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Welt

Sall gegen Wade - Stichwahl im Senegal

Herausforderer Macky Sall hat gute Chancen, wenn er in der Stichwahl gegen den amtierenden senegalesischen Präsidenten Abdoulaye Wade antritt. Allerdings: Die Opposition befürchtet Ausschreitungen.

Abdoulaye Wade, 85 Jahre alt, will nicht klein beigeben. Seit dem Jahr 2000 ist er an der Macht und will jetzt - entgegen seiner eigenen Versprechungen und entgegen der Verfassung - zum dritten Mal in Folge Präsident werden. Das hatte schon vor dem ersten Wahlgang für erhebliche Unruhen im Senegal gesorgt, dem sonst so stabilen Staat in einem fragilen Westafrika.

Da Wade aber im ersten Wahlgang die erforderliche absolute Mehrheit verfehlte, muss er nun am Sonntag (25.03.2012) zur Stichwahl antreten. Sein Herausforderer Macky Sall ist nicht nur sein ehemaliger Premierminister, sondern auch sein ehemaliger Parteigenosse und Zögling. Die Zivilgesellschaft im Senegal fürchtet, dass es zu gewaltsamen Ausschreitungen kommen könnte.

Gewaltsame Zusammenstöße vor dem ersten Wahlgang (Foto: dpa - Picture Alliance)

Gewaltsame Zusammenstöße vor dem ersten Wahlgang

Nachdem Wade nach dem ersten Wahlgang seine vorläufige Niederlage eingestanden hatte, hatten sich die Gemüter etwas beruhigt. In den vergangenen Tagen und Wochen blieb es relativ ruhig im Land und der Hauptstadt Dakar. Einige kleinere Zusammenstöße führen Opposition und Zivilgesellschaft allerdings auf Aggressionen von Anhängern von Staatschef Abdoulaye Wade zurück. "Damit die Wahlen friedlich verlaufen, haben wir den Innenminister aufgefordert, die Anhänger von Präsident Abdoulaye Wade zu entwaffnen. Denn sie haben Knüppel und sind leicht als religiöse Jünger von Cheikh Béthio Tioune zu identifizieren", sagt Abdoul-Aziz Diop, Sprecher der Bewegung "23. Juni" (M 23), die Zivilgesellschaft und Opposition vereint.

Mögliche Gewalt wird dokumentiert

Cheikh Béthio Thioune ist einer der religiösen Führer der Mouriden-Bruderschaft, der auch Präsident Wade angehört. Thioune gilt als Scharfmacher. Gerade in jüngster Zeit hatte er immer wieder versprochen, dass Wade wiedergewählt werde. Das macht viele misstrauisch. Wade stützt sich in seinem Wahlkampf stark auf die Unterstützung der religiösen Bruderschaft der Mouriden.

Beunruhigt darüber, wie sich diese Unterstützung am Wahltag auswirken mag, hat die Bewegung M23 angekündigt, mögliche Gewalt zu dokumentieren. Dafür haben die Aktivisten eine Gratis-Telefonnummer angekündigt, unter der jeder Senegalese Gewaltakte melden kann.

Wades Sohn Karim als Nachfolger?

Babacar Gaye, Sprecher der Wade-Partei PDS, wiegelt ab; für den Regierungsmann ist die Lösung einfach: Die Opposition dürfe sich eben nicht provozieren lassen. "Wenn die, die Angst vor den Knüppeln haben, nichts gegen die mit den Knüppeln tun", sagt er, "dann gibt es auch kein Risiko, dass es zu Gewalt kommt." Ähnlich äußert sich kürzlich Präsidenten-Sprecher Amadou Sall: Im Gespräch mit der Deutschen Welle behauptete er, die Zivilgesellschaft lege es darauf an, Gewalt zu provozieren. Zugleich musste er aber zugeben, dass bei den Protesten vor dem ersten Wahlgang staatliche Sicherheitskräfte auf Demonstranten geschossen hatten.

Abdoulaye Wade jedenfalls klammert sich an seinen Posten - vorerst. Kürzlich gab er bekannt - wohl um die Gemüter zu beruhigen -, dass er nur drei Jahre an der Macht bleiben wolle. Er brauche diese Zeit, um die größten politischen Baustellen zu beseitigen. Was danach kommt, ist allerdings unklar. Viele Senegalesen fürchten, dass er seinem Sohn Karim die Macht übertragen will. Der aber ist bei den Senegalesen extrem unbeliebt und soll große Summen an Staatsgeld veruntreut haben. Zudem gilt er den Senegalesen als Chef des nationalen Elektrizitätskonzerns als verantwortlich für die verheerenden Stromausfälle des vergangenen Jahres.

Breite Basis für Sall

Eine Wahlurne wird auf den Tisch geleert (Foto: REUTERS)

Mehr als fünf Millionen Senegalesen dürfen abstimmen

Keine schlechten Aussichten also für Herausforderer Macky Sall. Er hat Opposition und Zivilgesellschaft hinter sich, und selbst kleinere Parteien setzen auf ihn. Amacodou Diouf ist Mitglied der Partei für Unabhängigkeit und Arbeit (PIT) und zugleich Präsident der Nicht-Regierungsorganisation AHDIS für mehr Entwicklung im Senegal. Auch er hofft, dass Macky Sall das Rennen macht. Vor allem, da er glaubt, dass sich Sall auf eine breitere politische Basis aus mehreren Parteien stützen wird. "Wir vertrauen daher darauf, dass eben diese Politik den Bedürfnissen des senegalesischen Volkes Rechnung trägt", so Diouf.

Und wenn Macky Sall die Wahlen nicht gewinnt? Für Abdoul-Aziz Kébé, Universitätsprofessor und aktives Mitglied der Zivilgesellschaft, gibt es dann nur eine Lösung: demonstrieren, denn Abdoulaye Wade solle auf keinen Fall Präsident bleiben. "Und wenn wir das 25 Jahre tun müssen, dann werden wir das eben 25 Jahre lang tun. Wir werden Wade nicht regieren lassen", sagt der Professor.

Dass es zu einem Bürgerkrieg kommt wie in der Elfenbeinküste, wo Monate lang zwei Männer das Präsidentenamt für sich beanspruchten, hält er wie viele Senegalesen für unwahrscheinlich. "Die Senegalesen sind dafür zu friedlich", heißt es immer wieder.

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