Buchmesse der französischsprachigen Welt, die allerdings immer noch einen beeindruckenden Einblick bietet in das literarische Leben Frankreichs wie auch der Francophonie, jenen Ländern und Regionen in Afrika, Nord- und Südamerika und in der Südsee, die einst das Kolonialreich bildeten. Die Probleme liegen zum einen begründet in der Ausrichtung der Messe, zum anderen in massiven Streitigkeiten innerhalb des französischen Verlegerverbands, wo Großkonzerne wie Hachette und Editis um Einfluss kämpfen.

Seit seinem Start vor nunmehr 31 Jahren ist der Salon du Livre vor allem als Buchverkaufsveranstaltung konzipiert gewesen: Viele prominente Autoren treten hier auf, signieren Bücher und lassen sich interviewen. Auch 2010 zog dieses Konzept rund 1000 Aussteller an, und mehr als 200.000 Besucher – auf den ersten Blick kein schlechter Wert im Vergleich mit den rund 150.000 Besuchern der Leipziger Buchmesse. Allerdings ist das Einzugsgebiet der Messe im Großraum Paris ungefähr 20mal so groß wie das in Leipzig: Unter diesem Aspekt erscheinen die Besucherzahlen des Salon recht kläglich.

Salon du livre de Paris 2010 (Foto: Étienne de Malglaive / AFP / Salon du livre de Paris 2010)

Rund 1000 Aussteller waren bei der Pariser Buchmesse 2010 vertreten.

Neuausrichtung dringend nötig

Das empfinden auch die Aussteller, die seit längerem eine Abkehr vom Prinzip der Publikumsmesse fordern, zumal der Buchverkauf an den Ständen kontinuierlich nachgelassen hat. Besonders die großen französischen Verlage, die ihre Standflächen teilweise drastisch verkleinert haben, streben eine Neuorientierung nach Frankfurter Vorbild an: Bei der größten Buchmesse der Welt werden Fachpublikum und Bücherfreunde gleichermaßen intensiv angesprochen. Das Geschäft mit Übersetzungsrechten und anderen Lizenzen, etwa für Verfilmungen, steht dort im Mittelpunkt des Interesses der Aussteller. Der direkte Verkauf von Büchern spielt in Frankfurt dagegen nur eine geringe Rolle.

Salon du livre de Paris 2010 (Foto: Étienne de Malglaive / AFP / Salon du livre de Paris 2010)

Das Buch der Zukunft?

Für ausländische Verlage ist die Beteiligung am Salon du Livre immer weniger attraktiv: Der Teil des Publikums, der Bücher in fremden Sprachen kaufen möchte, bedient sich heutzutage bequem im Internet und muss nicht auf Buchmessen warten. Und Verleger, die mögliche Partner im Übersetzungsgeschäft treffen möchten, finden diese in der Regel nicht auf dem Salon. Entsprechend sehen die Ausstellerzahlen aus: Nur rund 25 Länder waren 2010 beim Salon vertreten, die meisten davon aus der Francophonie. Und nur rund 100 ausländische Verlage hatten eigene Messestände bezogen. Auch die deutschen Verlage, die traditionell gut vertreten sind im Übersetzungsgeschäft mit Frankreich, treten schon seit einiger Zeit lediglich mit einem Gemeinschaftsstand auf, der von der Frankfurter Buchmesse organisiert wird. Nur wenige Verlage sind allerdings durch Mitarbeiter persönlich bei der Messe vertreten. Die deutsche Präsenz erfolgt nicht aus wirtschaftlichen Gründen: Die besonderen deutsch-französischen Kulturbeziehungen müssen zur Rechtfertigung dienen.


Autor: Holger Ehling
Redaktion: Gabriela Schaaf

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