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Nahost

Saddam steht ein weiterer Prozess bevor

Saddam Hussein muss sich in einem zweiten Prozess wegen Völkermords verantworten. Insgesamt drohen ihm zehn Verfahren - ein Urteil könnte bis zum Ende aller Verfahren auf sich warten lassen.

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Saddam Hussein vor Gericht

In Bagdad ist am Mittwoch (5.4.2006) der Prozess gegen den irakischen Ex-Machthaber Saddam Hussein und sieben weitere Funktionäre seines Regimes fortgesetzt worden. Das berichtete der Nachrichtensender Al-Arabija. In Justizkreisen in Bagdad wird damit gerechnet, dass das Urteil in dem Prozess, in dem es um die Hinrichtung von 148 Schiiten im Jahr 1982 geht, bald gesprochen wird.

Dann könnte ein zweites Verfahren gegen Saddam wegen der Angriffe gegen die Kurden in den 1980er Jahren beginnen. In diesem zweiten Prozess wären zusammen mit Saddam sechs weitere Ex-Regimegrößen angeklagt, darunter Saddams berüchtigter Cousin Ali Hassan al-Madschid, genannte "Chemie-Ali".

Saddam Hussein Gemälde in Bagdad

Einst waren Saddam-Gemälde allgegenwärtig

Bei der groß angelegten "Operation Anfal" gingen irakische Sicherheitskräfte systematisch gegen Kurden im Nordirak vor, die sie der Komplizenschaft mit dem Nachbarland und damaligen Kriegsgegner Iran beschuldigten. Zwischen 1987 und 1989 sollen im Nordirak unter Saddam Husseins Verantwortung bis zu 180.000 Kurden getötet und 4500 Dörfer zerstört worden sein. Allein bei einem Giftgasangriff auf das Dorf Halabdscha kamen etwa 5000 Menschen ums Leben.

Beweise werden noch gesichtet

Ermittlungsrichter Rahed el Dschuhi erklärte am Dienstag, die Anklagepunkte seien gemeinsam mit einem anderen Richter ausgearbeitet worden, der die Beweise sichten und ein Datum für den Prozessbeginn festlegen werde. Die Überlebenden der Operation seien zwangsweise umgesiedelt und viele Zivilpersonen illegal inhaftiert worden. Dörfer seien zerstört und niedergebrannt worden.

Aus irakischen Justizkreisen verlautete zudem, gegen Saddam Hussein könne es noch rund zehn weitere Prozesse geben. Derzeit steht er in einem anderen Verfahren wegen eines Massakers an 148 Menschen in dem schiitischen Dorf Dudschail 1982 vor Gericht. Darüber verhandelt das Gericht seit Mitte Oktober. Die Anklage lautet auf Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Sollte er in diesem Verfahren schuldig gesprochen werden, droht ihm die Todesstrafe.

Warten auf das Urteil

Ein Urteil gegen Saddam könnte nach den Worten des irakischen Präsidenten Dschalal Talabani möglicherweise erst nach Abschluss aller Verfahren gegen den Ex-Herrscher gefällt werden. "Ich glaube, das Tribunal arbeitet an einem Plan, wonach er zunächst für alle Verbrechen vor Gericht gestellt und dann erst ein Urteil gesprochen wird", sagte Talabani am Dienstag. (stu/kap)

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