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Afrika

Salesianer in Sierra Leone: "Von der Christmette direkt nach Hause"

Die Menschen in Sierra Leone sollen auf öffentliche Weihnachts- und Silvesterfeiern verzichten. Diese und andere Anti-Ebola-Maßnahmen haben gravierende Auswirkungen, sagt Sozialarbeiter Samuel Bojohn im DW-Interivew.

DW: Herr Bojohn, die Regierung in Sierra Leone will öffentliche Feierlichkeiten an Weihnachten und Neujahr verbieten, um die Ebola-Epidemie einzudämmen. Was halten Sie von diesem Vorhaben?

Samuel Bojohn: Die Regierung verbietet uns nicht, Weihnachten oder Silvester zu feiern. Sie bittet lediglich darum, es ruhig angehen zu lassen. Zu Weihnachten etwa werden wir aufgefordert, nach der Christmette direkt nach Hause zu gehen. Es geht dabei vor allem um die öffentlichen Feiern, die normalerweise nach den Gottesdiensten stattfinden. Die Neujahrsfeierlichkeiten sind ein anderes Thema. Die Regierung verbietet diese ganz klar.

Haben diese Maßnahmen einen Einfluss auf Ihre Arbeit?

Das alles hat großen Einfluss auf das gesamte soziale Leben und die Wirtschaft in der Stadt. Selbst die Marktöffnungszeiten sind eingeschränkt. Das Geschäftsleben steht still. Natürlich betreffen diese Einsätze auch die Kinder, die wir betreuen. Wir arbeiten normalerweise hauptsächlich mit Straßenkindern, die Ebola-Waisen sind nun noch dazu gekommen. All diese Kinder haben nun große Angst, auf der Straße zu sein, weil sie von der Polizei gejagt und eingesperrt werden.

Einige Leute sagen, dass dieses Verbot ein Verstoß gegen die Religionsfreiheit ist. Was meinen Sie dazu?

Sicherlich sehen das einige Menschen so. Aber die Leute in Sierra Leone wollen eigentlich nur, dass diese Epidemie endlich ein Ende hat. Welchen Weg die Regierung auch immer wählen wird, ich bin mir sicher, dass die Leute ihn begrüßen werden. Es mag nun wie ein Eingriff in die Religionsfreiheit aussehen, aber wir müssen uns dem nun einmal stellen, weil es die Realität nicht anders zulässt.

Was tut die Regierung derzeit noch darüber hinaus, um das Virus unter Kontrolle zu bekommen?

Momentan findet ein zweiwöchiger Einsatz in der westlichen Region Sierra Leones um die Hauptstadt Freetown statt. Um zu verhindern, dass sich das Virus in diesem Gebiet weiter verbreitet, sollen die Ebola-Infizierten aus der Bevölkerung herausgeholt werden. Fast alle anderen Regionen sind nun Ebola-frei, aber die Zahlen in der westlichen Region steigen immer weiter. Sierra Leone ist ein kleines Land und die meisten Aktivitäten finden nun einmal in der Hauptstadt statt. Viele Leute kommen täglich nach Freetown, um dort Geschäfte zu machen. Die Regierung vermutet, dass das Zusammentreffen vieler Menschen hier eine Rolle bei der Epidemie spielt.

Samuel Bojohn ist Assistent in der Mission des katholischen Ordens der Salesianer Don Boscos in Sierra Leone. Die Salesianer sind dort seit 1986 vor Ort aktiv. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf der Betreuung von Straßenkindern in der Hauptstadt Freetown.

Das Interview führte Asumpta Lattus.

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