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Afrika

Saatgut versus Klimawandel

Der Klimawandel droht die Ernteerträge in Afrika zu reduzieren. Deshalb versuchen Forscher dürreresistentes Saatgut zu entwickeln. Doch die Wissenschaftler müssen noch viel Überzeugungsarbeit bei den Bauern leisten.

Miriam Mushindibaba zeigt einen trockenen Maiskolben im Dorf Chemhere in Simbabwe (Archivfoto: dpa)

Bäuerin zeigt trockenen Maiskolben

Zuerst war Christina Sabini skeptisch. Mit ihrem Mann betreibt sie eine kleine Farm bei Morogoro in Tansania. Seit Jahren verschlechtert sich die Ernte: Der Regen wird weniger, die Hitze größer. Letztes Jahr bot ihr ein Vertreter Maissamen mit dem seltsamen Namen TAN250 an. Eine neue Kreuzung, die in Kenia und Simbabwe erforscht wurde. Christina Sabini probierte als eine der Wenigen in ihrer Gegend das neue Saatgut aus. Heute freut sie sich über ihre Entscheidung: "Dieses Saatgut ist besser, weil es auch bei Trockenheit überlebt und einen guten Ertrag bringt. Sogar ohne Dünger kann ich guten Mais ernten", sagt Sabini.

Denn seit einigen Jahren muss sich die Bäuerin an das wechselnde Klima anpassen. "Früher gab es in Ostafrika alle sieben Jahre eine Dürre. Mittlerweile passiert das fast alle zwei Jahre", sagt Cynthia Awuor, Klimaexpertin der Hilfsorganisation CARE in Kenia.

Konservative Bauern

Dürre Nordkenia (Foto: Maya Dreyer DW)

Dürre in Ostafrika

Sie freut sich über die Forschung, will aber auch weiterhin auf alt bewährtes setzen. "Wir ermutigen die Farmer beispielsweise, mehr Sorghum oder Maniok anzubauen, was traditionell dürreresistent ist", erklärt Awuor.

Das ist keine leichte Aufgabe für Cynthia Awuor, denn Bauern sind bei der Wahl ihrer Sorten sehr konservativ. Sie nutzen das, was sich seit Jahren bewährt hat. Dieses Verhalten beobachten Experten auf der ganzen Welt. Thomas Yanga ist beim Welternährungsprogramm für Westafrika verantwortlich und kennt die Einstellung der Bauern aus seiner Heimat in Kamerun. Dort haben sich die Leute an den Geschmack bestimmter Waren gewöhnt. Einfach das Saatgut austauschen würde nicht funktionieren, meint Yanga. "Sie lehnen jede neue Sorte ab, die ihnen nicht denselben Geschmack gibt."

Neue Reissorte als Hoffnungsschimmer

Mann und Frauen dreschend Reis nach Ernte

Reisernte

Das zeigt sich beim Beispiel Reis. In den 90er Jahren versuchten Wissenschaftler widerstandsfähigen afrikanischen Reis und ertragreichen asiatischen Reis zu kreuzen. Heraus kam die Sorte NERICA, für die der Wissenschaftler Monty Jones aus Sierra Leone vor sechs Jahren den Welternährungspreis bekam. NERICA setzte sich aber erst durch, als 80 spezielle Sorten entwickelt wurden. Sie sind genau an die Bodenbedingungen und den Geschmack der Bauern in verschiedenen Regionen angepasst.

In mehr als 20 afrikanischen Ländern gibt es den Reis jetzt. Viele Bauern konnten ihre Erträge verdoppeln. "Aber ab einen bestimmten Level von Dürre, Hochwasser oder Salzgehalt geht jedes Material kaputt. Wir können nur die Widerstandsfähigkeit und die Toleranz gegenüber diesen Problemen verbessern", warnt Monty Jones.

Ernte verdoppeln oder halbieren?

Bauern bei der Feldarbeit in Nsanje, Malawi. (Foto: dpa)

Harte Feldarbeit in Malawi

Der Weltklimarat hat bereits ein Horrorszenario vorausgesagt: In zehn Jahren könnten sich die Ernteerträge in einigen afrikanischen Ländern wegen des Klimawandels halbieren. Viele Experten sehen das als übertrieben. Die "Koalition für die Entwicklung von afrikanischem Reis", eine Art Dachverband der Reisforscher, schlägt sogar einen ganz anderen Ton an. In acht Jahren soll sich Afrikas Reisproduktion verdoppelt haben. Ein ambitionierter Plan der Forscher, der sich aber nur durchsetzen lässt, wenn sie die Bauern davon überzeugen können.

Autor: Adrian Kriesch

Redaktion: Klaudia Pape