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Nahost

Sachs: "Iran ist das Thema Nr. 1 für Israel"

Israels Premier trifft sich mit US-Präsident Obama in Washington. Und schon jetzt sei klar, sagt Natan Sachs vom Brookings Institut, es werde nur um ein Thema gehen.

Deutsche Welle: Zu Wochenbeginn hat der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu vor den Vereinten Nationen gesprochen. Dort hat er eindringlich vor einem atomar bewaffneten Iran gewarnt. Atomwaffen im Besitz Teherans wären die "schwerste Bedrohung für uns alle". Glauben Sie, dass er sich im Weißen Haus mit dieser Botschaft Gehör verschaffen wird?

Natan Sachs: Diese Art der Rhetorik ist eigentlich nur für die Öffentlichkeit gedacht. Der US-Präsident hat diese Worte Netanjahus ja auch bereits mehrfach gehört. Israel und die USA sind im ständigen Kontakt, wenn es um den Iran geht. Der Iran ist das Thema Nummer eins in Israel - zumindest für Netanjahu. Im Land selber scherzt man bereits darüber und sagt Netanjahu verfolge genau drei Ziele: Erstens: Iran. Zweitens: Iran. Und drittens: Iran. Er wird das Thema aber vermutlich in einem leicht anderen Kontext erwähnen.

Natan Sachs (Foto: Brookings)

Natan Sachs vom Brookings Institut in Washington

Es sind noch gut zwei Monate bis zum Ende der Frist für die Atomgespräche. Was genau erwartet die israelische Regierung?

Man erwartet eigentlich, dass es zu keiner wirklichen Einigung kommen wird, aber es kann ja immer Überraschungen geben. Die Angst in vielen israelischen Köpfen ist, dass die USA dem Iran zu weit entgegenkommen, um eine Vereinbarung vor Ende des Ultimatums zu treffen. Die verschiedenen Parteien scheinen derzeit unterschiedlicher Meinung zu sein was die Anreicherung von Uran betrifft, aber auch bei der Frage wie viele Zentrifugen und welchen Typ der Iran besitzen darf. Also bleibt es bei der Frage: Kann man sich überhaupt einigen? Können sie vielleicht das Ultimatum noch einmal verlängern, um keinen faulen Kompromiss einzugehen? Das wäre Israel sicher lieber, auch wenn der Führung diese ständigen Verlängerungen ein Dorn im Auge sind.

Israel hat Sorge davor, dass der Kampf gegen den "Islamischen Staat" (IS) die USA und den Iran näher aneinander rücken lassen, weil man gemeinsame Interessen verfolgt. Denn auch der Iran ist ein Feind des IS. Israel ist da sehr eindeutig, auch in der Öffentlichkeit: Das Land möchte, dass die USA versichern, dass diese Umstände keinen Einfluss auf die Iran-Politik haben. Die USA haben bereits eindeutig gesagt, dass sie den Kampf gegen den "Islamischen Staat" losgelöst von den Atomfrage betrachten.

Viele Länder haben sich dem Kampf gegen die Terrororganisation angeschlossen. Wo positioniert sich Israel strategisch?

Auf der einen Seite ist Israel angesichts der Lage sehr besorgt. Überall in den Nachbarstaaten sind Dschihadisten, sogar auf dem Sinai, wobei Ägypten die Lage jetzt besser im Griff hat. Auf der anderen Seite ist Israel aber auch sicher. Tatsächlich vertreten die großen Mächte auch die gleichen Interessen wie Israel. Saudi-Arabien und Ägypten sind vereint im Kampf gegen die Muslimbrüder und daher auch gegen die Hamas. Aber sie sind auch gegen den "Islamischen Staat" und den Iran. So befindet sich Israel in einer seltsamen Allianz mit alten Widersachern.

Und was den Kampf gegen die Terrormiliz angeht, zieht Israel an einem Strang mit den USA. So ist das bei allen Sicherheitsfragen. Aber Israel hält sich bei solchen Koalitionen auch zurück, weil es weiß, dass es bei übermäßiger Beteiligung die Koalition schwächen könnte.

Dass Israel und einige arabische Staaten gemeinsame Interessen verfolgen, hat Netanjahu auch in seiner Rede vor den Vereinten Nationen erwähnt. Die Palästinenser empfanden dies als zynisch. Wie sehen Sie das?

Ich denke, beide Seiten haben auf gewisse Weise recht. Es existieren gemeinsame Interessen. Ägypten und Saudi-Arabien teilen mit Israel die Ablehnung gegenüber der Muslimbruderschaft. Ägypten kontrolliert die Grenze zum Gazastreifen und hat zwar während des letzten Krieges Israel nicht gleich applaudiert, aber es war nah dran. In Saudi-Arabien war die Berichterstattung auch nicht sehr Hamas-freundlich. In der Iran-Frage ist es ähnlich, allerdings ist Israel da näher an der Haltung Saudi-Arabiens, denn die Saudis sehen den Iran als ihren Hauptfeind. Das alles interessiert sie viel mehr als die Palästinenserfrage.

Die öffentliche Meinung ist allerdings eine andere. Die Menschen stehen hinter den Palästinensern. Und das ist der arabischen Bevölkerung und auch den Muslimen weltweit wichtig. Was auch immer Ägypten oder Saudi-Arabien tun, ihnen werden immer Grenzen gesetzt sein in ihrem Zusammenspiel mit Israel, weil die Bevölkerungen niemals offizielle Beziehungen akzeptieren würden solange nicht die Palästinenserfrage geklärt ist.

Natan Sachs ist Stipendiat am Center for Middle East Policy des Brookings Institut in Washington. Er forscht zu den Themen israelische Außenpolitik, arabisch-israelischer Konflikt und amerikanisch-israelische Beziehungen.

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