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Nahost

"Saddam bedeutet Tod, Amerika auch"

Obwohl viele arabische Intellektuelle vehemente Gegner des irakischen Regimes sind, lehnen sie den Krieg ab. "Wir haben nur die Wahl zwischen Pest und Cholera", beschreiben sie ihre Haltung zum Irak-Krieg.

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Intellektuelle Auseinandersetzung

Weder die Befreiung des irakischen Volkes, noch die Demokratisierung des Iraks seien zentrale Ziele der Amerikaner und Briten - so der Tenor zahlreicher arabischer Intellektueller. Schließlich hätten die Alliierten Saddam jahrzehntelang selber aufgerüstet und finanziell unterstützt. Nicht einmal, als er in den irakischen Kurdengebieten Giftgas einsetzen ließ, sei nicht eingegriffen worden. In Artikeln, Kommuniqués und Erklärungen verurteilen Intellektuelle den Krieg. Diese "Bombendemokratie" werde nichts als Unheil für die ganze arabische Region bringen.

"Unrecht des Stärkeren"

Günter Grass

Günter Grass

Diese Meinung wird auch von vielen Intellektuellen außerhalb der arabischen Welt geteilt. Als der Nobel-Literaturpreisträger Günter Grass am 21. März 2003 mit dem Bürgerpreis der Stadt Halle ausgezeichnet wurde, hielt er eine Dankesrede, in der er in scharfem Ton den amerikanischen Präsidenten und seine Regierung angriff. Er warf ihnen das "Unrecht des Stärkeren" vor. Diese Worte fanden ein großes Echo im arabischen Raum. Dort war die Grass-Rede schon am nächsten Tag im Feuilleton der in London herausgegebenen überregionalen arabischen Zeitung "Al-Hayyat" zu lesen.

Doch herrscht hier, wie fast immer in der arabischen Welt, keine Einigkeit. Vor allem Stimmen aus der irakischen Opposition sowie kuwaitische Schriftsteller sind für diesen Krieg. Der kuwaitische Schriftsteller Muhammad Ar Rumaihi, der lange Jahre Chefredakteur der renommierten arabischen Zeitschrift "Al-Arabi" war, erklärt, warum er diesen Krieg unterstützt: "Wir haben es im Irak mit einer brutalen Diktatur zu tun. Niemand kann sie von innen beseitigen, weil sie dies nicht zulässt. Dieses Regime liquidiert den fernen und den nächsten Gegner. Man braucht nur die Geschichte dieses Regimes während der letzten 30 Jahre zu lesen. Deshalb muss man das irakische Volk unterstützen. Wir brauchen Freiheit, Pluralität und moderne Verfassungen."

Schwarz-Weiß-Malerei

US- Angriff auf Bagdad

Angriff auf Bagdad

Diese Schlussfolgerungen kann der ägyptische Romancier Mahmud Al Wardani nicht akzeptieren. Ihn interessiert im Moment nur eins: das irakische Volk. "Es kann hier von nichts anderem als dem irakischen Volk die Rede sein, das den brutalsten Waffen ausgesetzt ist. Mich interessiert jetzt weder Saddam noch das Öl", erklärt er.

Der in Köln lebende irakische Dichter Khaled Al Maali empfindet die Diskussion als Schwarz-Weiß-Malerei. Diesen Fehler begehen seiner Ansicht nach auch deutsche Medien: "Wenn jemand von den deutschen Medien zu mir kommt und nach meiner Meinung fragt, sage ich: Saddam Hussein ist noch schlimmer als der jetzt von Bush und Blair geführte Krieg. Dann wird mir gesagt: Also bist du für den Krieg!"

Der in Amman lebende irakische Dichter Nazim Ouda formulierte dieses Dilemma so: "Saddam bedeutet Tod, Amerika auch. Mir bleibt nur, einen Olivenzweig auf mein Land zu legen und zu weinen."