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Politik

Sühne für Srebrenica

In Den Haag hat der Prozess gegen die mutmaßlichen Täter des Massakers von Srebrenica begonnen - mit einem Eklat.

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Mauer in Srebrenica

Es begann mit einem Eklat: Als UN-Chefanklägerin Carla Del Ponte das Verfahren gegen sieben frühere bosnisch-serbische Offiziere wegen des Massakers von Srebrenica am Freitag in Den Haag mit einer Rede eröffnen wollte, wurde sie nach nur einer Minute von den Verteidigern unterbrochen. Del Ponte dürfe sich erst im formellen Eröffnungsplädoyer zu Wort melden, das für Ende August vorgesehen sei. Die vier Richter gaben der Verteidigung Recht und die sichtlich erzürnte Chefanklägerin musste sich wieder setzen.

Schlimmstes Massaker seit dem Zweiten Weltkrieg

UN Carla Del Ponte Chefanklägerin UN-Kriegsverbrechertribunal

Carla Del Ponte

Unter dem Vorwurf des Völkermords stehen fünf ehemalige Offiziere der bosnisch-serbischen Armee vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal: Vujadin Popovic, Ljubisa Beara, Drago Nikolic, Ljubomir Borovcanin, Radivoje Miletic, Milan Gvero and Vinko Pandurevic. Sie sollen an der Ermordung tausender Muslime in Srebrenica vor genau elf Jahren beteiligt gewesen sein. Den Männern werden auch Verschwörung zum Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen vorgeworfen. Zwei weiteren Angeklagten wirft das Tribunal Kriegsverbrechen während der Gräueltat vor, die als schlimmstes Massaker an Zivilisten in Europa seit Ende des Zweiten Weltkrieges gilt. Die beiden Hauptverantwortlichen für das Verbrechen - Ratko Mladic und Radovan Karadzic, damals Armeechef und Präsident der bosnischen Serben - sind nach wie vor auf der Flucht. Um Mladics Auslieferung zu erzwingen, hat die Europäische Union (EU) die Beitrittsgespräche mit Serbien ausgesetzt. Es wird vermutet, dass er sich in Serbien versteckt hält.

Menschen gedenken Srebrenica-Massakers

Frau mit den Särgen der Menschen, die am elften Jahrestag des Massakers beerdigt wurden.

Bei dem Massaker wurden im Juli 1995 etwa 8000 moslemische Zivilisten umgebracht. Srebrenica im Osten Bosniens war während des Bosnien-Krieges zu einer moslemischen Enklave in vollständig serbisch besetzter Umgebung geworden und von den Vereinten Nationen (UN) zur Schutzzone erklärt worden. Die genaue Zahl der Opfer ist noch immer unklar. Nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) wurden zwischen 7000 und 8000 Menschen getötet, die bosnisch-serbische Regierung berichtete von mindestens 7779 Opfern, die bosnisch-moslemische Vermissten-Kommission geht von mehr als 8374 Getöteten aus.

Nur ein Drittel der Toten identifiziert

In 80 Massengräbern wurde bislang ungefähr die Hälfte der Opfer entdeckt. Mit 2500 Opfern wurde aber nur bei ungefähr einem Drittel Name und Herkunft herausgefunden. Rund 3500 Leichen warten noch auf eine Identifizierung. Ihre Zuordnung ist schwierig: Viele Leichen wurden von Baggern in Massengräber geschaufelt und dabei in Einzelteile gerissen. Zudem wurden Leichen später umgelagert und auf kleinere Gräber verteilt, um das Verbrechen zu verschleiern.

Der Prozess wird nun nach der Sommerpause des Gerichts am 21. August fortgesetzt. (sam)

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