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Nahost

Saddam soll Todesurteile für 148 Schiiten unterzeichnet haben

Der frühere irakische Machthaber Saddam Hussein hat offenbar selbst die Hinrichtung von 148 Schiiten Anfang der achtziger Jahre angeordnet. Dies belegt ein neues Gutachten im Saddam-Prozess.

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Saddam Hussein vor Gericht

Im Prozess gegen den gestürzten irakischen Staatschef Saddam Hussein hat die Anklage am Mittwoch (19.4.2006) ein weiteres graphologisches Gutachten vorgelegt. Danach hat Saddam Hussein Anfang der 80er Jahre offenbar selbst das Todesurteil für 148 schiitische Bewohner der Kleinstadt Dudschail unterzeichnet. Welche Dokumente die Experten untersucht hatten, teilte Richter Rauf Abdel Rahman nicht mit. Ein Schreiben ist jedoch auf den 16. Juni 1984 datiert, den gleichen Tag, an dem laut einer früher vorgelegten Notiz die Todesstrafe für die Schiiten gebilligt wurde.

Streit um die Echtheit

Bereits am Montag hatten Graphologen laut Staatsanwaltschaft bestätigt, dass es sich bei Unterschriften auf Dokumenten im Zusammenhang mit der Verfolgung von Schiiten in Dudschail um die von Saddam Hussein handelt. Die Verteidigung beharrt dagegen darauf, dass die Unterschriften gefälscht sind. Sie forderte am Mittwoch erneut die Überprüfung der Dokumente durch ein internationales Experten-Team. Irakischen Graphologen fehle dafür die notwendige Erfahrung, sagte Anwalt Chalil al Dulaimi.

Saddam und sieben frühere Funktionäre seines Regimes müssen sich wegen der Ermordung von insgesamt 148 Männern aus Dudschail verantworten. Die Männer waren 1982 nach einem gescheiterten Attentat auf Saddam in der vorwiegend von Schiiten bewohnten Ortschaft getötet worden. Den Angeklagten, die am Mittwoch geschlossen im Gerichtssaal erschienen, droht die Todesstrafe.

Weitere Verfahren könnten folgen

Beobachter gehen davon aus, dass bald mit einem Urteil gerechnet werden kann. Dann könnte ein zweites Verfahren gegen Saddam wegen der Angriffe gegen Kurden in den achtziger Jahren beginnen. In diesem zweiten Prozess wären zusammen mit Saddam sechs weitere Ex-Regimegrößen angeklagt, darunter Saddams berüchtigter Cousin Ali Hassan al-Madschid, genannte "Chemie-Ali".

Bei der groß angelegten "Operation Anfal" gingen irakische Sicherheitskräfte systematisch gegen Kurden im Nordirak vor, die sie der Komplizenschaft mit dem Nachbarland und damaligen Kriegsgegner Iran beschuldigten. Zwischen 1987 und 1989 sollen im Nordirak unter Saddam Husseins Verantwortung bis zu 180.000 Kurden getötet und 4500 Dörfer zerstört worden sein. Allein bei einem Giftgasangriff auf das Dorf Halabdscha kamen etwa 5000 Menschen ums Leben. Insgesamt könnte es rund zehn weitere Prozesse gegen Saddam Hussein geben. (stu)

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