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Afrika

Südsudans Wirtschaft kämpft ums Überleben

Vor genau einem Jahr wurde der Südsudan unabhängig. Die Abspaltung vom Sudan wurde politisch als großer Erfolg gefeiert. Wirtschaftlich allerdings geht es im Südsudan immer noch nicht voran - trotz großer Ölvorkommen.

Obwohl reich an Öl, Wasser und Bodenschätzen, kämpft der neue Staat Südsudan ums Überleben. Der jahrelange Bürgerkrieg hat seine Spuren hinterlassen. Bis heute fehlt es an allem: Straßen, Schulen, Krankenhäusern, Strom, Wasser und seit Anfang des Jahres auch an Benzin. Und das trotz großer Ölvorkommen im Land. Denn nach der Unabhängigkeit gingen zwar viele ölreiche Regionen an den Süden, doch die Pipelines für den Export des Öls führen durch den Norden.

Durch die fließt kein Öl mehr, weil sich Nord- und Südsudan über die Transitgebühren nicht einigen können. Die nordsudanesische Regierung in Khartum verlangt 36 US-Dollar pro Barrel für die Durchleitung des Öls. Der Südsudan allerdings ist nur bereit, einen Dollar zu zahlen. Im Januar warf der Südsudan dem Norden vor, große Mengen Öl zu stehlen und unterbrach vorerst die Ölproduktion.

Geschütz im Grenzgebiet (Foto: Reuters)

Der militärische Konflikt zwischen Süd und Nord schwelt weiter

Seitdem sind die Kassen leer, denn Öl macht 90 Prozent der Einkünfte des Landes aus. Wolf-Christian Paes vom Bonner International Centre for Conversion (BICC) ist sich sicher: "Wenn keine Lösung erzielt wird, was die Nutzung der bestehenden Pipeline angeht, dann wird der Südsudan in Monaten oder gar in Wochen, was Devisen angeht, zahlungsunfähig sein." Der Südsudan habe deshalb die Notenpresse angeworfen und drucke Geld, um Gehälter zu bezahlen.

Mangelnde Infrastruktur

Die Inflationsrate steigt seitdem spürbar. Inzwischen hat sie 19 Prozent erreicht. Gleichzeitig hat sich das wirtschaftliche Wachstum deutlich verlangsamt. Die Nahrungsmittelpreise explodieren, die Agrarproduktion sinkt. Obwohl der Agrarsektor im Südsudan als vielversprechend gilt und ein hohes Wachstumspotential hat, befürchtet die UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO eine Hungerkrise. Für den Sudan-Experten Paes haben die Probleme vor allem mit der mangelnden Infrastruktur zu tun.

Rinderherde (Foto: dapd)

Weiterhin sehr wichtig im Südsudan: die Landwirtschaft

Denn "sowohl Kleinbauern als auch Agrarunternehmer haben das Problem, dass sie sehr weit weg von den Märkten sind", so Paes. Die Straßenverbindungen von Südsudan nach Uganda und Kenia, den beiden naheliegenden Exportmärkten für Agrarprodukte, seien katastrophal und der Transport somit ausgesprochen teuer.

Alternative Pipeline nicht wirtschaftlich

Beim Öl sieht es nicht besser aus: der Südsudan ist verkehrstechnisch so abgeschnitten, dass es schwierig ist, Öl zu exportieren, ohne die Pipelines des Nordens zu nutzen. Daher erwägt das Land, eine alternative Pipeline durch Kenia zu bauen. Die Kosten dafür sollen drei Milliarden US-Dollar betragen. Noch ist jedoch unklar, wer die Finanzierung übernehmen könnte. Banken scheinen bisher nicht interessiert zu sein. Der Südsudan, so die Befürchtung von Beobachtern, hat möglicherweise überhaupt nicht so große Ölvorkommen, als dass sich die Pipeline jemals rentieren würde.

Hinzu kommt, dass die geplante Pipeline durch politisch unsicheres Gebiet führen würde. Für Abraham Matoc Dhal, Professor an der Universität Rumbek im Südsudan, sind die ungeklärten ökologischen Risiken für die Errichtung einer Pipeline oder Raffinerie ein weiterer Kostenfaktor. Die dadurch entstehenden Umweltschäden könnten zu einem Verlust an Agrarfläche führen, den Viehbestand reduzieren und zu einer Abwanderung der dort ansässigen Bevölkerung führen. Wenn man dies alles einrechne, seien die tatsächlichen Gesamtkosten der Ölproduktion und des Transports wesentlich höher anzusetzen.

Von Öleinnahmen unabhängig werden

Trotzdem schaffe der Südsudan, so Matoc, die richtigen Rahmenbedingungen für Auslandsinvestoren, damit sie Geld ins Land pumpen. Die Regierung habe Gesetze verabschiedet, die die Entwicklung des privaten Sektors unterstützen und das Land für Investitionen attraktiv machen. Die Regierung bemühe sich außerdem, ausländische Investoren mit Fachwissen ins Land zu locken, um den Technologie-Transfer zu fördern.

Delegation aus Südsudan besichtigt Ölfeld (Foto: AP)

Streitpunkt mit dem Norden: das Öl

Für Matoc bleibt das Bestreben, unabhängig vom Öl zu werden, eine Priorität, denn "die Einkünfte von Regierungen weltweit basieren in erster Linie auf Steuern und nicht auf Öleinnahmen." Der Südsudan besitze auch andere Reichtümer wie Gold, Uran und fruchtbares Land und habe damit genug Potential, die eigene Wirtschaft anzukurbeln.

Boom im Bausektor

Die neue Strategie des Südsudan, so Matoc, scheine aufzugehen. Matoc glaubt, dass das Land sich selbst ernähren kann und in der Lage ist, eine gute Infrastruktur aufzubauen. Der immense Ressourcenreichtum des Südsudan erlaube es, internationale Kredite aufzunehmen. Damit könne die Regierung in die Infrastruktur investieren.

Ein Jahr nach der Unabhängigkeit seien schon Fortschritte sichtbar, so Matoc. In Juba, der Hauptstadt Südsudans, seien seit der Unabhängigkeit neue Straßen gebaut worden, Ministerien seien renoviert worden und der Bausektor boome. Trotz vieler Probleme sei das Leben in Juba damit insgesamt besser geworden.

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