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Nahost

Saddam Hussein in Heimatort beigesetzt

Rund 24 Stunden nach seiner Hinrichtung ist Saddam Hussein in seinem Heimatort bei Tikrit im Norden Iraks beigesetzt worden. Nach muslimischem Brauch werden Tote meist innerhalb eines Tages beigesetzt.

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Am Grab des Diktators

Saddam Husseins Leichnam wurde am Samstagabend von Bagdad nach Tikrit übergeführt, wo er am frühen Sonntagmorgen (31.12.2006) eintraf. Eskortiert wurde der Sarg laut einem Bericht des Senders Al Arabija von Gouverneur Schagtti sowie vom Anführer von Saddam Husseins Albu-Nassir-Clan, Scheich Ali al Nidawi. Diese beiden hätten in Gesprächen mit den US-Behörden und der irakischen Regierung die Beisetzung nahe Tikrit ausgehandelt, hieß es.

Neben seinen Söhnen

Der irakische Ex-Präsident wurde kurz vor Sonnenaufgang auf dem Gelände einer religiösen Stätte mitten in der Ortschaft Audscha beerdigt, wie der Gouverneur der Provinz Salahuddin, Hamad Hamud Schagtti, am Sonntag mitteilte. Eine der Familie Saddams nahestehende Person bestätigte, dass der ehemalige Machthaber in der Nähe seiner Söhne Udai und Kusai in Audscha liege. Diese wurden 2003 vom US-Militär getötet. An der Zeremonie hätten nur wenige Menschen teilgenommen. Später aber pilgerten tausende Anhänger des gestürzten Staatschefs in Richtung Audscha, das 130 Kilometer nördlich von Bagdad liegt.

Bei einem Autobombenanschlag in Bagdad sind am Sonntag mindestens zehn Menschen ums Leben gekommen. 15 weitere seien verletzt worden, als in dem dicht besiedelten Wohngebiet Al-Schauka im Westen der Stadt ein mit Sprengstoff beladenes Auto explodiert sei, berichteten Augenzeugen. Am Samstag, dem Tag der Hinrichtung von Ex-Diktator Saddam Hussein, waren bei Autobombenanschlägen in Bagdad und in der südirakischen Stadt Kufa Dutzende Schiiten getötet worden.

Vergleich mit Hitler

Der israelische Vize-Ministerpräsident Schimon Peres hat die Hinrichtung des irakischen Ex-Diktators Saddam Hussein mit dem Ende Adolf Hitlers verglichen. Der Tod Husseins, der eine Gefahr für den Nahen Osten und den Weltfrieden dargestellt habe, sei wie der Hitlers vorhersehbar gewesen, sagte Peres nach Angaben des israelischen Online-Nachrichtendienstes "ynet". Hussein sei ein Diktator, der für drei Kriege sowie den Tod von mehr als einer Million Menschen verantwortlich gewesen sei, erklärte der Friedensnobelpreisträger. "Es bestand eine historische Pflicht, diese Diktatur zu beenden, er hat sein Ende selbst über sich gebracht."

Merkel bekräftigt Ablehnung der Todesstrafe

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte am Samstag in Berlin. "Wir respektieren dieses Urteil, aber es ist bekannt, dass die Bundesregierung gegen die Todesstrafe ist." An einem Tag wie diesem seien ihre Gedanken vor allem bei den vielen unschuldigen Opfern von Saddam Hussein, fügte Merkel hinzu. "Ich wünsche dem irakischen Volk, dass es seinen Weg ohne Gewalt und in Frieden gehen kann."

Arabische Kritik

Das palästinensische Parlament hat die Hinrichtung als "schreckliches Verbrechen" verurteilt. In einer Stellungnahme kritisierte das von der radikal-islamischen Hamas-Bewegung dominierte Parlament auch den Zeitpunkt der Exekution am muslimischen Opferfest. Die regierende Hamas-Bewegung verdammte die Urteilsvollstreckung als "verbrecherisches politisches Attentat" auf Saddam Hussein. "Der Zeitpunkt der Hinrichtung wurde absichtlich gewählt, um Arabern und Muslimen zu schaden", teilte die Organisation mit. Das Büro des Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas äußerte sich nicht.

Das ägyptische Außenministerium kritisierte ebenfalls den Zeitpunkt der Hinrichtung. Die Gefühle der Muslime während der derzeitigen Pilgerfahrt, "die einen Moment der Vergebung" darstelle, seien nicht berücksichtigt worden.

Libyen ordnete am Samstag eine dreitätige Staatstrauer für den hingerichteten "Kriegsgefangenen Saddam Hussein" an. Die grüne libysche Nationalflagge wurde auf Halbmast gesetzt, alle geplanten Feste und Feierlichkeiten wurden abgesagt, wie die staatliche Nachrichtenagentur JANA berichtete. (kas)

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