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Nahost

Saddam-Prozess erneut vertagt

Der Prozess gegen den früheren irakischen Diktator Saddam Hussein ist erneut unterbrochen worden. Nach nur wenigen Verhandlungsstunden wurde das Verfahren vertagt.

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Saddam Hussein vor Gericht

Der Vorsitzende Richter Risgar Mohammed Amin vertagte den Prozess gegen den gestürzten irakischen Staatschef Saddam Hussein nach nur dreineinhalb Stunden auf den 5. Dezember. Damit gab er der Verteidigung Zeit, einen Ersatz für zwei Anwälte zu finden, die kurz nach Beginn des Prozesses im Oktober ermordet worden waren. Ein weiterer Anwalt wurde verletzt und flüchtete daraufhin ins Ausland.

Bei der Wiederaufnahme des Prozesses gegen Saddam Hussein nach fünfwöchiger Unterbrechung am Montag (28.11.2005) sollten erstmals Zeugen gehört werden, die von Saddam und seinen Mitangeklagten systematisch verfolgt worden waren. Mit dem ehemaligen Diktator stehen sieben Männer aus seinem engsten Umfeld vor Gericht, denen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen werden. Bei einer Verurteilung droht ihnen die Todesstrafe.

Auf der Seite der Verteidiger saß auch der frühere amerikanische Justizminister Ramsey Clark, der jedoch vom Gericht nicht als offizieller Rechtsberater anerkannt wird. Clark hat sich für eine Verlegung des Prozesses ins Ausland ausgesprochen - mit der Begründung, dass ein faires Verfahren im Irak nicht möglich sei. Er verwies auf den andauernden Aufstand im Land sowie die militärische Besatzung seitens der USA und ihrer Alliierten.

Verschärfte Sicherheitsmaßnahmen

Das irakische Sondergericht hatte für die Anhörungen die Sicherheitsvorkehrungen verschärft und verängstigten Zeugen besonderen Schutz angeboten. Sie sollen über ein Massaker in einem schiitischen Dorf im Jahr 1982 aussagen. Saddam Hussein soll damals nach einem gescheiterten Mordanschlag die Hinrichtung von 143 Einwohnern von Dedscheel angeordnet haben. Zum Auftakt des Verfahrens am 19. Oktober hatten sich zahlreiche Zeugen geweigert, in der Öffentlichkeit aufzutreten. Der Prozess war daraufhin vertagt schon einmal worden.

Dedscheel und Tikrit im Blickpunkt

Aus Sicherheitsgründen können die Zeugen nun hinter einer Abschirmung aussagen, um ihre Anonymität zu wahren. Saddam Hussein hatte zum Prozessauftakt alle Vorwürfe zurückgewiesen und die Legitimität des Gerichts bestritten.

Derweil forderten Einwohner von Dedscheel sowie Demonstranten in den Schiiten-Hochburgen Nadschef und Kerbela für Saddam die Todesstrafe. Dagegen verlangten Demonstranten in Saddams Heimatort Tikrit nach Berichten arabischer Sender einen fairen Prozess. "Mit unserer Seele und unserem Blut opfern wir uns für Dich, oh Saddam", riefen sie. (mik)

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